• Tiere im Garten

Kröte und Co. im Garten

Kleingärten als Lebensräume für Amphibien

Tiervielfalt im KleingartenSie sind vielleicht nicht jedermanns Sache, aber auf jeden Fall spannende Gartenbewohner und Helfer in unseren Klein­gär­ten: Amphibien. Diese sehr alte Tiergruppe hat es geschafft, auf allen Kontinenten außer der Antarktis heimisch zu werden. In den Jahrmillionen ihrer Ent­wick­lungs­ge­schich­te haben die Amphibien Riesenformen hervorgebracht, etwa den 40 cm groß werdenden „Beelzebufo“. Auf seinem Speiseplan standen vor rund 70 Mil­lionen Jahren auch Babydinos.


FeuersalamanderFoto: Wirestock/Adobe Stock Heimlicher Mitbewohner: der Feuersalamander


Der größte heute bekannte Molch, der Ja­panische Riesenmolch, kann eine Größe von 1,5 m erreichen. Als Amphibien bezeichnet man die drei großen Untergruppen Froschlurche (Frösche, Kröten, Unken), Schwanzlurche (Molche, Salamander) und Schleichenlurche (sehen wie große Regenwürmer aus und leben in den Tropen und Subtropen). Dass Kleingärten wertvolle Lebensräume für Amphibien sind, zeigen drei Beispiele.
 

Zwischen den Welten

Schwanzlurche wie der relativ häufige Teichmolch gehen im März auf Wanderschaft zu ihrem Laichgewässer, das zum Ablaichen eine Mindesttemperatur von 8 °C haben muss. Hier werben die Männchen um die Gunst der Weibchen. Ist das erfolgreich, kommt es zur Übergabe einer Sperma­to­pho­re (Samenpaket), einige Tage später legt das Weibchen 100 bis 300 einzelne, bräunliche Eier an Wasserpflanzen ab.


Teichmolch-WeibchenFoto: Brumm Teichmolch-Weibchen in Landtracht


Die anfangs schwimmunfähigen Larven sind nach dem Schlupf 6–10 mm groß. Nach kurzer Zeit gehen die Larven in eine aktive Schwimmphase mit Flossensäumen am Ruderschwanz über. Sie ernähren sich „räuberisch“ von Kleinstlebewesen, entwickeln nach einiger Zeit dünne Vor­der­bei­ne und später die Hinterbeine. Nach zwei bis drei Monaten geben die Larven das Wasserleben auf und vollziehen die Metamorphose zum Landtier. Es dauert zwei bis drei Jahre, bis sie ge­schlechts­reif werden.

Teichmolch-LarveFoto: Geza Farkas/Adobe Stock Teichmolch-Larve
 

Bedrohter Salamander

Eine sehr seltene Amphibie ist der Feuersalamander. Diese Tiere werden nicht nur durch den Verlust ihres Lebensraumes bedroht, sondern auch durch den Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans. Experten befürchten ein Massensterben.

Auch Kleingartenvereine kön­nen den Feuersalamandern helfen zu überleben. So gibt es etwa in Rodewisch im Vogtland eine recht große Population des Feuersalamanders. Ein Grund ist die Bauweise der über 100 Jahre alten Gartenlauben. Diese wurden alle mit einem Lagergewölbe für Obst und Gemüse ausgestattet, das nun den Tieren als ein optimales Winterquartier dient. Die Kleingärtner des Vereins sind stolz auf ihre Feuersalamander und unternehmen alles zu deren Schutz. Natürlich spielt der angrenzende feuchte Laubwald mit seinen Quellen auch eine große Rolle.
 

Gartenhelfer in Nöten

Junge ErdkröteFoto: Brumm Junge Erdkröte Erdkröten und Frösche unternehmen jedes Jahr eine gefahrvolle Wanderung, um ihre Laichgewässer zu erreichen. Glücklicherweise wurde in den letzten Jahrzenten ihre Bedeu­tung für das Ökosystem er­kannt und ihre Wanderwege etwas sicherer gemacht, in­dem man sie mit Krötenfangzäunen lenkt und somit vor dem Stra­ßenverkehr schützt.

Die Erdkröten kehren nach dem Ablaichen wieder in ihre angestammten Reviere zurück. Sie führen ein eher unauffälliges Leben in unseren Gärten, da sie den Tag in ihren Verstecken verbringen und erst in der Dämmerung auf Beutezug gehen. Neben dem Straßenverkehr schwächt auch der Einsatz von Pflanzen­schutzmitteln und Mineraldüngern ihre Population. Die feuchte Haut der Amphibien ist besonders durch­lässig für diese Stoffe.

