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Schnecken im Garten

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Weinberg­schneckeFoto: Oleg/Adobe Stock Weinberg­schnecke

Schnecken gehören nicht zu den beliebtesten Tieren im Garten, aber ohne sie würde das „Miniökosystem Garten“ nicht funktionieren. Und in gut ausbalancierten Ökosystemen halten sich die Schneckenpopulationen die Waage mit ihren Fressfeinden und werden von ihnen in Schach gehalten.

Bedrohliche Nacktschnecke

Die sich immer weiter ausbreitende Spanische Wegschnecke (Arion vulgaris) fügt sich jedoch nicht in die Ökosysteme ein. Diese Nacktschnecke ist ein unermüdlicher „Nimmersatt“. Ursprünglich wurde sie als eingeschleppte, invasive Art eingestuft. Genetische Untersuchungen ergaben jedoch, dass die Art eher heimisch ist. Ihr Ursprungsgebiet liegt wahrscheinlich in einem begrenzten Gebiet Mitteleuropas. Unser Kaufverhalten bei Gartenprodukten ermöglichte ihren Siegeszug durch Europa, etwa wenn die Eier in der Erde von Topfpflanzen über große Distanzen transportiert werden.

Spanische WegschneckeFoto: mauritius images/MasterVideo/Alamy Stock Photos Unbeliebt und oft in Massen anzutreffen: Spanische Wegschnecke

Die Spanische Wegschnecke ist sehr vermehrungsfreudig und bei ihrer Nahrung nicht wählerisch. Für Gartenfreunde besonders unangenehm ist ihre Vorliebe für frische Triebe und Pflanzen, aber auch Kannibalismus ist dieser Schnecke nicht fremd. Ihre starke Verbreitung bringt die heimischen Nacktschnecken in Bedrängnis, besonders betroffen ist die Population der Roten Wegschnecke (Arion rufus).

Das Erscheinen der Spanischen Wegschnecke löst sehr schnell drastische Bekämpfungsmaßnahmen aus. Die meisten chemischen Helfer können aber gerade nur eine Balance zwischen Schnecke und dem Fraßschaden herstellen, nicht aber die Schnecke zurückdrängen. Die großen Verlierer sind dagegen die heimischen Schnecken, von denen die meisten kaum große Schäden an Pflanzen verursachen.

TigerschnegelFoto: Szasz-Fabian Jozsef/Adobe Stock Tigerschnegel  Eine große Verlierergruppe sind etwa die Schnegel. Diese sehr schönen Schnecken ernähren sich von Pilzen, Flechten, Algen und Aas, oder sie fressen tote Pflan­zen, seltener frisches Pflanzenmaterial. Gerade der Tigerschnegel (Limax maxi­mus) sollte als Freund betrachtet werden: Er ernährt sich auch von anderen Schnecken und deren Eiern, inklusive der Spanischen Wegschnecke!

Schnecken mit Haus

Zu den bekanntesten Gehäuseschnecken unserer Gärten gehört die Weinbergschnecke (Helix pomatia). Ihr Gehäuse wird bis zu 5 cm groß. Sie ernährt sich von weichen, welken Pflanzenteilen und Algenbewuchs, den sie mit ihrer Raspelzunge abweidet.

Die falsche Vermutung, dass  Weinbergschnecken die Gelege anderer Schnecken fräßen, beruht womöglich auf Beobachtungen von Kannibalismus. Es kommt vor, dass Jungschnecken dieser Art in der Bruthöhle Eier des Geleges verzehren. Bei erwachsenen Weinbergschnecken kommt weder Kannibalismus noch Fraß von anderen Schneckeneiern vor. Weinbergschnecken sind an einen Lebensraum gebunden, in dem sie Kalk vorfinden. Ist zu wenig Kalk vorhanden, werden ihre Häuser instabil, und die Tiere haben nur eine geringe Lebenserwartung.

Gefleckte ­WeinbergschneckeFoto: slowmotiongli/Adobe Stock Gefleckte ­Weinbergschnecke

Die Gefleckte Weinbergschnecke (Cor­nu aspersum) benötigt weniger Kalk als die Weinbergschnecke und kommt daher in ganz unterschiedlichen Lebens­räumen wie Gärten, Wäldern oder Dünen vor. Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, hat sie sich weit verbreitet und ist auch in Deutschland in vielen Regionen zu finden. Mit 2,5–4 cm Durchmesser ist ihr Gehäuse kleiner als das der Weinbergschnecke, zudem ist es dunkel gemustert.

