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Sortenvielfalt im Sonnenschein

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10. „Gartenfreund“-Expertenforum

Kleingärtner sind offenbar Frühaufsteher – bereits eine Stunde vor dem offiziellen Einlasstermin um 8.15 Uhr standen etliche Teilnehmer Schlange, um als erste auf das üppig blühende Gelände des Pflanzenzuchtzentrums am Kaldenhof in Münster zu kommen. Nachdem der Sommer sich in den Tagen zuvor mit einstelligen Temperaturen und Nieselregen gut getarnt hatte, empfing der Samstag die Besucher mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen.

Die 130 Teilnehmer nahmen ihre „Wundertüte“ mit Infomaterial und Samentüten in Empfang. Die meisten waren nicht zum ersten Mal da – man kannte sich, und überall waren lautstarke Begrüßungen und lebhafte Gespräche zu hören.
 

Gewächshaus wurde zum VortragssaalFoto: Verlag W. Wächter Das Gewächshaus wurde zum Vortragssaal.

Freigelände des PflanzenzuchtzentrumFoto: Verlag W. Wächter Das Freigelände des Pflanzenzuchtzentrums bietet gleichermaßen Genuss und Information.


Oliver Wächter vom Verlag W. Wächter, Herbert Kleine Niesse von der Firma Ne­be­lung und Raimund Schnecking von der Firma Volmary hießen die Teilnehmer herzlich willkommen. Kleine Niesse verwies gleich auf die Wetterkapriolen dieses Sommers. Unter den Füßen habe es auf den Kulturflächen nur noch „schwupp schwupp“ gemacht, und einige Pflanzen hätten sehr gelitten.

Andererseits sei es auch spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Züchtungen mit den widrigen Witterungsverhältnissen zurechtkämen: „Einige Pflanzen kämpfen ums nackte Überleben, während anderen das Wetter vollkommen egal zu sein scheint.“ Also ein hervorragender „Gen-Banken-Stresstest“!


wetterunempfindliche SortenFoto: Verlag W. Wächter Beim Rundgang über das Freigelände wies Herbert Kleine Niesse besonders auf wetterunempfindliche Sorten hin.

Pflanzen und GartenfreundeFoto: Verlag W. Wächter Pflanzen und Gartenfreunde präsentierten sich beim Expertenforum in Bestform.


Sommerzeit ist Grillzeit

Hokkaido-KürbisFoto: Nebelung/Kiepenkerl Den Hokkaido-Kürbis ‘Amoro’ können Sie schon im Sommer ernten und genießen. Herbert Kleine Niesse war mit dem Thema „Grill- und Naschgemüse – eine vitaminreiche Alternative für die Grillparty“ der erste von fünf Referenten. Bei seiner Vorstellung von Gemüsespießen, gegrilltem Kürbis und Zuckermais sowie kleinen, süßen Cocktail-Grilltomaten lief schon mal allen Teilnehmern das Wasser im Mund zusammen. Normalerweise ist das Fruchtfleisch von Kürbissen jedoch zu fest zum Grillen. Der neue Hokkaido-Kürbis ‘Amoro’ hat hingegen sehr zartes Fleisch und wird schnell gar. Er kann schon ab Juli vor der Vollreife geerntet werden und steht darum bereits zur sommerlichen Grillsaison zur Verfügung.

Ganz hellhörig wurden die Teilnehmer beim Thema Rosinentomate. Diese neue Sorte ist perfekt zum Trocknen geeignet. In der Schale befinden sich, ge­ne­tisch bedingt, feinste Risse, die dafür sorgen, dass bei Reife die Feuchtigkeit aus den Früchten ver­duns­ten kann. So können bei sonnigem Sommerwetter die Tomaten sogar draußen an der Rispe trocknen. Bei Schmuddelwetter empfiehlt Kleine Niesse, die reifen Rispen zu ernten und bei Zimmertemperatur zu trocknen.
 

RosinentomatenFoto: Nebelung/Kiepenkerl Rosinentomaten können Sie direkt an der Rispe trocknen.


Immer beliebter wird der Anbau von Snackpaprika im Garten oder im Kleingewächshaus. Beim Snackpaprika befinden sich die Samen nur am Stielansatz, sodass er sich sehr gut im Ganzen naschen und auch grillen lässt. Die Sorten ‘Tribelli® Mini Orange’ und ‘Tribelli® Mini Rot’ sind aromatisch, süß und dekorativ.
 

