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Viele Hände, weite Wege

Wo kommen unsere Pflanzen her?

Schlagworte zu diesem Artikel:
  • Anbau
  • Saatgut
  • Vermarktungswege
  • Alternativen zur Massenware
  • Jungpflanzen
  • Blumenzwiebeln
  • Gartenbau

GartencenterFoto: WavebreakmediaMicro/Adobe StockBald ist es wieder so weit: Der Frühling kommt, und wir laden unseren Einkaufswagen voll mit Pflanzen, Blumenzwiebeln und Samentütchen. In den Gartencentern, Baumärkten und den großen Supermärkten ist stets ein buntes Sortiment an Pflanzen und Sämereien vorhanden. Doch wo werden die Pflanzen und das Saatgut produziert und über welche Wege gelangen sie in das Gartencenter und letztlich in unsere Kleingärten?

 

Abschied vom Allrounder

TopfmaschinenFoto: Gerhard Seybert/Adobe Stock Topfmaschinen arbeiten schnell und effizient. Noch zu Beginn der 1970er Jahre gab es vor allem den Gärtner um die Ecke. Er hat­te ein breites Sortiment und machte noch ganz viel selbst. Er säte im Frühjahr Kräuter und Gemüse aus, vermehrte Erdbeeren und Pelargonien und baute nebenbei noch ein paar Schnittblumen an. Das ein oder andere kaufte er auch zu, dann aber vor allem von anderen regionalen Betrieben.

Seit dieser Zeit hat sich viel getan. Im Gartenbau fand eine starke Spezialisierung statt. Einerseits gibt es Betriebe, die nur noch eine oder wenige Pflanzenarten kultivieren: Das geht von Erdbeeren, Heide und Hortensien über Obstbaumunterlagen und Rosen bis zu Wasserpflanzen und Weihnachtssternen.

Andererseits wird die Anzucht von Pflanzen in viele Schritte untergliedert, die dann von einzelnen Unternehmen durchgeführt werden. So produziert ein Betrieb ausschließlich Saatgut, ein zweiter zieht die Jungpflanzen heran, die dann von einem dritten getopft und bis zur Verkaufsgröße weiterkultiviert werden.


PelargonienFoto: Mediagram/Abobe Stock Pelargonien werden meist in wärmeren Ländern vermehrt und dann im Inland bis zur Verkaufsreife weiterkultiviert.


Zudem werden die Pflanzenproduktion und der Handel immer internationaler. Dabei werden einzelne Produktionsschritte oft in wärmere Länder verlegt. Als Beispiel seien Pelargonien genannt, die in Spa­nien durch Stecklinge vermehrt, dann nach Deutschland geliefert und hier getopft und zur verkaufsfertigen Ware herangezogen werden.

Der Markt mit Blumenzwiebeln ist fest in niederländischer Hand: Hier werden Tulpen, Narzissen, Krokusse und Co. millionenfach herangezogen und weltweit vermarktet.


Anbau von Saatgut

Die Vermehrung und der Vertrieb von Saat­gut erfolgt schon seit langer Zeit über hoch spezialisierte Betriebe, da hier großes Fachwissen erforderlich ist. Die Produktion ist stark klimaabhängig: Um gut ausgereiftes Saatgut in ausreichenden Mengen zu erhalten, sind relativ konstante, hohe Temperaturen und wenig Niederschläge vorteilhaft. Daher wird Saatgut überwiegend in warmen Ländern wie Ita­lien, Tan­sania oder auch Südamerika an­gebaut. Die Abfüllung in die bunten Samentütchen erfolgt dann meist in Deutschland.

Damit die Kunden sich darauf verlassen können, dass die Samen zuverlässig keimen, wird die Qualität regelmäßig durch die Untersuchungsämter der Landwirtschaftskammern geprüft. Saatgutproduktion und Saatguthandel unterliegen den strengen Kriterien des Saatgutverkehrsgesetzes.


Licht und Schatten

Spezialisierung und hohe Stückzahlen bieten den Gartenbaubetrieben viele Vorteile, da sie rationelles und kostengünstiges Arbeiten ermöglichen. Der restriktive Sorten- und Markenschutz und das Lizenz­wesen (s. Kasten unten) sind im großen Stil leichter umzusetzen.


Heide-BetriebFoto: dpa-Report Große Stückzahlen ermöglichen rationelles Arbeiten, wie hier bei einem Heide-Betrieb in Sachsen.