Auch auf dem Rückzug befinden sich viele Bänderschnecken (s. Kasten). Diese meist harmlosen Gehäuseschnecken ernähren sich überwiegend von Flechten und Algen. Sie sind auch gerne Gast auf unserem Kompost, und sie bilden keine große Gefahr für unsere Jungpflanzen.

Räuberische Rucksackschnecke

Rucksackschnecken kommen auf andere Weise zu ihrer Nahrung. Sie leben vorwiegend unterirdisch, weil sie Regenwürmer jagen. Ihre Beute spüren sie mit ihrem Geruchssinn auf. Den Regenwurm halten sie mit den dolchartigen, nach hinten gebogenen Radulazähnchen fest. Auch wenn dieser versucht, sich in sein Erdloch zurückzuziehen, wird er im Ganzen verschlungen und lebendig verdaut. Die Graugelbe Rucksackschnecke (Testacella haliotidea) hat sich inzwischen auch in einigen Teilen Deutschlands eingebürgert.

Graugelbe RucksackschneckeFoto: Stéphane Vitzthum/Biosphoto Die Graugelbe Rucksackschnecke hat Regenwürmer auf dem Speiseplan.

Hilfreiche Schneckenvertilger

Der Kampf gegen die Schneckenplage ist so alt wie das Gärtnern selbst. Neben chemischen Mitteln, die mehr schaden als nützen, haben wir auch natürliche Verbündete. Gegen Nacktschnecken ist die Erdkröte ein guter Partner. So vertilgt eine ausgewachsene Erdkröte in ei­ner Nacht zwischen 14 und 18 Nacktschnecken. Die Erdkröte macht auch nicht vor der Spanischen Wegschnecke halt, da sie sich von deren bitteren Schleim nicht abschrecken lässt.

Larve des GlühwürmchensFoto: mauritius images/Blickwinkel/Alamy Stock Photos Die Larven des Glühwürmchens vertilgen jede Menge Nacktschnecken.

Die zu den Käfern gehörenden Glühwürmchen sind wirkungsvolle Schneckenfeinde, da ihre Larven alle Arten von Schnecken vertilgen. Die Schnecke wird mit mehreren Giftbissen gelähmt, bis zu mehreren Metern zu einem geschützten Platz geschleppt und dort verspeist. Oftmals reisen die Glühwürmchenlarven längere Zeit mit der Schnecke mit, ehe sie diese angreifen. Da ihre Zeit als Larve ganze drei Jahre andauert, vertilgen sie in dieser Zeit eine große Anzahl von Schnecken. Das größte Problem dieser kleinen Freunde ist die zunehmende Lichtverschmutzung.

Bereits aus Kinderbüchern als Schneckenschreck bekannt ist der Igel. Dieser verschmäht auch Nacktschnecken nicht, jedoch macht er um die Spanische Wegschnecke einen Bogen. Selbst der in den letzten Jahren große Nahrungsmangel konnte Igel nicht dazu bewegen, den bitteren Schleim der spanischen Nacktschnecke zu überwinden.

Igel fressen SchneckenFoto: Flora Press/Animal Images Auch Igel machen sich über Schnecken her.

Ein weiterer Helfer ist die Blindschleiche, auch sie vertilgt Nacktschnecken – vor allem kleine Exemplare. Auch Gartenvögel wie Stare, Amseln und Elstern nutzen Schnecken als Nahrung, ebenso wie Spitzmäuse. Schließlich dezimieren auch Laufkäfer und ihre Larven die Schneckenbestände, indem sie Eier und junge Schnecken vertilgen.

DrosselFoto: mauritius images/ David Chapman/Alamy Stock Photos Drosseln lieben Schnecken.

Finger weg von Schneckenkorn

Der Mensch versucht natürlich auch aus eigener Initiative, Schnecken von den Pflanzen fernzuhalten. Schneckenkorn gehört hierbei zu den gängigsten, jedoch auch umstrittensten Bekämpfungsmethoden. Die Anwendung von Schneckenkorn ist eher als Breitschwert anzusehen und gefährdet viele andere Tiere.

