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Gärtnern mit dem Mond

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Gärtnern mit dem MondFoto: Stefan Erfurt/Pixelio.de Gärtnern nach dem Mond – reine Glaubenssache? Die Studien, welche die Auswirkungen des Mondes auf die Pflanzen belegen sollen, sind umstritten.


Irrglaube oder hilfreiche Orientierung?

Millionen Menschen schreiben dem Mond besondere Kräfte zu. Auch viele Hobbygärtner orien­tie­ren sich an ihm. Davon zeugt der seit Jahren boomende Markt an Mondkalendern: Für die Wand, den Tisch oder die Tasche, zum Abreißen, Umblättern oder Ergänzen und natürlich online sind sie zu haben. Die Kalender geben für jeden Tag mithilfe zahlreicher Symbole Tipps, welche Aufgaben heute am besten erledigt werden sollten.

Anhänger des Mondgärtnerns schwören, dass ihre Pflanzen dann besser wachsen, prachtvoller blühen, reichere Ernte bringen und weniger von Schädlingen be­fallen werden. Mindestens genauso viele Gartenfreunde halten das Ganze für Humbug, was auch an der Tatsache liegen mag, dass es „den“ Mondkalender nicht gibt – Wasser auf die Mühlen der Skeptiker.


Kalender nach Mondphasen

Die einfachste Variante der Mondkalender orientiert sich ausschließlich an den Mondphasen, dem ständigen Wechsel zwischen Neu- und Vollmond. Der Wechsel ist an wolkenfreien Tagen mit einem Blick zum Himmel erkennbar.


MondphasenFoto: Pixabay Das Gärtnern nach dem Mond orientiert sich vor allem an den Mondphasen.


Ein sogenannter synodischer Mondzyklus dauert 29,5 Tage. Er beginnt mit dem Neumond, also dem Moment, da der Mond zwischen Sonne und Erde steht. Während seines Erdumlaufs wird die beleuchtete Seite des Mondes immer sichtbarer, bis zum Vollmond. Dann nimmt er wieder ab bis zum nächsten Neumond. Die Mondphasen stehen in direktem Zusammenhang mit den Gezeiten. Das ist wissenschaftlich unbestritten.

Umstritten ist hingegen, was Anhänger des Mondgärtnerns daraus ableiten. Sie gehen davon aus, dass der Mond so, wie er durch seine Anziehungskraft das Wasser entweder an die Küste oder ins Meer zieht, auch auf die Säfte in den Pflanzen wirkt. Nimmt der Mond zu, so steigen angeblich auch die Säfte in den Pflanzen auf, insbesondere in die überirdischen Pflanzenteile. Bei ab­neh­men­dem Mond hingegen sollen sich die Säfte in den ­unterirdischen Pflanzenteilen drängen. Dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich umstritten.

Für die Gartenarbeit bedeutet die Orientierung an den Mondphasen: Bei zunehmendem Mond werden Schnittblumen, Kräuter, Obst und oberirdisches Gemüse geerntet. Abnehmender Mond hingegen ist günstig für die Ernte von Wurzelgemüse, aber auch für die Aussaat und für Pflanzungen sowie für Schnittmaßnahmen.


Sternenbezogene Kalender

Deutlich komplizierter als ein Kalender, der nur die Mondphasen berücksichtigt, sind sternenbezogene Mondkalender. In ihnen spielt zunächst die Position des Mondes am Himmel eine maßgebliche Rolle. Anders als die Mondphasen ist sie für den Laien nicht mit bloßem Auge erkennbar.

Aufsteigender Mond gilt als günstig für das Wachstum der oberirdischen Pflanzenteile. Absteigender Mond hingegen soll die Zeit der Aussaat oder Pflanzung und des Schnittes sein. Der zweite Faktor in diesen Kalendern ist das Verhältnis des Mondes zu den Sternkreiszeichen. Der Mond wandert vom tiefsten Punkt im Sternbild Schütze bis zum Wendepunkt im Zwilling und sinkt von dort zurück zum Schützen. Ein solcher sogenannter siderischer Mondzyklus dauert 27,3 Tage.

Den Sternkreiszeichen werden bestimm­te Eigenschaften zugeordnet. Mondgärtner gehen davon aus, dass der Mond jeweils die Kräfte des Sternbilds, in dem er gerade steht, auf die Erde lenkt. Zur Kraftübertragung nutzt er die vier Ele­men­te Feuer (Wärme), Erde, Luft (Licht) und Wasser.

Diese Elemente sollen eine besondere Wirkung auf bestimmte Pflanzengruppen besitzen – Feuer beispielsweise auf Frucht­pflanzen wie Obstbäume oder Fruchtgemüse, Erde vor allem auf Wurzelgemüse, Luft auf Pflanzen mit auffälligen Blüten und Wasser auf Blattpflanzen wie Kräuter oder Heckenpflanzen. Die Sternkreiszeichen sind zu Dreigruppen („Trigone“) zu­sammengefasst, die jeweils einem der vier Elemente zugeordnet werden.


