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Wildstauden

Robuste Alleskönner

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  • Karthäuser Nelken
  • Buschwindröschen
  • Salomonsiegel
  • Stinkender Nieswurz

Wiesen-Wit­wenblumeFoto: Lugerbauer Wiesen-Wit­wenblume (Knautia arvensis)

Wildstauden halten in den letzten Jahren verstärkt Einzug in die Gärten, da sie unkomplizierte Blütenvielfalt für Mensch und Tier bieten. Doch was genau sind eigentlich Wildstauden? Entscheidend ist, dass sie nicht züchterisch bearbeitet wurden: Genauso, wie sie in der Natur wachsen, werden sie für den Garten verwendet.

Im Gegensatz dazu stehen Sorten oder Auslesen, die durch Züchtung entstanden sind. Durch Methoden wie Kreuzung und Auslese werden bestimmte Eigenschaften der Pflanzen gezielt weiterentwickelt. So entstehen etwa Gemüsesorten mit hohem Ertrag, Rosen mit dicht gefüllten Blüten oder Stauden mit besonderen Blütenfarben.

Im Zuge der Züchtung bleiben andere Eigenschaften der ursprünglichen Wildart jedoch auf der Strecke. Das ist in einigen Fällen vorteilhaft für die Verwendung im Garten – so sind manche Pflanzen steril, das heißt, sie bilden keine Samen und können daher mehr Kraft in die Blütenbildung stecken, wodurch sie monatelang blühen. Andere wachsen viel stabiler oder haben Blüten, die um ein Vielfaches größer sind als die der Urform.

Dadurch „verausgaben“ sie sich aber leider oft und sind nicht so langlebig, oder sie brauchen mehr „Zuwendung“, um im Garten bestehen zu können. Dazu kommt, dass in vielen Fäl­len ihr Nutzen für die Tierwelt nicht mehr gegeben ist: Sie bilden etwa keinen oder weniger Pollen, die Blütenform ist für die an die Wildform angepassten Tiere unge­eignet oder wichtige Inhaltsstoffe, die etwa für Raupen, die an den Blättern fressen, essenziell wären, werden nicht mehr gebildet.

Warum Wildstauden?

Aus ökologischer Sicht ist es daher anzustreben, im Garten möglichst viele Wildformen von heimischen Pflanzen zu ver­wenden, da diese für die Tierwelt die optimale Unterstützung bieten. Dabei sollten aber nicht die Honigbienen die Richtschnur sein: Als unspezialisierte (po­lylektische) Insektenart besucht die Honigbiene nahezu alle Pflanzen, deren Blüten Pollen und Nektar bieten.
Wenn Sie heimische Wildstauden pflan­zen, unterstützen Sie hingegen auch die spezialisierten (oligolektischen) Arten, die auf ganz bestimmte Pflanzenfamilien oder Gattungen angewiesen sind. Diese Spezialisten gibt es aber nicht nur bei den Wildbienen, sondern auch bei Tag- und Nachtfaltern, Käfern und allen anderen Insekten.

In Zeiten der Klimaerwärmung und im­mer häufigerer Wetterkapriolen ist ein wei­teres Plus heimischer Arten, dass diese an das abwechslungsreiche europäische Klima gut angepasst sind und kühle Frühjahre, heiße Sommer, Barfrost im Winter und mehrwöchige Regenperioden rund ums Jahr gut wegstecken. Wer lang­lebige, robuste Pflanzungen anstrebt, wird mit Wildstauden aus Mitteleuropa und, falls es um trockene und heiße Stand­orte geht, dem angrenzenden süd- und ost­europäischen Raum viel Freude haben!

