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Gärtnern mit allen Sinnen

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Dass Gärtnern glücklich macht und eine „sinn-volle“ Tätigkeit ist, wissen Sie als Kleingärtner schon lange. Der Biss in eine sonnenwarme Erdbeere, duftender Lavendel, das leise Rascheln der Blätter im Wind sorgen dafür, dass im Garten alle Sinne angesprochen werden. Unter dem Motto „Ein Garten für die Sinne“ rückte das 13. „Gartenfreund“-Expertenforum die vielfältigen positiven Wirkungen des Gärtnerns in den Fokus. Der Verlag W. Wächter sowie die Firmen Bruno Nebelung (Kiepenkerl, Sperli) und Volmary hatten auf den Kaldenhof bei Münster eingeladen – und rund 150 Gartenfreunde fanden sich am Samstagmorgen bei Sonnenschein und frischer Brise dort ein.

Gärtnern macht gesund

Den Auftakt gab Andreas Niepel, Teamleiter Gartentherapie an der VAMED-Klinik in Hattingen, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des BDG und Präsident der „Internationalen Gesellschaft GartenTherapie“. In seinem mitreißenden Vortrag belegte er, dass das gesunde Gärtnern nicht nur ein subjektives Gefühl ist, sondern durch eine Vielzahl von Studien untermauert wird.

Gärtner und Gartentherapeut Andreas NiepelFoto: Verlag W. Wächter Der Gärtner und Gartentherapeut Andreas Niepel in Aktion

So bietet der Garten eine riesige Bandbreite von sinnlichem Genuss über ökologische Aspekte bis hin zu sozialer Einbindung. Ein Garten lässt eben nicht nur die Pflanzen, sondern auch den Menschen wachsen!

Vom Samen zur Pflanze

Das Keimen und Wachsen hatten auch Birte Rath und Cordula Thies von Nebelung in Ihrem Vortrag „Faszination Saatgut“ im Blick. Das Bild eines „haarigen Aliens“ entpuppte sich als mikroskopische Aufnahme eines Tomatensamens, der vermeintliche „Brotlaib“ war ein Samen der Kapuzinerkresse. Die Referentinnen erklärten, welche Bedingungen ein Samenkorn braucht, damit aus ihm ein kräftiger Keimling wird, und welche Prozesse sich dabei im Samenkorn abspielen.

Birte Rath und Cordula ThiesFoto: Verlag W. Wächter Wie funktioniert eigentlich die Keimung von Samen? Birte Rath und Cordula Thies gaben Infos zu Saatgut, Keimprozess und Wachstumsbedingungen.

Bei der Vorstellung der Neuheiten der Marke „Kiepenkerl“ rückte Cordula Thies die F1-Hybriden in den Fokus. Diese Sorten zeichnen sich z.B. durch hohe Erträge und überdurchschnittliche Widerstandsfähigkeit aus. Es handelt sich dabei um eine klassische Züchtungsmethode, nicht um Gentechnik.

Der einzige Nachteil der F1-Hybriden ist, dass ihre Samen keine einheitlichen Nachkommen hervorbringen, also im Gegensatz zu samenfesten Sorten immer wieder neu gekauft werden müssen. Die Sortenvorstellung reichte von der Möhre ‘Ruby Prince’ – der roten „Gesundheitsmöhre“ mit gelber Mitte – über die handliche Zuckermelone ‘Stellio’ bis hin zu bunten Blumenmischungen für Vögel und Insekten.

Möhre ‘Ruby Prince’ und Zuckermelone ‘Stellio’Foto: Kiepenkerl Möhre ‘Ruby Prince’ (l.), Zuckermelone ‘Stellio’ (r.)

Birte Rath stellte eine große Vielfalt von Pflanzen der Marke „Sperli“ vor, die Gartenfreunde leicht auf der Parzelle aussäen können. So überzeugt der Popcornmais ‘Negro Cine’ mit seinen glänzend schwarzen Samen, und die Ringelblume ‘Ivory Princess’ sowie die Kornblume ‘Aloha’ (erhältlich ab 2020) sind nicht nur schön, sondern auch Insektenmagneten.

 

Passend zum Thema Keimung wies Birte Rath auf das große Sortiment an Keimsprossen wie „Linsen-Duo“, „Frische Mischung“ oder „Feurige Mischung“ von Sperli hin.

Blätter, Blüten, Düfte, Früchte

Manuela Manegold von Volmary belegte in ihrem lebhaften Vortrag eindrucksvoll, dass Pflanzen wirklich alle Sinne ansprechen. So bildet der Silberregen ‘Silver Falls’ weich behaarte Blätter, die sich fast wie Seide anfühlen.

Wer Duftpflanzen liebt, für den sind z.B. die Rokoko-Nelken ‘Sunnybees’ in verschiedenen Farben oder die Vanilleblume ‘Nautilus Blue’ die richtige Wahl. Naschkatzen kommen bei der rotblütigen Erdbeere ‘Summer Breeze Rose’ auf ihre Kosten, während leise raschelnde Strohblumen eine Wohltat für gestresste Ohren sind.

Die Kraft der Natur nutzen

Dafür, dass Pflanzen beste Wachstumsbedingungen haben, sorgt auch die Firma Schacht aus Braunschweig mit ihren Produkten zum integrierten Pflanzenschutz. Am Infostand beantworteten Ralf Rohde und Jens Hahn jede Menge Fragen zur Pflanzenstärkung, Düngung, Kompostierung und zur Versorgung von Schnittwunden. Dabei leistete auch „Pflanzenarzt“ René Wadas medizinische Hilfe und gab praktische Tipps.