Zunehmender MondFoto: Pixabay Bei zunehmendem Mond sollen angeblich die Säfte in den Pflanzen in die überirdischen Pflanzenteile aufsteigen.


Das Sternzeichen, durch das der Mond gerade wandert, bestimmt also, ob es sich um einen Blatt-, Frucht-, Wurzel- oder Blütentag handelt. Aus der Kombination dieser Tage mit dem Mondstand wird dann abgeleitet, welche Pflanzen am jeweiligen Tag am besten gesät oder gesetzt, geschnitten oder geerntet werden.

Für die Mondkalender werden die Blatt-, Frucht-, Wurzel- und Blütentage von astronomischen Instituten berechnet. Je nach Schule der Autoren und Berechnungsmethode der astronomischen Insti­tute werden dabei für bestimmte Gartenarbeiten unterschiedliche Tage favo­risiert!

Keine einheitlichen Regeln

„Das“ Gärtnern nach dem Mond gibt es also ebenso wenig wie einen einheitlichen Mondkalender. Die Studien, welche die Auswirkungen des Mondes auf die Pflanzen belegen, sind nach wis­sen­schaft­li­chen Maßstäben höchst umstritten – vielleicht, weil die Auswirkungen des Mondes auf das Gärtnern noch nicht ausreichend erforscht sind. Vielleicht führt das Gärtnern nach dem Mond aber auch nur zu einer besonderen Aufmerksamkeit für die Pflanzen und erklärt deswegen, warum manche Gärtner auf das Gärtnern mit dem Mond schwören.

Eva Neumann

 

Interview


Peter BergFoto: Gärtnerei Berg


Peter Berg hat sich in­tensiv mit dem Gärtnern nach dem Mond beschäftigt. Er ist Mit­glied im Bioverband Demeter und baut in seiner Gärtnerei seit mehr als 30 Jahren Gemüse, Salate und Kräuter nach den Prinzipien des biodynamischen Landbaus an. Seine Erfahrungen gibt er in Kursen und in Fachbüchern weiter – auch in dem Buch „Der Mondgärtner: Biodynamisch gärtnern mit Peter Berg“. Auf den ersten Blick sieht es ganz so aus, als ob Peter Berg zu der Riege der begeisterten Mond-Anhänger gehört. Aber ganz so einfach ist es nicht.

Welche Rolle spielt der Mond in den Prinzipien des biodynamischen Landbaus?

Peter Berg: „In der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise versucht man, den Mond und seinen Durchgang durch einen Tierkreis im Monat nach Möglichkeit zu berücksichtigen, aber nicht um jeden Preis und bei jeder Witterung. Der Mond hat wie im Konzert die große Trommel. Er gibt den Takt vor. Aber er alleine ist nur ein Faktor im sehr komplexen Zusammenspiel des Lebensraums. Erst müssen die gärtnerischen Bedingungen stimmen, dann ist die Mondkonstellation die Sahnehaube.“

Was bedeutet das konkret in Ihrer täglichen Arbeit?

Peter Berg: „Mit Regeln wie ‚Heute ist Vollmond – morgen muss ich Bohnen säen‘ oder ‚Heute ist eine Wahnsinns-Konstellation zum Kartoffeln-Setzen‘ ist es nicht getan. Wenn es in der Nacht dann 25 mm regnet, ist es völliger Unsinn, nur aufgrund des Mondkalenders seine Kartoffeln in die Erde zu bringen. Bei der Ernte von Lagergemüse wie Kohl, Sellerie oder Möhren achten wir besonders auf die Mondkonstellation: Wir ernten an Blüten- oder Wurzeltagen. Unsere Erfahrung ist, dass das Gemüse deutlich schneller faulen oder welken würde, wenn wir an einem Blatttag ernten würden. Umgekehrt ist es jedoch völlig unsinnig, frischen Salat, den man heute essen möchte, nicht zu ernten, weil gerade kein Blatttag ist.“

Wie erklären Sie sich den aktuellen Boom bei Mond­kalendern?

Peter Berg: „Der Mondkalender ist ein Hype, bei dem die Leute dabei sind. Das ist auch eine emotionale Geschichte: Der Mond ist in den Menschen als Mythos verankert. Diesen Nerv hat man getroffen und ausgenutzt. Hinzu kommt: Ein Kalender, nach dem man seine Pflanzen hegt, ist so einfach zum Greifen. Aber Pflanzenwachstum ist nicht so einfach. Ich glaube, die wenigsten Anhänger von Mondkalendern sind sich darüber im Klaren, dass die Reduzierung auf diese Regeln nicht mit gärtnerischem Handwerk vereinbar ist.“

 

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