SnackpaprikaFoto: Nebelung/Kiepenkerl

SnackpaprikaFoto: Nebelung/Kiepenkerl Schmecken frisch und gegrillt: Snackpaprika ‘Tribelli® Mini Orange’ und Snackpaprika ‘Tribelli® Mini Rot’


Ananaskirsche ‘Goldmurmel’Foto: Nebelung/Kiepenkerl Naschfrüchte in großer Zahl bildet die Ananaskirsche ‘Goldmurmel’. dornenlose Triebe: BrombeereFoto: Nebelung/Kiepenkerl Große Früchte an dornenlosen Trieben: Brombeere ‘Lubera® Navaho’® Auch beim Grillen darf natürlich der Nachtisch nicht fehlen. Die Ananaskirsche ‘Goldmurmel’ trägt sehr reich, und ihre Früchte sind gleich von Natur aus in den hübschen Samenhüllen mundgerecht verpackt. Sehr große Früchte an stachellosen Trieben bildet die Brombeer-Züchtung ‘Lubera® Navaho’®. Die Ernte erstreckt sich vom Sommer bis in den Oktober hinein.


Ernten auf kleinstem Raum

Naschfrüchte aus TopfkulturFoto: Volmary GmbH Naschfrüchte aus Topfkultur: Himbeere ‘Ruby Beauty’ Raimund Schnecking ging in seinem Vortrag auf die riesige Bandbreite an Gemüse, Obst und Kräutern ein, die sich problemlos in Töpfen und Gefäßen ziehen lassen. So bildet die kompakte Topf-Himbeere ‘Ruby Beauty’ an ihren maximal 1 m langen, dornenlosen Ruten im Sommer viele leckere Naschfrüchte.

Der ambitionierte Gärtner kann sogar Süßkartoffeln (Ipomoea batatas) im Topf oder in Hängeampeln anbauen. Auf dem Freigelände des Pflan­zen­zucht­zen­trums gibt es sehr schöne, üppige Beispiele hierzu zu sehen. Besonders empfehlenswert sind die rot­scha­li­gen Sorten ‘Erato® Orange’, und ‘Erato® White’, bei denen die Ernte bereits drei Monate nach der Pflanzung beginnen kann.
 

sueßkartoffelFoto: Volmary GmbH Die Süßkartoffel ‘Erato® Orange’ gibt es als Jungpflanze zu kaufen.


Die Süßkartoffel ‘Erato® Orange’Foto: Volmary GmbH Die Süßkartoffel ‘Erato® Orange’ hat orangefarbenes Fruchtfleisch. Sie lässt sich auch im Topf kultivieren. Süßkartoffeln benötigen für eine gute Entwicklung warme und geschützte Standorte. Gleichzeitig sind sie trockenheitstolerant und insgesamt sehr robust. Je später die Ernte, desto größer sind die Knollen. Für optimale Erträge ernten Sie also am besten erst im Oktober/November – Probieren ist aber schon ab August erlaubt. Übrigens lassen sich Süßkartoffeln, im Gegensatz zu unserer heimischen Knolle, sowohl gekocht als auch roh genießen.


Perfektes Timing

Maike Wilstermann-Hildebrand von der Firma Nebelung gab den Teilnehmern konkrete und wert­volle Tipps zum optimalen Erntezeitpunkt. Hierbei wies sie vor allem auf den Unterschied zwischen Erntereife und Genussreife hin und stellte diesen an vielen Gemüsearten und Früchten anschaulich dar. Wilstermann-Hildebrand spannte den Sortenbogen vom Kürbis über Bohnen, Erbsen und verschiedene Kohlarten bis zu den Tomaten.

Besonders schwierig ist die Beurteilung der Reife bei grünfrüchtigen Tomatensorten wie der ertragreichen Cherry-Tomate ‘Limetto’. Hier ist die optimale Genussreife erreicht, sobald die grünen Früchte einen leichten gelblichen Schimmer aufweisen.
 

Vortrag Maike Wilstermann-HildebrandFoto: Verlag W. Wächter Perfektes Timing bei der Ernte: In ihrem Vortrag gab Maike Wilstermann-Hildebrand hierzu wertvolle Tipps.

