• Gartenpflege

Jungpflanzen anziehen

So gelingt die Anzucht

Schlagworte zu diesem Artikel:
  • Jungpflanzen
  • Anzucht
  • Saatgut
  • Substrate
  • Keimfähigkeit
  • Lichtkeimer
  • Dunkelkeimer
  • Kaltkeimer
  • Keimtemperatur
  • Pikieren

JungpflanzenanzuchtFoto: Romberg Die eigene Jungpflanzenanzucht macht Spaß und sorgt für Vielfalt bei der Sortenwahl. Es ist doch absolut faszinierend, wie sich aus einem winzigen Tomatensamen innerhalb weniger Monate eine über 2 m große Pflanze entwickelt. Ein kleines Wunder, das Gartenfreunde jedes Jahr erleben, wenn sie ihre Pflanzen aus Saatgut anziehen! Damit aber aus dem kleinen Wunder keine Enttäuschung wird, sollten Sie bei der Anzucht Ihrer Pflanzen einiges beachten.


Basis für gutes Wachstum

Das Wichtigste vorweg: Verwenden Sie bit­te keine normale Blumenerde für die An­zucht, denn sie enthält meist zu viele Nährstoffe, die die jungen Pflan­zen­wur­zeln verbrennen können. Eine gute Anzucht­er­de ist daher die Grundlage für ein erfolgrei­ches Gelingen der Aussaat. Sie sollte mög­­lichst wenig Nährstoffe ent­hal­ten, feinkrü­melig und unbedingt frei von Un­kraut­sa­men sowie Krankheitserregern sein.

Bei guter Qualitätserde aus dem Fachhandel können Sie sich in der Regel darauf verlassen. Achten Sie hierbei bitte auf torffreie Substrate. Zusatzstoffe wie Holzfasern, Kokosfasern und Reisspelzen ermöglichen den Verzicht.

Wenn Sie Ihre eigene Anzuchterde her­stellen wollen, empfehle ich ein Gemisch aus 40 % Gar­ten­erde, 40 % Kompost und 20 % Sand. In diesem Fall müssen Sie das Substrat natürlich selbst sterilisieren.

Da die professionelle Variante, bei der das Substrat mit einem sogenannten Erddämpfer über zwei Stunden auf 90 °C er­hitzt wird, im eigenen Garten schwer um­zusetzen ist, brauchen Sie eine Alternati­ve. Dafür können Sie Ihr Substratgemisch in einen Bratschlauch füllen und für eine halbe Stunde bei 150 °C im Backofen erhit­zen. Nach dem Abkühlen sollten Sie die Erde möglichst sofort verwenden oder den Beutel bis zum Gebrauch verschlossen lassen.


PflanzenanzuchtFoto: Kazakova Maryia/Fotolia Ein kleines Wunder, wie sich aus einem winzigen Samen eine große Pflanze entwickelt.



Das Saatgut

Was gibt es Schöneres für einen Gartenfreund, als an einem tristen Wintertag die aktuellen Saatgutkataloge zu studieren. Hierbei können neue Sorten entdeckt oder alte wiederentdeckt werden. Natürlich sind robuste und resistente Sorten zu bevorzugen.

Jungpflanzenanzucht - AnzuchterdeFoto: Flora Press/Nadja Buchczik Ist die Aussaatschale mit Anzuchterde befüllt, muss diese leicht festgedrückt werden.

Jungpflanzenanzucht - SubstratschichtFoto: Flora Press/BIOSPHOTO/Serge Lapouge Je nachdem, ob es sich um Licht- oder Dunkelkeimer handelt, müssen Sie eine dünne Substratschicht über die Samen sieben.

Jungpflanzenanzucht - FeinsprüherFoto: Flora Press/BIOSPHOTO/Serge Lapouge Nach der Aussaat muss angegossen werden. Das erledigen Sie am bestem mit einem Feinsprüher.

Jungpflanzen pikierenFoto: mauritius images/SZ Photo Creative/Alessandra Schellnegger Nachdem die Jungpflanzen gekeimt sind, müssen sie pikiert werden.

