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TontopfFoto: Anna/Adobe Stock Tontöpfe – besserals jeder Plastikpott!

Wenn ich heutzutage durch eine Kleingartenanlage spaziere, beschleicht mich öfter ein mulmiges Gefühl. Früher standen dort Tontöpfe, und die Ernte wurde in Weidenkörben gesammelt. Heute sieht man nur noch knallbunte Kübel, billige Rankhilfen, kilometerweise Folien – und alles aus Plastik. Natürlich ist das Zeug erst einmal praktisch und billig, aber welchen Preis zahlen wir dafür?

Endstation Gartenboden

Jedem fällt auf, dass die Borsten des klassischen Plastikbesens mit der Zeit kürzer werden. Aber wer stellt sich die Frage, wo das Material eigentlich bleibt? Der Abrieb verschwindet nicht im Nichts, denn er landet in unseren Gartenböden. Über die Jahre summieren sich dort Unmengen an Mikroplastik – und bleiben dort für Generationen.

Ein gesunder Boden ist ein hochkomplexes Netzwerk. Die Wurzeln unserer Pflanzen kommunizieren pausenlos mit Pilzen und Mikroorganismen. Es werden Nährstoffe getauscht, Wasser gezielt weitergeleitet und Zucker als „Währung“ gehandelt. Mikroplastik stört empfindlich genau diese Wechselbeziehung.

Ich sage dann immer: „Funkstille im Beet!“ Die Pflanze schlägt Alarm, meldet Trockenstress oder Nährstoffmangel, aber die Botschaft versandet im Boden. Wir sehen dann das Ergebnis: mickriges Wachstum und blasse Blätter. Und was macht man dann? Einfach mehr Dünger draufzugeben, „verschlimmbessert“ das Problem oft nur. Die Ursache liegt nämlich viel tiefer, und zwar dort, wo das Bodenleben nicht mehr richtig kommunizieren und arbeiten kann.

Der Anfang vom Ende

Plastik-Anzuchtschalen? Versucht mal eine gute Erdtopfpresse, mit der ihr Ballen für die Anzucht herstellen könnt! Die Jungpflanzen danken es euch mit Wurzeln, die sich nicht im Kreis ringeln, sondern an der Luft ganz natürlich gestoppt werden und so einen kräftigen Ballen bilden.

ErdballenpresseFoto: sophiecat/Shutterstock Mit einer Erdballenpresse lässt sich viel Plastik sparen.

Wer hat noch die guten alten Tontöpfe im Schuppen? Ton atmet, reguliert Feuchtigkeit und kühlt durch die Verdunstung. Gerade in den heißen Sommern ist das ein unschätzbarer Vorteil gegenüber jedem Kunststoffpott.

Legt mal ungewaschene Schafwolle unter die Erdbeeren. Die Früchte liegen trocken und sauber, Schnecken mögen die Wolle nicht, und während sie langsam verrottet, gibt sie Stickstoff in den Boden ab. Das ist besser als eine Plastikfolie.

Statt bunter Plastikschilder im Beet einfach mal flache Steine oder einfache Holzleisten nehmen, die man mit einem wetterfesten Stift beschriftet. Das sieht nach mehr als nur nach „Garten“ aus.

ReisigbesenFoto: Grubärin/Adobe Stock Reisigbesen haben sich seit Jahrhunderten bewährt. Besen aus Reisig und Kokos fegen genauso sauber wie jeder aus Kunststoff. Der feine Unterschied? Wenn so ein Besen sich abnutzt, „füttert“ er beim Fegen noch das Bodenleben. Da wird nichts vergiftet, da kehrt alles einfach wieder in den natürlichen Kreislauf zurück.

Und mal Hand aufs Herz: Ein ordentlicher Eschenstiel, den man ab und zu mit ein wenig Leinöl einreibt, liegt doch tausendmal schöner in der Hand als jeder hohle Kunststoffgriff. Das ist noch Werkzeug mit Seele, und es hält ewig.

Plastik im Dünger

Aus Bequemlichkeit haben wird uns oft auf ummantelte Langzeitdünger verlassen, ohne auf das Mikroplastik in der Ummantelung zu achten – oder davon zu wissen. Zum Oktober 2028 werden diese Dünger in der EU verboten, das ist längst überfällig, die Belastung unserer Böden wird bis dahin aber weitergehen. Kompost, Hornmehl oder die gute alte Brennnesseljauche – das sind Naturdünger, die sich seit Jahrhunderten bewähren und den Boden wirklich nähren.

Machen wir nicht nur den 22. April 2026, sondern jeden Tag zum Earth Day! Mit jedem Arbeitsschritt ohne Plastik bewahren wir das Herz und die Seele unserer Gärten. So sorgen wir dafür, dass auch künftige Generationen noch in lebendiger, kraftvoller Erde buddeln können.

Michael Hansen
Stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes
der Kleingartenvereine Schleswig-Holsteins

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