Duftende Dekorationen

Floristenmeisterin Anke Krohme sorgte dafür, dass die wunderschönen Blüten, Kräuter, Samenstände und Gräser des Kaldenhofs floristisch veredelt wurden. Sie zauberte duftende Arrangements und gab den Gartenfreunden viele Anregungen zur Gestaltung – von der Auswahl der Gefäße über gelungene Farbkombinationen bis hin zu Profi-Tipps zur schnellen Anfertigung.

Floristenmeisterin Anke KrohmeFoto: Verlag W. Wächter Floristenmeisterin Anke Krohme sorgte für kreative Arrangements aus Blüten und Kräutern.

Schatzkammer Kaldenhof

Der Kaldenhof bietet mit seinen bunten Test- und Versuchsflächen eine riesige Vielfalt an Informationen und Sinneseindrücken. Hier sind alle Sorten aufgepflanzt und können direkt miteinander verglichen werden. Damit die Besucher diese Schatztruhe richtig nutzen konnten, bot das 13. Expertenforum am Nachmittag verschiedene Führungen an.

Zwiebel- und Knollenwelt

So hatte sich Miriam München von Nebelung ganz den Zwiebel- und Knollenpflanzen verschrieben. Sie führte die begeisterten Besucher durch die Vielfalt der Dahliensorten, zeigte die Unterschiede und gab Tipps zum Überwintern.

Die Dahliensorten ‘Creme de Cassis’ und ‘Creme de Cognac’ mit ihrem schönen Farbenspiel sowie die gefüllten, duftenden Lilien ‘Roselily Dejima’ und ‘Roselily Samantha’ fielen dabei besonders auf.

Außerdem konnten die Gartenfreunde raten, um welche Arten es sich bei den von ihr vorbereiteten Abbildungen von Blumenzwiebeln und -knollen handelt – gar nicht so einfach!

Dahlien gehören übrigens genau wie Krokusse und Winterlinge zu den Knollenpflanzen, während Tulpen, Narzissen und Lilien typische Zwiebelblumen sind. Neben ihren schönen Formen und Farben überzeugen viele Zwiebelblumen wie Lilien und viele Narzissen auch mit ihrem Duft.

Sommerlange Blütenträume

Manuela Manegold von Volmary nahm die Besucher mit in das farbenprächtige Reich der Beet- und Balkonblumen. In Kästen und Kübeln präsentierte sich das Sortiment in üppiger Blütenfülle. Bei den Balkonkasten-Trios stellt Volmary Kombinationen aus drei Sorten zusammen, die optisch gut zueinanderpassen und eine ähnliche Wuchskraft haben.

Ein echter Hingucker ist z.B. die neue Sorte der Schwarzäugigen Susanne ‘Amber Stripes’, deren hellgelbe Blüten kräftig orangerote Streifen aufweisen. Auch bei den Bidens gibt es viele neue Sorten in leuchtenden Orangetönen, die zudem kompakt sind und bis zum Frost durchblühen. Die Sonnen-Begonien ‘Sunpleasure’ zeichnen sich durch ihre gute Wetterfestigkeit und die kräftig leuchtenden Farben aus.

Kräuter für Nase und Gaumen

Birte Rath und Amelie Merschmann von Nebelung entführten die Besucher in die aromatische Welt der Kräuter. Die vielfältigen Kräuterdüfte dienen den Pflanzen dazu, Freßfeinde abzuwehren. Bei Hitze oder durch Berühren werden besonders viele Duftmoleküle freigesetzt.

So strichen die Teilnehmer mit großer Begeisterung über Rosmarin, Currykraut und Co. und probierten Melonensalbei und Süßkraut. Ganz Mutige testeten sogar die prickelnden Blütenköpfe der Parakresse.

Birte Rath gab den Besuchern noch viele Tipps zum Kräuteranbau auf den Weg. So ist für fast alle Kräuter ein vollsonniger Standort wichtig. Zudem sorgen ein karger Boden, sparsame Bewässerung und genügend Abstand zu den Nachbarpflanzen für besonders viele Aromastoffe.

Bunter Tomatensommer

Was wäre ein Sommergarten ohne reife rote, gelbe und orangefarbene Tomaten? Raimund Schnecking von Volmary übernahm die Führung durch die Tomaten-Gewächshäuser und konnte wirklich jede Frage beantworten. Von erbsengroßen Johannisbeer-Tomaten bis zu kiloschweren Fleischtomaten konnten die Teilnehmer die gesamte Vielfalt der Tomatenzüchtung bestaunen.

Schnecking erklärte den Gartenfreunden, woran sie Sonnenbrand an den Früchten erkennen können und wodurch Blütenendfäule entsteht. Zudem erläuterte er den Unterschied zwischen samenvermehrten und veredelten Tomaten, der oft erst im Spätsommer sichtbar wird. Dann sind die Sämlingstomaten häufig schon etwas schwächer, während die veredelten Pflanzen aufgrund ihrer besonders vitalen Unterlage weiterhin reiche Ernte bringen.

Den Mund voller Tomaten- und Kräuteraromen und den Kopf voller sinnlicher Eindrücke und Pflanzideen verließen die Gartenfreunde am späten Nachmittag das Gelände am Kaldenhof.

grr