Grünfrüchtige Cherry-TomateFoto: Nebelung/Kiepenkerl Grünfrüchtige Cherry-Tomate mit spritzigem Geschmack: ‘Limetto’


Besonders spannend waren ihre Ausführungen zu den Chilis. Hier findet sich die Schärfe vor allem in der Fruchthaut der Samen. Je reifer eine Chili ist, desto intensiver ist die Schärfe. Mit zu­neh­men­der Reife verfärben sich die Chilis von Grün zu Rot. Selbstverständlich gibt es auch große Sor­ten­un­ter­schie­de. Für ganz Unerschrockene könnte der extrem scharfe Habanero Chili ‘Calita® Red’ zur Lieblingssorte werden.


Naschen erlaubt

SnackgemüseFoto: Verlag W. Wächter Probieren geht über Studieren: Hier wird Snackgemüse kritisch begutachtet und vernascht. In den Pausen schwärmten die Teilnehmer über das Gelände, um sich über spannende neue Sorten zu informieren und an den Führungen teilzunehmen. Sie probierten kleine Köstlichkeiten wie herzhafte To­ma­ten­waf­feln, Kartoffeln in vielen Varianten und den bereits erwähnten Hokkaido-Kürbis ‘Amoro’. Große Begeisterung und lebhafte Diskussionen kamen am Tomaten-Probierstand auf. Neben den Klassikern in Rot ließen sich die Gartenfreunde gelbe, orange­far­bene und fast schwarze Tomaten auf der Zunge zergehen und verglichen Geschmack, Konsistenz und Aroma.
 

Leckere Bratkartoffeln und KräuterpestoFoto: Verlag W. Wächter Leckere Bratkartoffeln und Kräuterpesto gab es bei Conny Austermann.

Führung durch das Tomaten-GewächshausFoto: Verlag W. Wächter Die Führung von Raimund Schnecking durch das Tomaten-Gewächshaus fand regen Anklang.

Zucchini VielfaltFoto: Verlag W. Wächter Auch bei den Zucchini ist Vielfalt angesagt.


Beim UNESCO Projekt „Färbergärten“ konnten die Teilnehmer Pflanzenfarben aus Rotkohl selbst herstellen. Friedhelm Walden zeigte den interessierten Gartenfreunden, wie es geht: Der Rotkohl wird klein geschnitten, gemörsert, mit etwas Wasser vermischt und durch ein Tuch gepresst. Durch Zugabe von Zitrone oder Kreide entsteht aus dem Pflanzensaft eine ganze Farbpalette von Pink über Violett bis hin zu Blau und Grün. Der Kleingärtnerverein „Am Trinenkamp“ in Gelsenkirchen hat das Färbergärten-Projekt 2010 ins Leben gerufen und wurde hierfür von der UNESCO zweimal ausgezeichnet.
 

Rotkohl - Farbe zum Malen und FärbenFoto: Verlag W. Wächter Rotkohl ist nicht nur zum Essen da – aus dem Pflanzensaft lässt sich auch Farbe zum Malen und Färben gewinnen.


Praxistipps inklusive

Angesichts der üppigen Blumenpracht von Begonien, Dahlien und Sonnenblumen kam schnell die Frage auf, warum das Pflanzenzuchtzentrum am Kaldenhof in diesem extremen Schneckenjahr nicht vollkommen kahl gefressen sei. Hier gab Kleine Niesse einen wert­vollen Anti-­Schnecken-­Tipp: Alle Kübel-Stellflächen wurden im Frühjahr mit scharfkantigem Holzhäcksel gemulcht. Diesen rauen Untergrund mögen Schnecken nämlich überhaupt nicht.

Das könnte also auch ein guter Tipp für den Kleingarten sein, indem gefährdete Kulturen mit einem Schutzring aus Holzhäcksel umgeben werden. Allerdings muss bei der Ausbringung von geschreddertem Holz auf Beete auch immer die Stickstoff-Festlegung berücksichtigt werden. Da Holz einen hohen Kohlenstoff-Gehalt und wenig Stickstoff besitzt, holen sich die Mikroorganismen beim Holzabbau den benötigten Stickstoff aus dem Boden, sodass ohne zusätzliche Stickstoff-Düngung schnell ein Mangel bei den Pflanzen entsteht.

