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Die richtigen Spaten für Gärtner

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Was Sie schon immer über Spaten wissen sollten


Spatenkunde für GartenfreundeFoto: mauritius images/ James Davidson/Alamy


Als der Mensch in grauer Vorzeit den „Segen der Erde“ für sich erkannte und nutzbar machte, benötigte er ein Werkzeug. Er fand es in dem Grabstock. Im Laufe der Zeit wurde der schlichte Grabstock zweckmäßig weiterentwickelt – zu dem heute jedem Gärtner bekannten Spaten. Und er ist ein schönes Werkzeug, unser Spaten. Erdverbunden, sinnreich, gut anzusehen – man hat ihn gern in der Hand – schon verlockend, bei der Gartenarbeit damit in die Erde zu stechen, zu schneiden mit seiner Schärfe.


Regionale Spatenvielfalt

Bremer SandspatenFoto: Baack Spaten Bremer Sandspaten, T-Stiel Dithmarscher KleispatenFoto: Baack Spaten Dithmarscher Kleispaten Aus dem Grabstock entstand zunächst der Grabescheit, aus dem sich wiederum der „Halbspaten“ ent­wickelte. „Halbspaten“ deshalb, weil er statt zweien nur eine Trittkante besaß. Bis ins Mittelalter war die­se Spatenform weit verbreitet. Und obwohl irgendwann von der Entwicklung überholt, wurde er in Irland und Ungarn noch bis in das 18. Jahrhundert benutzt.

Die Ähnlichkeit mit unserem „heutigen“ Spaten wur­de in der Folgezeit immer größer. Statt Holz verwende­te man aber Metall, und je nach Anforderung entstan­den unterschiedliche Blattformen, die in den verschie­denen Regionen deutlich variieren konnten. Bis in die 1930er Jahre kannte man unglaublich viele un­terschiedliche Typen in Deutschland, eine Schätzung beziffert ca. 2500 Blattformen – alle angepasst an die regionalen Boden­ver­hältnisse. Genannt seien hier beispielsweise der breite Bremer Sandspaten oder der spitze Dith­marscher Klei­spaten.


Von Blech bis Edelstahl

Das Blatt besteht heute bei billigen Spaten bis ca. 30 Euro aus gepresstem Blech. Diese Spaten erfüllen kaum die notwendigsten Qualitätsansprüche und sind nicht zu empfehlen. Beliebt sind auch Modelle aus Edelstahl, sie haben den Vorteil, dass sie nicht rosten und an ihnen nur wenig Boden haftet, was z.B. bei tonigen Böden von Vorteil ist. Allerdings lassen sich diese Spaten nicht schärfen und sind meist aus eher weichem Material. Sie sollten deswegen für Gartenfreunde nicht die erste Wahl sein.

Zu empfehlen sind geschmiedete Spaten, die schon ab 40 Euro erhältlich sind. Bei dieser Art der Fertigung wird der Stahl so verdichtet, dass er praktisch je­der Be­lastung standhält. Das konisch geschmie­de­te Blatt dringt leichter in den Boden ein als ein gleichmäßig dickes, und es schärft sich während der Arbeit immer wieder selbst.


Stahl schmiedenFoto: Krumpholz-Werkzeuge Beim Schmieden wird Stahl so verdichtet, dass er praktisch jeder Belastung standhält.


Selbstschärfend sind auch günstigere Modelle aus pulverbeschichtetem Stahl, der allerdings, sobald die Beschichtung sich abnutzt, zu rosten beginnt. Das ist aber nicht weiter schlimm, da mit jedem neuen Arbeitsgang der Rost wieder „abgeschliffen“ wird.


BlattvergleichFoto: Baack Spaten Blattvergleich: Oben ein Blatt aus 3 mm dickem Stahlblech, unten konisch aus einem Stück geschmiedet.


Die beste Blattform

SpatenSeiner Bedeutung gemäß wollen wir dem Spatenblatt – meist zwischen 18 und 25 cm lang – besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Es gibt zahlreiche Blatt­for­men und -größen, aber bei aller Fülle lässt sich die Form zunächst einmal auf „rechteckig“ bzw. „dreieckig“ reduzieren. Die rechteckige Form mit gerader oder leicht gebogener Einstechkante eignet sich gut für homogene, steinarme Böden. Je steiniger der Boden ist, desto spitzer sollte das Blatt sein. Für schwere, tonige Böden eignen sich Spaten, die nicht nur spitz, sondern auch noch schmal sind.

Grundsätzlich gilt aber: je größer das Blatt, desto kräftezehrender die Arbeit. Da der Fuß entscheidend mitspielt, verfügt ein gutes Spatenblatt über Trittkanten oder „Schul­tern“.


Der passende Stiel

Der Stiel besteht in der Regel aus Holz, sehr gut sind Esche und Buche. Er ist entweder ein Knopfstiel oder hat einen Griff mit T- oder D-Form. Die Griffe werden wegen ihrer Ähnlichkeit zu den Buch­staben so benannt. Welcher der richtige Griff ist, mag individuell ent­schieden werden. Denn eine sachliche Begründung, welcher der „bessere“ ist, findet sich nicht klar und eindeutig. Erlaubt ist, was gefällt. Es scheint aber so, dass sich für viele der Spaten mit dem T-Griff bequemer fassen lässt.

