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Obst im Klimawandel

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„Weinklima“ auf dem Weg nach Norden?

WeintraubenFoto: Buchter-Weisbrodt Zur Beantwortung dieser Frage ist es zunächst einmal nötig, sich mit den Klimaansprüchen der Obstarten zu befassen. Ab einer Jah­res­durch­schnitts­tem­pe­ra­tur von 8,5–9,0 °C spricht man von einem „Obstklima“, bei 9,5–10 °C von „Weinklima“. 7,5 °C Durch­schnitts­tem­pe­ra­tur gelten als untere Grenze für den Erwerbsanbau von Obst.

Seit 1970 hat sich die Jah­res­mit­tel­tem­pe­ra­tur an der Wetterstation in Weins­berg um 1,5 °C erhöht. Damit hat sich auch entsprechend die Klimazone am Neckar in Richtung reines Wein­bau­kli­ma verschoben. Die Anbauregion Neckar hat heute eine Durchschnittstemperatur von ca. 11 °C, liegt damit auf dem Niveau des Loiretales der 70er Jahre und nähert sich den damaligen Ver­hält­nis­sen in Südtirol an.

Da sich in dem Zeitraum der Vegetationsbeginn nach vorne und das Vegetationsende nach hinten verschoben haben, bedeutet das eine Verlängerung der Vegetationszeit um drei bis vier Wochen gegenüber den 70er Jahren.


Spätsorten profitieren

Während damals der Anbau von Spätsorten wie ’Granny Smith’ noch durch das Vegetationsende begrenzt war, ist er heute kein Problem mehr. Gleichzeitig haben sich die Ernteter­mine bei allen Kulturen nach vorne verschoben.

Von der Klimaverschiebung profitieren alle obstbaulichen Arten mit einem hohen Wärmeanspruch. Durch die Vegetationsverlängerung ist bei späten Sorten auch ein höherer Gehalt an Inhaltsstoffen zu verzeichnen, d.h. auch die Qualität wird besser.

Birnen haben generell einen hohen Wärmeanspruch. Es zeigt sich aber, dass alte Birnensorten mit den hohen Temperaturen im Sommer und plötzlich auftretender Trockenheit Probleme haben und zu Blattverbrennungen neigen (z.B. ‘Conference’) oder stressbedingt Steinzellen und Oran­gen­häu­tig­keit ausbilden (z.B. ‘Alexander Lucas’).

Die Frage, ob diese Symptome durch Wassermangel oder schlechtere Nährstoffverfügbarkeit der Böden verursacht werden, ist dabei sekundär, da sich beides aus den veränderten Wit­te­rungs­be­din­gun­gen ergibt. Im Rahmen der Sortimentsprüfung in Weinsberg ist aufgefallen, dass viele alte Sorten (sprich an un­ser „ehemaliges Klima“ angepasste Sorten) mit dem heutigen Klima Probleme haben, während Neuzüchtungen aus wärmeren Herkunftsländern unproblematisch sind.

Pfirsiche und Aprikosen, die auch einen hö­heren Wärmeanspruch haben, werden ebenfalls zu­neh­mend anbauwürdig. Problematisch ist aber nach wie vor die Spätfrostanfälligkeit ihrer Blüten. Bei der Sortenwahl ist daher auf einen späten Blühtermin zu achten.

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