Einen Tipp für Blumenliebhaber gab es noch bei den Sonnenblumen: nach dem Schnitt, der am besten morgens erfolgt, die Stängelbasis kurz in kochendes Wasser tauchen. Dann dauert das Vasenleben wesentlich länger.
 

blühender BeeteFoto: Verlag W. Wächter Genussvoller Rundgang inmitten blühender Beete


Kartoffeln und Kräuter

Hubert Küppers von der Firma Europlant nahm die Teilnehmer mit in die Welt der Kartoffel. Er stellte bewährte Sorten wie ‘Belana’ und ‘Leyla’ sowie die sehr blattgesunde Neuzüchtung ‘Cosma’ vor und gab viele Tipps zu Anbau, Düngung und Lagerung.
 

neue KartoffelsortenFoto: Verlag W. Wächter Von Hubert Küppers (Mi.) erfuhren die Teilnehmer viel Wissenswertes über neue und bewährte Kartoffelsorten.


Die Vorträge wurden durch einen Ausflug in die Kräuterwelt komplettiert. In ihrem sehr lebendigen und engagierten Vortrag gab Manuela Manegold von der Firma Volmary wertvolle Tipps zu Anbau, Ernte, Verwendung und Lagerung von Kräutern. Ihre Begeisterung für die grünen Aromaträger war ansteckend, und sie hat sicher einige Gartenfreunde dazu angeregt, noch viel mehr mit Kräutern zu experimentieren.

Grillkräuter-TrioFoto: Volmary GmbH Alle Kräuter schnell zur Hand: Grillkräuter-Trio 'Barbecue Gold' und Kräuter-Trio ‘Pizza Silver’ Eine gute Möglichkeit hierzu bietet der sehr feintriebige und hoch aromatische Englische Rosmarin ‘Britania’, mit dem sich laut Manegold beispielsweise köstliche Ofenkartoffeln zubereiten lassen. Mit den Volmary® Kräuter-Trios gibt es gleich drei aromatische Kräuter in nur einem Topf. Für Pizza, Pasta oder zum Grillen – mit nur einem Handgriff stehen die passenden Kräuter zur Verfügung. Für Liebhaber kühler Erfrischungsgetränke ist die Limonaden-Minze ‘Limo’ ein guter Tipp.
 

Riechen, Schmecken und AusprobierenFoto: Verlag W. Wächter Kräuterexpertin Manuela Manegold animierte die Teilnehmer zum Riechen, Schmecken und Ausprobieren.

Limonaden-Minze und GartenfrüchtenFoto: Volmary GmbH Aus Limonaden-Minze und Gartenfrüchten lassen sich erfrischende Sommergetränke bereiten.

buntblättrige SalbeiFoto: Verlag W. Wächter Kräuter, wie dieser buntblättrige Salbei, sind immer wieder ein Magnet.


Saft der KatzenschwanzpflanzeFoto: Volmary GmbH Erste Hilfe aus dem Pflanzenreich – der Saft der Katzenschwanzpflanze kühlt und lindert Juckreiz. Doch Kräuter können noch mehr als Aroma geben: Mit der Katzenschwanzpflanze (Bulbine frutescens ‘Me­di­cus’) stellte Manegold die perfekte „Erste-Hilfe-Pflan­ze“ vor. Bei diesem nicht winterharten Li­li­en­ge­wächs kann, ähnlich wie bei der Aloe, der frisch ge­presste Pflanzensaft verwendet werden. Die trans­pa­ren­te, gelartige Substanz wird einfach mit den Fingern aus einem abgeschnittenen Blatt he­raus­ge­drückt und hilft bei Insektenstichen und Juckreiz. Ein Gartenfreund, der auf der Freifläche die unangenehme Bekanntschaft mit einer Wespe machte, konnte die kühlende und lindernde Wirkung des Pflanzengels gleich erfolgreich im Selbstversuch ausprobieren.

Genauso pünktlich und sich lebhaft unterhaltend, wie sie gekommen waren, verließen die Gartenfreunde den Tagungsort. Sie nahmen viele Anregungen mit und werden im nächsten Gartenjahr sicher die ein oder andere neue Sorte ausprobieren.

grr

 

 

Weitere Informationen zu den vorgestellten Sorten finden Sie auf www.volmary.com und www.nebelung.de

Als Fachberater können Sie sich zusätzlich auf der passwortgeschützen Seite www.nebelung.de/fachberater informieren. Ihr Passwort erhalten Sie per E-Mail bei Maike Wilstermann-Hildebrand von der Firma Neblung: mahildebrand@nebelung.de