- Gartengenuss
Auf die Unterlage kommt es an
Die unterschätzte Hälfte
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Halbstämme, Spindeln oder Säulen eignen sich für Kleingarten.
Ob klein oder groß, früh- oder spätreif, robust oder empfindlich, wie sich ein Obstbaum entwickelt, hängt maßgeblich von seiner Unterlage ab. Wer im Herbst einen Apfel- oder Kirschbaum kauft, achtet meist vor allem auf die Sorte, wie etwa ‘Boskoop’ oder ‘Elstar’. Mindestens ebenso wichtig ist jedoch eine zweite Angabe auf dem Pflanzenetikett: die Unterlage. Denn kaum ein Obstbaum wächst auf eigenen Wurzeln. Fast alle Sorten werden in der Baumschule veredelt.
Das heißt, ein Trieb der gewünschten Sorte (Edelreis) wird auf die Wurzel einer anderen Pflanze, die Unterlage, aufgesetzt. Beide wachsen zu einem Baum zusammen. Das Edelreis bestimmt den Wuchs der Krone sowie Frucht und Geschmack. Die Unterlage beeinflusst, wie kräftig, wie hoch, wie widerstandsfähig und wie langlebig der Baum wird. Eine passende Unterlage kann einen Baum aber auch widerstandsfähiger gegen Krankheiten, Trockenheit oder nasse Böden machen.
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Das Edelreis und die Unterlage werden miteinander verbunden.
Warum überhaupt veredeln?
Obstsorten lassen sich über Samen nicht sortenecht vermehren. Ziehen Sie aus dem Kern Ihres Lieblingsapfels selbst einen Baum, erhält dieser andere Eigenschaften als die Mutterpflanze, eine völlig neue, unbekannte Sorte entsteht. Nur durch Veredelung lässt sich eine Sorte über Jahrzehnte hinweg erhalten. Veredelte Bäume tragen zudem meist deutlich früher Früchte als aus Samen gezogene Pflanzen. Alte Obstbäume können bei Bedarf per Umveredelung auch mit einer anderen Sorte versehen werden.
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Kompaktwachsende Obstbäume lassen sich gut beernten.
Kompakte Bäume
Für die meisten Kleingärten eignen sich schwach bis mittelstark wachsende Unterlagen. Sie liefern kompakte Bäume, die früh tragen und sich leicht pflegen lassen. Am Ende lohnt sich der Blick aufs Etikett gleich doppelt: Sortenname und Unterlage zusammen verraten, welcher Baum tatsächlich im Garten heranwächst.
Kaufen oder selbst veredeln
Damit Edelreis und Unterlage zu einem Baum zusammenwachsen, verbindet der Gärtner beide Pflanzenteile so miteinander, dass ihre wasser- und nährstoffleitenden Schichten direkt aufeinandertreffen. Im Winter wird meist ein kurzes Reis der gewünschten Sorte schräg angeschnitten und mit der ebenso angeschnittenen Unterlage verbunden (Kopulation). Im Sommer okuliert der Gärtner häufig so, dass er nur eine einzelne Knospe der Sorte unter die Rinde der Unterlage setzt. Beide Techniken erfordern Erfahrung. Der Kauf eines fertig veredelten Baumes aus der Baumschule ist für Kleingärtner meist die einfachere Wahl.
Welche Pflanzen sich veredeln lassen
Veredelung ist vor allem aus dem Obstbau bekannt: Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume, Zwetsche, Pfirsich und auch Weinreben zählen zu den Klassikern.
Doch auch andere Pflanzengruppen profitieren davon. Bei Zitruspflanzen lassen sich über die Unterlage gezielt positive Eigenschaften wie Wuchskraft oder Widerstandsfähigkeit hervorheben. Im Gemüsegarten werden vor allem Gurken, Auberginen und Tomaten veredelt, etwa um sie robuster gegen bodenbürtige Krankheiten zu machen. Bei den Zierpflanzen ist die Rose bekannteste veredelte Art.
Mehr als nur Wurzelwerk
Die Unterlage bildet das Wurzelsystem des späteren Baumes und versorgt ihn mit Wasser und Nährstoffen. Darüber hinaus steuert sie entscheidende Eigenschaften:
Wuchsstärke: Ob ein Baum klein und kompakt bleibt oder zu einem Hochstamm heranwächst, entscheidet sich vor allem über die Unterlage.
