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Züchtung aus Leidenschaft

Die Erfolgsgeschichte von Heidezüchter Kurt Kramer


Heidezüchter Kurt KramerFotos: Heidezucht Kramer Ein Leben für die Heide – Kurt Kramer mit seinen Züchterkollegen der „Gardengirls®“.


2015 war es das erste Mal so weit: Die Besenheide (Calluna vulgariswegen ihrer Blütezeit oft auch „Sommerheide“ genannt) wurde die beliebteste Beet- und Balkonpflanze in Deutschland. Dass die Besenheide heute aus vielen Gärten nicht mehr wegzudenken ist, das ist das Verdienst vor allem eines Mannes: Kurt Kramer hat fast sein ganzes Leben den Heidepflanzen gewidmet. Er hat es geschafft, die Heide von den Friedhöfen in die modernen Gärten zu holen.

Ihren Anfang nahm die Erfolgsgeschichte schon 1965: Seine Leidenschaft für die Heide entdeckte Kramer während einer Bundeswehrübung auf den schottischen Hebriden. „Ich wunderte mich über einzelne weiß blühende Pflanzen zwischen den ansonsten rosa blühenden Heidepflanzen“, erinnert sich Kramer – ein Schlüsselerlebnis, das ihn fortan nicht mehr loslassen sollte.

Nach dem Besuch der Meisterschule für Gartenbau macht sich Kramer 1970 selbstständig. Auf dem landwirtschaftlichen Hof seiner Eltern in Edewecht (Ammerland) spezialisierte er sich zunächst auf die Produktion von Besenheide. Innerhalb weniger Jahre wurde er der größte Produzent von Hei­de­pflan­zen in Deutschland. „Ich kultivierte bis zu 350.000 Callunen jährlich und entdeckte dabei meine Leidenschaft für die Züchtung“, so Kramer.


Heidezüchtung - Kurt Kramer Prüfstand für Qualität: Kramers Testfeld am Stammsitz in Edewecht.


Der Gärtnermeister testete alle in Holland und England erhältlichen Arten und Sorten. Alle Sorten waren Findlinge aus der Natur oder gingen aus Zufallskreuzungen und Mutationen hervor. Kramer gab sich damit nicht zufrieden, ab 1974 machte er sich daran, erstmals gezielt Heidesorten zu züchten.

Heide - ZuchtSein erstes Ziel waren später blühende Besenheide-Sorten. „Das war anstrengend und dauerte Jahre. ‘Arabelle’ und ‘Stefanie’ waren dann die ersten offen blühenden Erfolgssorten“, erzählt Kramer. Größer war sein Erfolg mit einer Erica-Züchtung: „1984 konnte ich einen auffälligen Hybridsämling auswählen, der den Namen ‘Kramers Rote’ erhielt. Die Sorten wurde schon bald weltweit angebaut – von Neuseeland bis Kanada.

‘Kramers Rote’ brachte den Durchbruch. Kramer züchtete weitere zahlreiche erfolgreiche Sorten: „Wenn ich überlege, was ich kreuze, gucke ich natürlich erst auf die Eltern, aber man muss auch das richtige Bauchgefühl haben.“

So gelang Kramer auch die gezielte Züchtung so­ge­nann­ter „Knospenblüher“, die unter der Marke „Gar­den­girls®“ seit 1997 erfolgreich vermarktet werden. 175 mittelständige Lizenznehmer produzieren heute die „Garten-Mädchen“ in Deutschland nach höchsten Qualitätsmaßstäben, dazu kommen noch mal 175 Produzenten in ganz Europa. Neben Kramer sind mittlerweile noch drei weitere Züchter an der Marke beteiligt.

Ab den 90er-Jahren widmete sich Kramer auch dem Thema „Sortenschutz“. Oft wurden seine Sorten ohne Genehmigung – illegal vermehrt – verkauft. Kramer machte sich für die Rechte der Züchter stark und klagte erfolgreich bis zum Bundesgerichtshof.


Heidezuechtung


Seine Leidenschaft blieb aber die Züchtung. So konzentriert er sich heute etwa auf Heidearten mit besonders schöner Laubfärbung – die in der „Sunset-Line“ erhältlich sind: „Mit viel Geduld und Hingabe versuche ich auch nach 40 Jahren immer noch, das Besondere zu entdecken!“ Zukünftig möchte er u.a. Glockenheiden (Daboecien) bekannter machen, auch für die Schneeheide (Erica carnea) sieht er enormes Potentzial. Sie gehört zu den frühesten Bienenweiden und ist deswegen gerade für naturnahe Kleingärten besonders geeignet.

sök

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