Kent & Stowe
  • Pflanzenporträts

Gesunde Apfelsorten für den Garten

Ganz schön knackig

Gesunde Apfelsorten für den GartenFoto: Valerii Honcharuk/Adobe Stock

Ein Apfelbaum im eigenen Garten erfreut im Frühling mit seiner duftenden Blütenpracht, spendet im Sommer mit seinem Laub willkommenen Schatten und liefert im Herbst leckere Früchte. Die Freude am Obstanbau im eigenen Garten beginnt dabei mit der richtigen Sortenwahl. Denn Bestseller der Supermärkte wie ‘Jonagold’, ‘Elstar’ und ‘Golden Delicious’ lassen sich zwar auch im Garten anbauen, allerdings nur mit entsprechenden Pflanzenschutzmaßnahmen – und die sind natürlich unerwünscht. Insbesondere Kleingärten mit geringer Größe bieten nur wenig Platz für viele Obstbäume. Gerade deshalb ist die sorgfältige Auswahl geeigneter Apfelsorten wichtig.

Schorf – das Hauptproblem

Junge Apfelfrüchte mit SchorfbefallFoto: fotoknips/Adobe Stock Junge Apfelfrüchte mit Schorfbefall

Vielen der Standardsorten im Erwerbsanbau machen mehr oder weniger stark die Pilzkrankheiten Schorf und Mehltau zu schaffen. Sie verlangen einen umfassenden Pflanzenschutzeinsatz, um einen entsprechenden Ertrag zu erzielen. Für Kleingärten sind daher robuste und resistente Apfelsorten auf schwachwüchsigen Unterlagen die bessere Wahl. Zudem gibt es bereits interessante schorfresistente Säulenbäume, die sich auch ideal für Heckenpflanzungen eignen.

Doch muss gleich einer Illusion vorgebeugt werden. Resistente Sorten sind nicht gegen alle Krankheiten und Schädlinge resistent, sondern meistens nur gegen Schorf. Venturia inaequalis, so der wissenschaftliche Name des Übeltäters bei Äpfeln, überwintert im abgefallenen Laub. Im Frühjahr bildet er geschlechtliche Sporen, die sogenannten Ascosporen, die mit dem Wind und dem Regen auf die jungen Apfelblätter gelangen, dort auskeimen und enorme Mengen von ungeschlechtlichen Sporen, den sogenannten Konidien produzieren. Diese winzigen, nur unter dem Mikroskop sichtbaren Konidien können in regenreichen Jahren mit großer Geschwindigkeit Früchte, Blätter und Triebe befallen. Eine wirksame vorbeugende Maßnahme ist das gründliche Entfernen des Falllaubs vor dem Austrieb. Das Laub muss nicht entsorgt werden, sondern kann auf den Kompost wandern, da die Sporen durch die Rotte absterben.

Das genetische Potenzial der Resistenz gegen Schorf sowie gegen Mehltau stammt ursprünglich aus kleinfrüchtigen Wildäpfeln. Es gibt etwa 35 Wildapfelformen mit den verschiedensten Resistenzen. Malus floribunda ist zum Beispiel gegen Schorf resistent, gegen Mehltau der Wildapfel Malus zumi und gegen Feuerbrand beispielsweise Malus robusta. Durch viele Rückkreuzungen mit großfrüchtigen Kultursorten wurden resistente Ertragssorten mit guten Fruchtqualitäten erzielt. Die Züchtung von neuen Apfelsorten ist allerdings ein sehr langwieriges Geschäft. Von der ersten Kreuzung über die Prüfungen an mehreren Standorten bis zur Marktreife einer Sorte vergehen locker an die 15 Jahre.

AdmiralFotos: Mayr ‘Admiral’

Pflückreife gleich Genussreife?

Nicht jeder Apfel schmeckt sofort nach der Ernte. Bei den Frühsorten besteht kein Unterschied zwischen Pflück- und Genussreife. Spätreifende Sorten entfalten ihr volles Aroma dagegen erst nach einer Lagerzeit von mehreren Wochen oder Monaten.

Richtig pflanzen

  • Vor dem Pflanzen wurzelnackte Obstbäume mehrere Stunden in einem Eimer mit Wasser stellen. Bei Containerpflanzen ist das nicht nötig.
  • Pflanzloch ausheben, Mindestmaß für Spindelbäume: Länge, Breite und Tiefe jeweils etwa 30 cm. Bei Containerpflanzen doppelt so groß wie der Ballen.
  • Erde aus dem Pflanzloch mit reichlich Komposterde vermischen.
  • Den Stützpfahl vor dem Pflanzen setzen; zwischen Pfahl und Baum sollte mindestens ein Fußbreit Platz sein.
  • Bei wurzelnackten Pflanzen Hauptwurzel etwas einkürzen, verletzte oder vertrocknete Wurzeln entfernen. Bei Containerpflanzen den Ballen lockern.
  • Etwas lockere, feinkrümelige Erde in das Pflanzloch füllen, den Baum setzen und während des Einpflanzens den Baum leicht rütteln, damit die Erde gleichmäßig zwischen alle Wurzeln fällt.
  • Die Veredelungsstelle, meist als Wulst erkennbar, muss etwa 10 bis 15 cm über die Erdoberfläche hinausragen.
  • Boden vorsichtig festtreten und die Pflanze reichlich wässern.
  • Den Baum gut anbinden. Am besten die Schnur über Kreuz in Form einer Acht zwischen Pfahl und Baum anbringen; so entsteht ein stabiler Halt, und die Schnur kann bei Wind nicht am Stamm scheuern.
  • Baumscheibe mit organischem Material, Gras- oder Rindenmulch bedecken.
  • GGf. zum Schluss den Pflanzschnitt für die Erziehung zur schlanken Spindel durchführen: den konkurrierenden Mitteltrieb und alle Triebe bis zu einer Höhe von 50 cm entfernen, Stammverlängerung um ein Drittel einkürzen. Die Seitenachse leicht anschneiden.
  • Und nun den Baum in Ruhe wachsen lassen.