Ertragsbeginn und -menge: Schwach wachsende Unterlagen bringen Bäume oft schon nach zwei bis drei Jahren zum ersten Fruchten, stark wachsende Unterlagen brauchen dafür deutlich länger.
Standfestigkeit und Lebensdauer: Kräftige Wurzelsysteme halten mehr aus, lassen den Baum aber auch größer wachsen und sind daher aufwendiger in der Pflege.
Bodenanpassung: Manche Unterlagen vertragen Kalk, Staunässe oder Trockenheit besser als andere und eignen sich damit auch für schwierigere Standorte.
Wichtig zu wissen: Eine schwach wachsende Unterlage bildet auch nur ein kleines, wenig verzweigtes Wurzelsystem. Solche Bäume brauchen deshalb meist dauerhaft einen Stützpfahl, da sie sonst bei Wind oder unter Fruchtlast kippen können.
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Gut erkennbare Veredelungsstelle. Austriebe aus der unterlage entfernen Sie einfach.
Vom Zwerg bis zum Hochstamm
Je nach gewählter Unterlage und Erziehungsform ergeben sich ganz unterschiedliche Formen:
Hochstamm: veredelt auf stark wachsende Unterlagen, Stammhöhe ab 1,80 m, wird 6–10 m hoch, sehr langlebig, trägt aber erst nach einigen Jahren. Das ist ideal für die Streuobstwiese, aber ungeeignet für Kleingärten.
Halbstamm: auf starken Unterlagen veredelt, Stammhöhe ca. 1,20 m.
Busch bzw. Spindel: auf schwach bis mittelstark wachsenden Unterlagen, Stammhöhe ca. 60 cm, Endgröße 2–6 m, früher Ertrag, gut geeignet für den Kleingarten.
Zwergbaum oder Säule: auf sehr schwach wachsenden Unterlagen, Stammhöhe 30–50 cm, ideal für Kübel und Terrasse. Auch Säulenäpfel beanspruchen wenig Platz, da sie extrem schlank in die Höhe wachsen, mit nur einem Mitteltrieb und kurzem Fruchtholz.
Praxisbeispiel ‘Elstar’
Wie stark sich die Unterlage auf den späteren Wuchs auswirkt, zeigt ein Vergleich am Beispiel der Apfelsorte ‘Elstar’. Veredelt auf die schwach wachsende Unterlage M9 wird der Baum etwa 2–3 m groß, trägt früh Früchte und lässt sich leicht schneiden. Das ist ideal für Kleingärten, allerdings braucht der Baum dauerhaft einen Stützpfahl.
Auf einer Sämlingsunterlage wird aus derselben Sorte dagegen ein 6–10 m hoher Baum, der erst später zu tragen beginnt, dafür aber langlebig, robust und ohne Stütze standfest ist. Er benötigt aber viel Platz und regelmäßigen Schnitt.
Die Sorte ‘Elstar’ bleibt in beiden Fällen dieselbe. Das Edelreis bestimmt überwiegend die Sorte und Fruchtqualität, die Unterlage bestimmt maßgeblich Wuchs, Ertragseintritt, Standortverträglichkeit, Gesundheit und Lebensdauer.
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Auch Kleingärtner können Unterlagen von speziellen Baumschulen kaufen.
Die wichtigsten Unterlagen
Für die gängigsten Obstarten stehen jeweils mehrere Unterlagen mit unterschiedlicher Wuchsstärke zur Verfügung. Beim Apfel reicht die Bandbreite von M27, die sehr schwach wächst und daher auch für die Topfkultur infrage kommt, über M9 (schwach) und M26 (schwach bis mittelschwach) als Standard für Klein- und Hausgärten bis hin zu MM106 (mittelstark), MM111 (mittelstark bis stark) und starkwüchsigen Sämlingsunterlagen für Hochstämme.
Bei Süßkirschen haben die GiSelA-Unterlagen den früher üblichen, groß werdenden Sämling der Vogelkirsche weitgehend abgelöst. So liefert GiSelA 3 etwa kompakte Bäume mit frühen Erträgen.
Birnen werden meist auf Quitten-Unterlagen veredelt, was kleinere, früher tragende Bäume ergibt, etwa die Quitten-Unterlage C (sehr kompakt), Adams (gute Fruchtqualität) oder A (Standardunterlage vieler Birnensorten).