Zudem machen sich die Spezialbetriebe mit Blick auf eine verbesserte Saat­gut­qualität die klimatischen Vorteile be­stimm­ter Regionen zunutze. Längere Ve­geta­tionsperioden können gewinnbringend genutzt werden und mögliche Heizkosten verringern sich. Die Saatgutproduzenten profitieren zudem vom Angebot an preisgünstigen Produktionsflächen und unter Umständen auch von einem niedrigen Lohnniveau.

Nicht selten können durch die ausgela­gerte Pflanzenproduktion aber auch die bei uns relativ strengen Auflagen beim Arbeitsschutz und für den Einsatz von Was­ser, Dünger und Pflanzenschutz- oder Bo­denbehandlungsmitteln umgangen werden. Weitere negative Begleiterscheinun- gen der Spezialisierung und Inter­natio­nalisierung sind die einseitige und übermäßige Nutzung der Ressourcen Bo­den und Wasser oder die langen Transportwege.


Vermarktungswege

Die Vermarktung der verkaufsfertigen Pflanzen und Sämereien erfolgt über verschiedene Stationen. So kaufen Sie z.B. beim Gärtner um die Ecke, im Gartencenter oder Baumarkt, im Lebensmittel­dis­coun­ter und auch beim Internethändler ein.

Großabnehmer wie Discounter, Supermarkt- oder Baumarktketten schließen oft direkte Verträge mit den Pflanzenproduzenten ab. Sie bestimmen darin genau die Pflanzensorten, Farben, Anzahl, Liefer­termine, Verpackung etc.


Vermarktungsorgani­sationFoto: mauritius images/Edwin Remsberg/Alamy Ein riesiges Drehkreuz für Blumen und Pflanzen ist die Vermarktungsorgani­sation „Royal FloraHolland“.


Oft stehen aber zwischen dem Pflanzenproduzenten und dem Betrieb, der die Waren an Sie verkauft, noch ein oder mehrere Handelsschritte. Die weltweit größte Vermarktungsorganisation für Schnittblumen und Pflanzen ist die niederländische „Royal FloraHolland“ mit Sitz in Aalsmeer und Naaldwijk. Sie ist genossenschaftlich organisiert und hat über 4200 Mitglieder. Damit Sie sich die Dimensionen einmal vorstellen können: Allein im Jahr 2016 wurden von „Royal FloraHolland“ 12,5 Milliarden Schnittblumen und Pflanzen vermarktet!

In Deutschland ist die genossenschaftlich organisierte „Landgard“ die größte Vermarktungsorganisation für Schnittblumen und Pflanzen. Hier liefern über 3000 Gartenbaubetriebe ihre Waren an.


Alternativen zur Massenware

Der gärtnerische Endverkaufsbetrieb hat sich entgegen dem Trend zur Spezialisierung gehalten. Es handelt sich meist um inhabergeführte, kleinere Gärtnereien/Baumschulen, bei denen Produktion und Verkauf zum Teil noch in einer Hand liegen. So werden z.B. die gängigen Beet- und Balkonpflanzen sowie Salat- oder Gemüse­jungpflanzen in gewissem Umfang selbst durch Aussaat oder Stecklinge vermehrt, zu verkaufsfertigen Pflanzen herangezogen und dann direkt ab Hof oder auf dem Wochenmarkt an den Endverbraucher verkauft. Hier gehören Qualitätsware und gute fachliche Beratung zum Standard.


KundenserviceFoto: Ingo Bartussek/Adobe Stock Es gibt sie noch: die Gärtner um die Ecke mit Kundenservice, Know-how und Erde unter den Fingernägeln.


Einen gewissen Gegenpol zur beschriebenen Spezialisierung und Internationalisierung im Gartenbau bilden auch Bio-Betriebe, die sich vor allem im Bereich Kräuter- und Gemüseanbau entwickelt ha­ben und die nach Möglichkeit ihr eigenes Saatgut gewinnen und ihre Pflanzen selbst vermehren.

Ulrike Brockmann-Krabbe
Landesfachberaterin des Landesverbandes
Westfalen und Lippe der Kleingärtner

 

Wo kommen die neuen Sorten her?

Große Gartenbaubetriebe haben oft auch eine eigene Züchtungsabteilung. Hier entstehen, meist mit langer Vorlaufzeit, die neuen Sorten. Da Züchtungsarbeit teuer und aufwändig ist, werden neue Sorten i.d.R. zum Sortenschutz angemeldet. Damit sichern die Züchter ihre Sorten und können Lizenzgebühren erheben. Besonders im Bioanbau gibt es aber auch noch kleinere Betriebe, die selbst züchten.

 

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