Arten für die Sonne

Alpen-SchuppenkopfFoto: mauritius images/Blickwinkel/Alamy Stock Photos Alpen-Schuppenkopf (Cephalaria alpina

Die Auswahl an heimischen Pflanzen ist groß. Besonders beliebt bei Insekten und Schmetterlingen sind die Gattungen der Witwenblumen (Knautia) und Skabiosen (Scabiosa). Sie bilden hübsche köpfchen­förmige Blüten, die an langen Stängeln sitzen und je nach Art vom Frühsommer bis in den Herbst hinein erscheinen. Für das klassische Beet sind die Wiesen-Wit­wenblume (Knautia arvensis) in Lila sowie die Mazedonische Witwenblume (Knautia macedonica) in Purpurrot eine gute Wahl. An heißen Beetkanten fühlen sich die Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria) oder die Gelbe Skabi­ose (Scabiosa ochroleuca) wohl. Wer mehr Platz und etwas besseren Boden hat, könnte mit dem Alpen-Schuppenkopf (Cephalaria alpina) auch einen Riesen innerhalb dieser Verwandtschaft ausprobieren.

Attraktiv und wertvoll zugleich sind sämtliche Vertreter der Glockenblumen. Dabei wuchern beileibe nicht alle! Hübsch und harmlos sind etwa die zweijährige Wiesen-Glockenblume (Campanula patula), die gerne durchs Beet vagabundiert, die Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia), deren lange Blütenstängel im Frühsommer elegant aus Pflanzungen ragen, oder die vielen Arten an winzigen Polsterglockenblumen, die selbst im kleinsten Trog Platz finden.

Wer es üppig mag, wird mit dem Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) Freude haben. Im Mai und Juni leuchten seine lila Blütenstände weit durch den Garten; mit einem beherzten Rückschnitt verhindern Sie danach die Aussaat und erhalten zudem im Sommer eine zweite Blüte. Für den Hochsommer bietet sich die gelbe Färber-Hundskamille (Anthemis tincto­ria) an, die mit üppiger Blüte und kom­paktem, halbkugeligem Wuchs überzeugt. Auch sie blüht nach dem Rückschnitt er­neut.

Eine der hübschesten Arten für den Sommer ist der Flachblättrige Manns­treu (Eryngium planum): Die blausilber­nen Blüten erscheinen in großen Blütenständen und über Wochen hinweg. Auf den Blüten, die perfekt zum ebenfalls heimischen Gewöhnlichen Dost (Origanum vul­gare) passen, finden sich immer Hunderte von Insekten ein!

Auf­rechter ZiestFoto: mauritius images/McPHOTO/Rolf Mueller Auf­rechter Ziest (Stachys recta)

Ungewöhnlich präsentiert sich das Berg-Laserkraut (Laserpitium siler). Über einer perfekten Halbkugel aus fein zerteiltem Laub erheben sich im Sommer dicke, weithin sichtbare weiße Dolden, die auch nach dem Verblühen noch lange zie­ren. Diese langlebige Staude ist eine wertvolle Ergänzung für Gärten und kann an Beetkanten, Mauerkronen oder im schma­len Beetstreifen vor einer Mauer ihren Platz finden. Dazu passen Karthäuser-Nel­ken (Dianthus carthusianorum), Auf­rechter Ziest (Stachys recta) sowie Kugel-Lauch (Allium sphaerocephalon).

Blüten für den Halbschatten

Unter Gehölzen oder vor einer Hecke, wo nicht den ganzen Tag die Sonne scheint, startet der Reigen der heimischen Wildpflanzen schon im Frühling mit Echtem Lungenkraut (Pulmonaria officinalis), Buschwindröschen (Anemone nemorosa) und Lerchensporn (Corydalis cava, C. solida). Danach schließen sich Frühlings-Platterbse (Lathyrus vernus) und Gefleckte Taubnessel (Lamium ma­cu­la­tum) an, die allesamt die früh erwachenden Hummeln an­ziehen.

Wenn der Boden humos und tiefgründig ist, fühlen sich dort auch Sterndolden (Astrantia major) wohl, die im Frühsommer filigrane Blütenstände bilden. Gut dazu passt Brauner Storchschnabel (Ge­ra­nium phaeum), dessen Blüten im Ge­genlicht herrlich purpurn leuchten, so­wie das Salomonssiegel (Poly­gonatum odoratum), dessen elegant überhängen­de Stängel jedes Beet aufwerten.