 

Sortenwahl

Beim Apfel gibt es ein großes Sortenspektrum mit unterschiedlichen Reifeterminen von Ende Juli bis Ende Oktober. So besteht für Gartenfreunde die Möglichkeit, das ganze Reifespektrum zu nutzen, um über viele Monate frische Äpfel genießen zu können. Empfehlenswerte Sorten finden Sie unten in der Tabelle.

Schnittfehler vermeiden

Schnittfehler vermeidenFoto: Flora Press/Sibylle Pietrek

Viele Gartenfreunde stehen immer wieder vor der Frage, wie und wann sie ihre Obstbäume schneiden sollen. Aber trösten Sie sich, auch unter den Praktikern gibt es zahlreiche Theorien und abendfüllende Diskussionen über den richtigen Obstbaumschnitt. Am besten lernt man aber durch praktische Anschauung. Zahlreiche Vereine bieten vor dem Beginn der Gartensaison regelmäßig Schnittkurse an. Was die Baumformen angeht, sind die schlanke Spindel und das Spalier an der Laubenwand für Kleingärten die geeignetsten Erziehungsformen.

Die häufigsten Fehler, die beim Blick über die Gartenzäune auffallen:

  • Nach dem Pflanzen wird kein Pflanzschnitt durchgeführt. Doch zur Entwicklung einer tragfähigen Krone ist er unbedingt erforderlich.
  • Alle Triebe werden wahllos angeschnitten. Bei optimaler Entwicklung sind nur geringe Eingriffe notwendig: Leitäste abspreizen (45 Grad), Konkurrenztriebe entfernen, stark wachsende Triebe nicht anschneiden, sondern waagerecht binden, um ihre Triebkraft zu nehmen.
  • Bei älteren Bäumen wird der Gipfel mitten im Holz gekappt, zahlreiche senkrechte Schosser entstehen. Dagegen sollte man, sobald der Baum die optimale Höhe erreicht hat, einfach auf einen zweijährigen, waagerecht stehenden Seitenast zurückschneiden.
  • Wenn Äste abbrechen, können sie tief ins Holz einreißen. Beim Entfernen dickerer Äste mit der Säge erst von unten her einen Sicherheitsschnitt durchführen und dann von oben sägen.

ResiFoto: Mayr ‘Resi’

Grund- und Deckfarbe

Die Ausfärbung erfolgt während der Reifungsphase der Früchte. Durch den Chlorophyllabbau verschwindet dabei nach und nach die Grünfärbung. Die Grundfarbe wechselt zu Gelb. Die während der Reife entstehenden Anthozyane sind für die rote Deckfarbe verantwortlich, die durch den Umschlag der Grundfarbe von Grün nach Gelb noch an Leuchtkraft gewinnt.

Unterlagenwahl

Die Sorten von Apfel und Birne lassen sich nicht durch Aussaat vermehren. Sie werden daher vegetativ auf einem Wurzelstock, einer sogenannten Unterlage, vermehrt. In Kleingärten mit nur wenig Platz und mit der Wahl der schlanken Spindel als Erziehungsform sind für den Apfel die schwachwachsenden Unterlagen M27, M9 und M26 geeignet.

Ausdünnen

AusdünnenFoto: Die Grüne Kamera

Bei zu starkem Fruchtbehang müssen Sie regulierend eingreifen. Die beste Zeit hierfür ist nach dem natürlichen Fruchtfall im Juni. Entfernen Sie einen Teil der Früchte (ausdünnen), vorzugsweise kleine, schlecht entwickelte Äpfel. Dadurch wird der Baum entlastet, und die restlichen Früchte können sich gut entwickeln. Der Baum ist dadurch auch in der Lage, genügend Blütenknospen für das kommende Jahr anzulegen. Wird bei zu starkem Behang nicht ausgedünnt, trägt der Baum im Folgejahr kaum Früchte. Man nennt dies auch Alternanz, in Bezug auf den Wechsel zwischen hohem und geringem Ertrag.

 

Empfehlenswerte Apfelsorten

Sorte
Farbe
Ernte (ab)
‘Allegro’ leuchtend rot Ende Juli
‘Summercrisp’ rot gestreift Ende Juli
‘Deljonca’ flächig leuchtend rot Anfang August
‘Lafayette’ gelb Anfang/Mitte August
‘Rebella’ rot gestreift Mitte August
‘Gerlinde’ gestreift bis flächig rot Mitte/Ende August
‘Reglindis’     hellrot gemasert Anfang September
‘Rubinola’ leuchtend rot gestreift Anfang/Mitte September
‘Resi’ hellpurpurrot gestreift Mitte September
‘Freya’ flächig hellrot Mitte September
‘Ladina’ flächig rot Mitte/Ende September
‘Admiral’ flächig braunrot Ende September
‘Ariwa’ hellrot gemasert Ende September
‘Topaz’ rot gestreift Ende September
‘Rusticana’ dunkelrot Mitte Oktober


Dr. Ulrich Mayr
Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee

 

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