MultitopfplattenFoto: Iarygin Andrii/Fotolia Werden die Pflanzen in den Multitopfplatten zu groß, …

Jungpflanzen umtopfenFoto: Cora Müller/Fotolia … kann noch einmal in kleine Töpfe getopft werden.


Wenn Sie noch Saatgut vom letzten Jahr oder einer anderen vorausgegangenen Sai­son ha­ben, müssen Sie auf die Keimfähig­keit achten. Saatgut von Porree, Feldsalat oder Boh­nen­kraut ist beispielsweise nur gut zwei Jahre keimfähig, das von Erbsen, To­maten oder Gurken dagegen drei bis sechs Jahre. Wollen Sie auf der sicheren Seite sein, prüfen Sie das Saatgut vor der Aussaat, ob es noch keimt. Dazu legen Sie ei­ne vorher definierte Anzahl (z.B. zehn Stück) von Samen auf Fließpapier und befeuchten es gleichmäßig. Beachten Sie die notwendige Keimtemperatur. Liegt die Keimfähigkeit über 80 %, können Sie zu­frie­den sein.


Die Aussaat

Bitte säen Sie nicht einfach drauf los, son­dern beachten Sie den auf den Saatguttüten an­ge­ge­be­nen Aussaatzeitpunkt und ob es sich um Licht-, Dunkel- oder Kaltkei­mer handelt. Grund­sätz­lich soll­ten Sie nur in saubere Scha­len und Töpfe aussäen. Da Saatgut oft in Portionsgrößen angeboten wird, die locker für 50–100 Pflanzen oder mehr rei­chen, müssen Sie nicht die ganze Tüte auf einmal ver­wen­den.

 

Licht-, Dunkel- oder Kaltkeimer?

Lichtkeimer: Sie benötigen zur Keimung Licht und werden daher nicht oder mit nur einer dünnen Schicht Erde bedeckt. Zu ihnen gehören z.B. Basilikum, Estragon, Kopfsalat, Römischer Salat, Sellerie oder Tomaten.

Dunkelkeimer: Sie müssen bis zum Keimen mit einer dünnen Schicht Erde abgedeckt werden. Typische Dunkelkeimer sind z.B. Borretsch, Koriander, Feldsalat oder Kürbis.

Kaltkeimer: Um die Keimruhe zu brechen, benötigen die Samen eine Kälteperiode (Freiland oder Kühlschrank) von min­des­tens sechs Wochen. Zu den Kaltkeimern gehören u.a. Bärlauch und Stiefmütterchen.

 

Säen Sie Gemüse besser in mehreren „Sätzen“ aus, also mehrere kleine Aussaaten in Ab­stän­den von ein bis zwei Wochen. So vermeiden Sie nicht nur die Verschwen­dung von wert­vol­lem Saatgut, sondern verlängern gleichzeitig die Erntezeit.

Sind die Aussaatgefäße mit Anzuchterde befüllt, geht es an die Aussaat. Gleichmäßig werden die Körner zunächst in der Saatschale verteilt und, sofern es sich nicht um Licht­kei­mer handelt, mit einer 0,5–1 cm dicken Schicht Anzuchterde abgedeckt. Das geschieht am besten mit einem feinen Sieb, denn so lässt sich das Substrat gleichmäßig verteilen, und noch evtl. vorhandene Fremdkörper wie Steine und Holzreste werden entfernt. Drü­cken Sie das Ganze anschließend mit einer kleinen Handkelle fest.

Damit die Keimung beginnen kann, ist es not­wen­dig, für die auf den Saatguttüten an­ge­ge­be­ne Keimtemperatur (je nach Art zwischen 12–22 °C) zu sorgen. Nach der Keimphase von acht bis 14 Tagen sollten sich die ersten zarten Keimblätter zeigen. Wichtig während dieser Phase ist es, für ausreichend Wasser zu sorgen.

Bewährt haben sich feine Düsen für Gieß­kan­nen sowie Feinsprüher zum gleich­mäßigen Wässern. Während der Keimung darf das Sub­strat niemals austrocknen, denn das kann zum Abbruch des Keimprozesses führen. Wiederum darf die Erde aber auch nicht zu nass sein, was Fäulnis bewirken würde.