Leider mussten wir in den letzten Jahren mit Er­schrecken den rasanten Rückgang der Erd­krö­ten­po­pu­la­tion feststellen. Eine Ursache dafür sind die milden Winter: Die zu hohen Temperaturen verhindern bei den überwinternden Erdkröten ein Herunterfahren des Stoffwechsels. Somit verbrauchen sie weiter Energie, die ihnen dann für die Wanderung zum Laichgewässer im Früh­jahr fehlt. Aber auch die empfindliche Haut kann in dieser Zeit schneller von Pilzen angegriffen werden. Normalerweise erholen sich geschwächte Popula­tionen in günstigen Jahren sehr schnell wieder, aber die Zeiten für die Kröten sind schlecht.

Erdkröten-LaichFoto: Rèmi Masson/Biosphoto Erdkröten legen ihren Laich in langen Schnüren ab.

 

Lebensquell für Amphibien

Gartenteiche sind in ihrer Summe innerhalb einer Kleingartenanlage eine Arche für viele Tierarten. Ein interessantes Beispiel hierfür ist der Fadenmolch. Diese seltene Tierart tauchte beim Bau des Kinder- und Jugendprojektes „Zum Holzbrunnen“ erstmals 2006 in einer Kleingartenanlage in Falkenstein bei Plauen auf. Der Fadenmolch nutzt die vielen kleinen Teiche, um sich verlorenen Lebensraum zurückzuerobern.

Gartenteich für AmphibienFoto: Felix Busse Phtgrphy/Adobe Stock

Bereits im Frühjahr ist ein Gartenteich das erste Ziel der Amphibien für die Fortpflanzung. Für den Laich von Fröschen und Molchen ist es von Vorteil, wenn keine Fische im Teich gehalten werden. Insgesamt wirkt sich der Verzicht auf Fische förderlich auf die Ar­ten­viel­falt im Teich aus. In vielen Büchern gibt es zwar Formeln, wie viele Fische je m² im Teich gehalten werden sollten, sie haben aber nur das Wohl der Fische im Blick, nicht das der restlichen Teichbewohner – und deren Vielfalt ist enorm.


Die Erdkröten sind effiziente Helfer gegen Schneckenplagen. Sogar die Spanische Wegschnecke steht, trotz ihres bitteren Schleims, auf ihrem Speiseplan. Eine ausgewachsene Erdkröte kann bis zu 18 Nacktschnecken in einer Nacht vertilgen. Wir Kleingärtner sollten alle Möglichkeiten nutzen, den Bestand der Krötenpopulation zu schützen.

Der Garten bietet diesen Kulturfolgern alles, was sie brauchen. Die Kröte sucht sich ein geeignetes Versteck für den Tag oder gräbt sich selbst eines, oft kann man sie auch eingegraben in Hochbeeten oder dem Kompost finden. Indem Sie z.B. einen Steinhaufen aufschichten, können Sie für weitere Versteckmöglichkeiten sorgen. Kaum ist die Sonne untergegangen, geht die Kröte auf Beutezug nach Schnecken, Asseln, Spinnen und Insekten.


Alte ErdkröteFoto: Brumm Alte Erdkröte


Regenwürmer werden von der Kröte vor dem Verzehr durch die Finger gezogen, um Schmutz­par­ti­kel ab­zustreifen. Der abendliche Raubzug ist für die Kröte nicht ungefährlich, zu ihren Feinden gehören Marder, Katzen, Greifvögel, Schlangen und neuerdings auch Waschbären. Lässt sich eine Kröte nicht erwischen, so kann sie ein Alter von zehn bis zwölf Jahren erreichen.

Ganz wehrlos ist unsere Kröte aber nicht, sie verfügt über ein giftiges Hautsekret, das bei manchem Fressfeind er­höhten Blutdruck und Lähmungen des Rückenmarks auslösen kann. Bei unseren heimischen Kröten ist dieses Gift nur schwach ausgebildet und dient mehr der passiven Abwehr von Mikroorganismen. Anders ist dies bei einigen Verwandten wie der Aga-Kröte aus Mittelamerika: Sie ist für jeden Jäger die Henkersmahlzeit.

Tommy Brumm
Präsident des Landesverbandes 
Sachsen der Kleingärtner

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