Aber nicht nur der Griff, auch die Länge des Stiels spielt eine wichtige Rolle, um bequem arbeiten zu können. Die beste Kraftübertragung erreichen Sie, wenn Sie die Länge des Spatenstiels so bemessen, dass der aufrecht stehende Spaten bis zu Ihrer untersten Rippe reicht. Eine weitere Faustregel besagt, dass bei einer Körpergröße von 160–175 cm der Spaten 100–110 cm und bei 175–195 cm Größe 120 cm haben sollte. Besonders bequem: Modelle mit einem Teleskopstiel, die eine ganz individuelle Einstellung ermöglichen. Ergonomisch vorteilhaft sind auch Stiele, die eine leichte S-Form haben.


Die richtige Verbindung

Blatt und Stiel können auf ganz unterschiedliche Weise miteinander verbunden sein, und hier begegnen wir wichtigen Un­terscheidungsmerkmalen. Wie gut ein Spaten starker Belastung standhalten kann, hängt nicht unbedingt vom Material ab, sondern wesentlich auch von der Konstruktion. Wichtig ist natürlich eine feste Verbindung von Blatt und Stiel. Achten Sie beim Kauf auf eine solide Vernietung. Auch die Schweißnähte sollten einen Blick wert sein, wichtig ist, dass sie geschliffen sind. Optimal ist, wenn die sogenannte Dül­le und das Spatenblatt aus einem Stück geschmiedet sind und die Verbindung nicht angeschweißt wurde.

  • Federspaten
    Doppelfeder- (li.) und VollmetallspatenFoto: Viets Doppelfeder- (li.) und Vollmetallspaten. In der einfachsten und somit preiswertes­ten Bauweise sind Blatt und Stiel durch eine Metallfeder verbunden und verschraubt oder vernietet. Diese Konstruktion ist für Arbeiten in leichtem Boden durchaus geeignet. Wird aber doch einmal hoher Kraftaufwand erforderlich, ist ein Brechen des Stiels leicht möglich.
     
  • Doppelfederspaten
    Für schwerere und gröbere Arbeiten ist die Befestigung durch eine Doppelfeder, also eine geteilte Dülle, doppelt gut. Hier bricht auch bei hoher Beanspruchung so schnell nichts. Für Gartenfreunde sind vor allem die Dop­pel­fe­der­spa­ten zu empfehlen.
     
  • Vollmetallspaten
    Als Vollmetallspaten werden Spaten bezeichnet, die eine geschlossene Dülle haben, an der der Holzstiel befestigt ist. Allerdings kann der Stiel oberhalb des obe­ren Düllenkranzes brechen – durch die Verjüngung des Stiels ist dort bei einigen Modellen quasi eine Sollbruchstelle.

Große Vielfalt

Wo Notwendigkeiten die Fantasie herausgefordert und beflügelt haben, sind auch viele Sonderformen entstanden. Hier eine kleine Auswahl:

KoniferenspatenFoto: Baack Spaten Koniferenspaten, D-Stiel Koniferenspaten: Er dient in erster Linie als Pflanzspaten. Seine besonders schlanke Klinge ist ideal für das Arbeiten in engen Beeten.

Staudenspaten: Er eignet sich besonders für Arbeiten zwischen Stauden in dicht bepflanzten Beeten. Er ist ein kurzer Spaten mit spitzem Blatt, sehr gut geeignet zum Teilen und Umpflanzen.

Wurzelspaten: Dank seiner besonderen Schneide, sie ist V-förmig nach innen geformt, können bei der Arbeit im Stauden­beet Wurzeln oder Staudenhorste mühelos getrennt werden.

Rodespaten: Dank seiner insgesamt sehr robusten Konstruktion kann er viel aushalten. So verfügt er über ein kräftiges und großes Blatt aus Spezialstahl, gegebenenfalls eingeschmiedeten Rücken und besonders lange Federn (30 cm). Die Ro­bustheit schlägt sich allerdings auch im hohen Gewicht nieder.

Spatengabel (Grabegabel): Im Gegen­satz zum Spaten hat sie statt des Blattes vier Zinken, dadurch ist sie besonders ge­eignet für das Graben an Wurzeln und Sträuchern.

Lochspaten: Durch seine besondere Gestaltung erinnert er stark an eine Zange mit zwei schmalen, langen Spatenblättern. Er ist sehr gut geeignet für das Setzen von Zaunpfählen.

Kniespaten: Er leistet bei Grabearbeiten unter Büschen und Bäumen sehr gute Dienste.

Wie viele Entwicklungen hat auch die des Spatens Spezialformen hervorgebracht, auch solche, die eher als Kuriosität zur Kenntnis genommen werden können. So den (inzwischen wohl ausgestorbenen) ­Pedal-Spaten – ein Spaten mit Lenkergriff und einem Pedal zum Bewegen des Blattes, optisch eine Art Zen­taur aus Spaten und Fahrrad, praktisch nicht erfolgreich.

Sie sehen, die Auswahl ist groß – Auswahl-Kriterien haben wir hier gegeben. Nun folgt nicht die Qual der Wahl, sondern das Vergnügen, die eigenen Ansprüche und Vorstellungen zu realisieren. „Unser Spaten“ – wir haben ihn jetzt etwas besser kennengelernt und wissen nun mehr über ihn, seine Geschichte und seine (möglichen und unmöglichen) Erscheinungsformen. Wo und wann auch immer wir im Garten arbeiten, er steht bei Fuß.

Jens Carstens
Stellv. Vorsitzender des Landesverbandes
Schleswig-Holstein der Gartenfreunde

Weitere Informationen finden Sie auf www.spatensammlung.de
 

Bezugsquellen

Baack Spaten
Tel. 0 48 26/14 07
www.baackspaten.de

Krumpholz-Werkzeuge
Tel. 0 92 55/3 62
www.krumpholz1799.de

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