Auch Geduld ist gefordert, wer meint, durch Temperaturerhöhung das Wachstum zu op­ti­mie­ren, wird enttäuscht. „Geil­wuchs“ (lange, unstabile Triebe) ist dann häufig die Folge. Gleiches gilt bei zu wenig Licht.


Das Pikieren

Sind nach zwei bis drei Wochen zarte Jung­pflan­zen gewachsen, müssen diese vereinzelt werden, um eine Licht- und Nähr­stoff­kon­kur­renz zu vermeiden. Als gute Orientierung dient dabei der Zeitpunkt, an dem sich das erste „echte“ Blattpaar entwickelt hat. Dies ist meist recht leicht zu erkennen, da es sich deutlich von den Keimblättern un­ter­scheidet.

Haben Sie aber kei­ne Angst, diesen Zeitpunkt zu verpassen, selbst wenn etwas zu früh oder zu spät pikiert wird, schadet das den Pflanzen nicht. Letztendlich hängt der richtige Zeit­punkt auch immer vom Entwicklungszustand ab und davon, wie dicht gesät wurde.
 

Jungpflanzenanzucht - BlattpaarFoto: Sebastian Nußbaum/Fotolia Das erste echte Blattpaar lässt sich gut von den Keimblättern unterscheiden.


Setzen Sie die einzelnen Pflanzen in kleine Töpfe mit Aussaaterde. Am einfachsten geht das mit einem Pikierstab, mit dem die Pflanzen vorsichtig aus der Saatschale genommen werden können, ohne die zarten Wurzeln zu beschädigen. Wenn Sie keinen Pikierstab zur Hand haben, können Sie alternativ auch kleine Bambusstäbe verwenden.

Grundsätzlich sollten Sie die Pflanzen nur so tief in die Erde setzen, wie sie zu­vor in der Aus­saat­schale gestanden haben. Eine Ausnahme bilden Tomaten, denn sie sind in der Lage, am Trieb neue Wurzeln zu bilden. Daher werden sie bis zu den Keimblättern eingetopft, das sorgt auch für zu­sätz­li­che Stand­fes­tig­keit.

Wie bei der Aussaat müssen Sie auch nach dem Pikieren für eine gleichmäßige Bewässerung sorgen. Sind die Pflanzen in ihren Töpfen gut an­gewachsen, sollten Sie sie an einem kühleren und hellen Ort aufstellen. Das sorgt für kräftige und gedrungene Jungpflanzen. Eine erste „Start­dün­gung“ kann nach ca. vier Wochen erfolgen. Wenn nach den Eisheiligen der Zeitpunkt zum Aus­pflan­zen gekommen ist, sollten Sie die Jungpflanzen vorher noch einige Tage an einem wind­ge­schütz­ten Platz „abhärten“.

Egal ob Gemüse, Kräuter oder ein- und zweijährige Sommerblumen, wenn Sie neben oben ge­nann­ten Tipps die individuellen Eigenschaften und Bedürfnisse der Kulturen beachten, kann so nicht mehr viel schief gehen.

Hartmut Clemen
Leiter des Lehr- und Erlebnisgartens
FlorAtrium

 

Aussaat für Anfänger

Nicht selten ist Gartenfreunden der Aufwand für eine eigene Aussaat zu groß. Statt Saatgut werden gleich Jungpflanzen gekauft. Ihnen rate ich dann: „Versucht es mit der kinderleichten Variante der Anzucht.“ Bohnen, Kürbis, Zucchini oder Sonnenblumen sind die idealen Einsteiger-Kulturen für die spätere ultimative Begeisterung bei der Jungpflanzenanzucht.

Denn bei diesen Arten kann auf das Vorziehen in Aussaatschalen sowie das Pi­kieren verzichtet werden. Direkt in einen mit Anzuchterde gefüllten 10-cm-Topf wird ein Saatkorn z.B. vom Kürbis gelegt. Genauso verhält es sich mit Zucchini, Sonnenblume oder Gurke. Bei Buschbohnen ist es etwas anders, sie werden zu dritt in den Topf gelegt.

Saatgut anpflanzenFoto: Cora Müller/Fotolia

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