Bei Pflaumen, Zwetschen, Pfirsichen und Nektarinen gilt ein ähnliches Prinzip: schwach wachsende Unterlagen für kompakte Formen (Pixy, Pumiselect), St. Julien A als vielseitiger Mittelweg, GF 655/2 als bewährte Standardunterlage für Pfirsich oder Montclar, die als besonders trockenheitsverträglich gilt.
Im Erwerbsobstbau gilt die Wahl der Unterlage oft als ebenso wichtig wie die Sortenwahl selbst, weil sie über Ertragssicherheit und Pflegeaufwand ganzer Plantagen entscheidet.
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Die Veredelungsstelle soll mindestens 5 cm über dem Boden liegen und nicht mit Erde bedeckt sein.
Für den Kleingarten lohnt sich dieser Blick genauso. Fragen Sie im Zweifel in Ihrer Baumschule gezielt nach, welche Unterlage zu Ihrem Bodentyp und der verfügbaren Fläche passt, statt sich allein auf den Sortennamen zu verlassen.
Wichtig dabei: Nicht jede Unterlage passt zu jeder Sorte. Veredelungen funktionieren in der Regel nur innerhalb derselben Pflanzengattung, Äpfel also nur auf Apfelunterlagen, Pflaumen und Zwetschen auf Pflaumenunterlagen. Birnen können hingegen auf Birnen- oder Quittenunterlagen veredelt werden.
Tipps zum Kauf
Die Unterlage sollte auf dem Pflanzenetikett vermerkt sein. Neben dem Sortennamen ist sie die wichtigste Angabe. Achten Sie außerdem auf Hinweise wie „CAC“, den Mindeststandard für Pflanzengesundheit, oder „virusfrei“. Am besten kaufen Sie in einer Baumschule oder einem Fachgartencenter, dort erhalten Sie in der Regel eine kompetente Beratung zur passenden Kombination aus Sorte und Unterlage für Ihren Standort. Die Veredelungsstelle bleibt sichtbar, d.h. eine Krümmung am unteren Stamm ist normal und kein Qualitätsmangel.
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Achten Sie beim Kauf auf die Sorte und die Unterlage.
Auch Alter und Anzuchtform spielen eine Rolle. Zweijährige Veredelungen mit einer bereits angelegten Krone aus mindestens vier Trieben sind die gängige Verkaufsgröße für Kleingärten und wachsen zuverlässig an. Wurzelnackte Bäume ohne Topf sind von November bis in den Frühling erhältlich und werden möglichst umgehend gepflanzt. Sie sind meist günstiger und wachsen mindestens ebenso gut an wie Containerware. Bäume im Topf können Sie dagegen praktisch das ganze Jahr über pflanzen, sofern der Boden nicht gefroren ist.
Thomas Kleinworth
Bundesfachberater, Geschäftsführer
und Fachberater des Landesverbandes
der Kleingartenvereine Schleswig-Holsteins
Veredlungsunterlagen für Apfel
Unterlage |
Wuchsstärke |
Baumgröße* |
Typische Eigenschaften |
|---|---|---|---|
| M27 | Sehr schwach | ca. 20–30 % | Extrem klein, Topf- und Liebhaberkultur |
| M9 | Schwach | ca. 30–40 % | Standard im Intensivobstbau, früher Ertrag, Stützpfahl nötig |
| M26 | Schwach bis mittel | ca. 40–55 % | Für Haus- und Kleingärten gut geeignet |
| MM106 | Mittelstark | ca. 60–75 % | Gute Standfestigkeit, vielseitig |
| MM111 | Mittelstark bis stark | ca. 75–85 % | Trockenheitsverträglicher, robust |
| Bittenfelder Sämling | Stark | ca. 90–100 % | Hochstämme, langlebig und standfest |
* Baumgröße im Vergleich zu einem stark wachsenden Sämlingsbaum.
Veredlungsunterlagen für Kirschen
Unterlage |
Wuchsstärke |
Baumgröße* |
Typische Eigenschaften |
|---|---|---|---|
| Gisela 3 | Sehr schwach | ca. 30–40 % | Sehr kompakt, frühe Erträge, für kleine Gärten |
| Gisela 5 | Schwach | ca. 45–55 % | Weit verbreitet, früher Ertragsbeginn |
| Gisela 6 | Schwach bis mittel | ca. 55–65 % | Etwas kräftiger, gute Erträge |
| Colt | Mittelstark | ca. 70–80 % | Robust, gute Standfestigkeit |
| MaxMa 14 | Mittelstark bis stark | ca. 80–90 % | Gute Anpassungsfähigkeit und Erträge |
| Vogelkirsche (Prunus avium) | Stark | ca. 100 % | Hochstämme, sehr langlebig und standfest |
* Baumgröße im Vergleich zur stark wachsenden Vogelkirschen-Unterlage.