Enthält Schneckenkorn den Wirkstoff Metaldehyd, stellt es eine große Gefahr auch für unsere Haustiere dar. Mit dem Einsatz dieses Wirkstoffes gefährden wir auch das Leben unserer Gartenhelfer wie Igel und Erdkröten.

Spuren der Vergangenheit

Schnecken haben in der Erdgeschichte eine große Rolle in den Ökosystemen unseres Planeten gespielt, jedoch kaum fossile Spuren hinterlassen. Das liegt einfach im Aufbau ihres Körpers: Verendet eine Nacktschnecke, so bleibt kaum etwas übrig, sie besteht zu 98 % aus Wasser. Bei den Gehäuseschnecken sieht das anders aus – sie hinterlassen nach ihrem Tod ein Kalkgehäuse.


Die Hersteller chemischer Pflan­zenschutzmittel haben reagiert und brachten Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Eisen-III-Phosphat auf den Markt. Dieser ist sogar für den ökologischen Landbau zugelassen, dennoch sollten wir den Wirkstoff nicht als ein Allheilmittel ansehen, denn er tötet auch unschädliche Schnecken.

Als sehr interessant ist die Anwendung von Schneckengranulat mit ätherischen Ölen anzusehen, jedoch vertreibt dies die Schnecken nur in den Nachbargarten. Und auch diese Mittel können Nebenwirkungen auf Nützlinge haben.

Im Bereich des biologischen Pflanzenschutzes sind unsere Möglichkeiten begrenzt. Da gibt es die abenteuerlichsten Methoden, wie Bierfallen. Sicherlich ertrinken dort einige Schnecken, aber die Anzahl der durch den für Schnecken angenehmen Duft des Bieres angelockten Tiere ist weitaus größer.

SchneckenFoto: Olivier Born/Biosphoto

Als wirkungsvoll hat sich der Einsatz von Rainfarn erwiesen. Er hält ähnlich wie das Schneckengranulat mit ätherischen Ölen die Schnecken vom Beet fern. Dafür muss man den Rainfarn im Herbst sammeln und im Winter trocknen. Im Frühjahr wird der getrocknete Rainfarn gehäckselt und nach Bedarf im Beet verteilt.

Viele Methoden zur Schneckenbekämpfung sind sehr aufwendig und kaum zielführend. Ein naturnaher Garten, der vielen Tieren und somit auch den Schneckenvertilgern einen Lebensraum bietet, ist die beste Versicherung gegen eine ausufernde Schneckenvermehrung.
 

Weitere Arten im Garten

Nacktschnecken

  • Genetzte Ackerschnecke (Deroceras reti­cu­latum), 3–5 cm, gelblich, bräunlich oder grau
  • Echte Gartenwegschnecke (Arion hortensis), 2–4 cm, graubraun bis schwarzgrau
  • Gemeine Gartenwegschnecke (Arion dis­tinc­tus), 2–4 cm, graubraun bis schwarzgrau
  • Braune Wegschnecke (Arion fuscus), 4–7 cm, ockergelb bis braun

Genetzte Ackerschnecke (l.) und Braune Wegschnecke (r.)Fotos: Mauritius images/Alamy Stock Photos/Nick Upton; hhelene/Adobe Stock  Genetzte Ackerschnecke (l.) und Braune Wegschnecke (r.)

 

Gehäuseschnecken

  • Weißmündige Bänderschnecke (Cepaea hortensis, auch Garten-Schnirkelschnecke)
  • Schwarzmündige Bänderschnecke (Cepaea nemoralis, auch Hain-Schnirkelschnecke). Beide Arten: Hausdurchmesser 1,5–2,5 cm, klettern häufig an Pflanzen hoch, verbringen Winter in Kältestarre versteckt unter Laub oder Gras
  • Große Glanzschnecke (Oxychilus draparnaudi), Hausdurchmesser 7–15 mm, Gehäuse durchscheinend, gelbbraun bis dunkelbraun

GehäuseschneckenFotos: Eric Isselée; ThomasLENNE/beide Adobe Stock; mauritius images/Alamy Stock Photos/Matthew Banks Weißmündige Bänderschnecke (l.), Schwarzmündige Bänderschnecke (M.) und Große Glanzschnecke (r.)


Tommy Brumm
Präsident des Landesverbandes 
Sachsen der Kleingärtner

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