Falls Sie duftende Pflanzen mögen, soll­ten Sie un­bedingt die Mond­viole (Lunaria rediviva) aus­pro­bieren! Ihre blassblauen Blüten entfalten besonders abends einen herrlichen Duft. Im Winter zieren dann die silbern schimmernden Samenstände, ähnlich dem zweijährigen Silberblatt – allerdings wächst die Mond­viole ausdauernd und kann viele Jahre alt werden.

In vielen Gärten ist der Boden im Schatten leider recht trocken. Das ist häufig unter großen Bäumen der Fall, wo einerseits das Blätterdach Regen schwer durch­lässt und zusätzlich die Wurzeln von unten den Boden dicht durchflochten haben. Direkt am Stamm ist es schwer, grö­ßere Pflanzen zu etablieren. Aber etwas weiter weg, sobald Sie mit der Schaufel ein Loch ausheben können, ist der Klebrige Salbei (Salvia glutinosa) eine gute Wahl. Sein großes Blattwerk und der breite Wuchs wirken schon vor der Blüte at­traktiv, diese erscheint dann im Spät­sommer und zieht viele Insekten an. Be­sonders die Holzbiene findet sich gern ein.

Sollte der Standort über aus­reichend Licht verfügen, können Sie hier mit Stin­ken­der Nieswurz (Helleborus foe­ti­dus) ergänzen, die außer mit der grünlichen Blüte im März das ganze Jahr über mit attraktiv glänzendem, dunkelgrünem Blattwerk punktet.

Große Auswahl!

Wer sich genauer mit der Welt der Wildstauden beschäftigt, wird noch viele weitere Gartenpflanzen finden, für den tiefen Schatten ebenso wie für feuchte, nährstoffreiche Böden. Grundsätzlich können Sie Wildstauden entweder als getopfte Pflanzen oder als Saatgut kaufen. Wenn Sie nur einzelne Exemplare benötigen, bieten ge­topfte Stauden den Vorteil, dass sie schon kräftig entwickelt sind und sich schnell im Garten etablieren.

Viele Wildarten lassen sich aber auch problemlos durch Samen vermehren. Hier können Sie, vor allem wenn Sie grö­ßere Mengen benötigen, viel Geld sparen. Um den Sämlingen gute Bedingungen zu bieten und sie besser im Blick zu haben, ziehen Sie sie am besten in Saat­schalen oder Töpfen vor. Die kräftig entwickelten Jungpflanzen setzen Sie dann später an die gewünschten Plätze.

Auf diese Weise können Sie auch einen langweiligen Rasen etwa mit Wiesensalbei, Wiesenglockenblumen, Witwenblumen und Skabiosen preisgünstig in eine blütenreiche Wiese verwandeln. So bringen Sie mehr blühende Vielfalt in Ihren Garten – selbst wenn es erst einmal nur eine Insel mit Wildstauden inmitten einer Rasenfläche ist.

Katrin Lugerbauer
Gartenbloggerin, Gartenbuchautorin

 

Bezugsquellen:

Färber-Hundskamille Anthemis tincto­riaFoto: dabjola/Adobe StockAllgäuStauden
Tel. 07561/983 13 93
www.allgaeustauden.de

Die Staudengärtnerei
Tel. 09323/875 22 30
www.die-staudengaertnerei.de

Gärtnerei StaudenSpatz
Tel. 08803/478 09 00
www.staudenspatz.de

Staudengärtnerei Gaißmayer
Tel. 07303/60 89 60
www.gaissmayer.de

Stauden Stade
Tel. 02861/26 04
www.stauden-stade.de

Wildpflanzengärtnerei Strickler
Tel. 06731/499 54 10
www.gaertnerei-strickler.de

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