Veredlungsunterlagen für Birnen
Unterlage |
Wuchsstärke |
Baumgröße* |
Typische Eigenschaften |
|---|---|---|---|
| Quitte C | Sehr schwach | ca. 35–45 % | Sehr kompakt, früher Ertrag, gute Gartenform |
| Quitte Adams | Schwach | ca. 45–55 % | Häufig verwendet, gute Fruchtqualität |
| Quitte A | Schwach bis mittel | ca. 55–65 % | Standardunterlage für viele Birnensorten |
| Pyrodwarf | Mittelstark | ca. 65–75 % | Standfest, frühe Erträge, weniger anfällig |
| Kirchensaller Mostbirne | Mittelstark bis stark | ca. 80–90 % | Robust, für unterschiedliche Standorte geeignet |
| Birnensämling | Stark | ca. 100 % | Große Hochstämme, langlebig und tiefwurzelnd |
* Baumgröße im Vergleich zu einem stark wachsenden Birnensämling.
Veredlungsunterlagen für Pfirsich und Nektarine
Unterlage |
Wuchsstärke |
Baumgröße* |
Typische Eigenschaften |
|---|---|---|---|
| Pixy | Sehr schwach | ca. 35–45 % | Kompakter Wuchs, für kleine Gärten geeignet |
| Pumiselect | Schwach | ca. 45–55 % | Schwachwachsend, früher Ertrag |
| St. Julien A | Mittel | ca. 60–75 % | Vielseitig, gute Bodenanpassung |
| GF 655/2 | Mittelstark | ca. 75–85 % | Bewährte Standardunterlage für Pfirsich |
| Montclar | Mittelstark bis stark | ca. 85–95 % | Kräftiges Wachstum, trockenheitsverträglich |
| Pfirsichsämling | Stark | ca. 100 % | Tiefwurzelnd, robust und langlebig |
* Baumgröße im Vergleich zu einem stark wachsenden Pfirsichsämling.
Veredlungsunterlagen für Zwetschen und Pflaumen
Unterlage |
Wuchsstärke |
Baumgröße* |
Typische Eigenschaften |
|---|---|---|---|
| Pixy | Sehr schwach | ca. 35–45 % | Kompakter Wuchs, frühe Erträge, kleine Baumformen |
| VVA-1 | Schwach | ca. 45–55 % | Frühtragend, gut für kleinere Gärten |
| St. Julien A | Mittel | ca. 60–75 % | Sehr verbreitet, gute Standortanpassung |
| Wangenheims Sämling | Mittelstark | ca. 70–85 % | Robust, hohe Verträglichkeit mit Zwetschen |
| Brompton | Mittelstark bis stark | ca. 85–95 % | Kräftiger Wuchs, für viele Böden geeignet |
| Myrobalane (Kirschpflaume) | Stark | ca. 100 % | Sehr standfest, trockenheitsverträglich, für Hochstämme |
* Baumgröße im Vergleich zu einer stark wachsenden Myrobalanen-Unterlage.
Veredlungsunterlagen für Quitten
Unterlage |
Wuchsstärke |
Baumgröße* |
Typische Eigenschaften |
|---|---|---|---|
| Quitte C | Sehr schwach | ca. 35–45 % | Sehr kompakter Wuchs, früher Ertrag, kleine Baumformen |
| Quitte Adams | Schwach | ca. 45–55 % | Verbesserte Selektion von Quitte A, guter Fruchtansatz |
| Quitte A | Schwach bis mittel | ca. 55–65 % | Standardunterlage, gute Erträge und breite Verwendung |
| BA 29 | Mittelstark | ca. 65–80 % | Kräftiger als Quitte A, kalkverträglicher |
| Quittensämling | Mittelstark bis stark | ca. 80–90 % | Robust, gute Standortanpassung |
| Quitten-Wildform/Sämling | Stark | ca. 100 % | Große, langlebige Bäume mit kräftigem Wurzelsystem |
* Baumgröße im Vergleich zu einer stark wachsenden Quitten-Sämlingsunterlage.








