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Gärtnern (fast) ohne gießen

Schlagworte zu diesem Artikel:
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Schattierungen schützen PflanzenFoto: Jörg Krüger Schattierungen schützen Ihre Pflanzen.

Unser Klima verändert sich – die sommerlichen Tage werden mehr, heißer und trockener. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass sich dies in den kommenden Jahren verschärfen wird – auch in Regionen, die bis jetzt weitestgehend davon verschont geblieben sind.

Der vergangene Sommer hat sehr deutlich gezeigt, dass Wasser ein kostbares Gut ist und nicht unbegrenzt verfügbar ist. Wenn über mehrere Wochen kein Niederschlag vom Himmel fällt, ist es umso wichtiger, mit möglichst wenig Gießwasser auszukommen. Regelmäßiges, ausdauerndes Wässern ist nicht nur kostspielig, es ist auch unökologisch und eine Verschwendung von Ressourcen. Auch wenn es – zugegeben – nicht ganz ohne (gezielte) Bewässerung geht, können Sie mithilfe einiger Tricks das Gießen auf ein Minimum reduzieren, die Umwelt schonen und dennoch einen schön gestalteten Garten sowie reiche Ernten haben.

Hacken statt gießenFoto: Flora Press/Bodo Butz Hacken statt gießen

Wasservorrat nutzen

Um die Wasserspeicherfähigkeit Ihres Bodens möglichst hoch zu halten, sollte der Boden weder zu schwer noch zu leicht sein. Ist der Boden zu sandig, wird das Wasser nicht lange gespeichert. Bei einem sehr hohen Lehmanteil hat es das Wasser schwer, den Boden zu durchdringen. Durch eine Anreicherung mit Kompost erhöhen Sie die Fähigkeit, Wasser zu speichern und es für die Pflanzen länger verfügbar zu machen.

Neben der Einarbeitung von Kompost schaffen Sie mit der passenden Bodenbearbeitung eine gute Basis, um wassersparend zu gärtnern. „Einmal hacken spart dreimal gießen“, lautet eine alte Gärtnerregel. Gemeint ist damit, dass beim Hacken oder auch Grubbern des Beetes die feinen Kapillarröhrchen unterbrochen werden, über die das Wasser aus dem Boden verdunstet. Außerdem nimmt ein lockerer Boden Wasser besser auf, sodass auch kleine Mengen effektiv genutzt werden kön­nen.

Die Sonne trocknet den Boden im Sommer besonders stark aus. Deshalb sollten Sie die Erde am besten mit einer etwa 3 cm dicken Mulchschicht versehen. Sie sorgt dafür, dass das Wasser deutlich langsamer verdunstet. Zum Mulchen eignen sich z.B. Rasenschnitt, Abschnitte von Gräsern oder Stauden oder andere Gartenabfälle.

Mulchschicht reduziert VerdunstungFoto: mauritius images/Kaliantye/Alamy Stock Photos Eine Mulchschicht reduziert die Verdunstung.

Überleben mit Strategie

Auch die Auswahl standortgerechter Pflanzen ist wichtig. Empfehlenswert sind grundsätzlich Pflanzen, die mit wenig Wasser auskommen und/oder Dürreperioden überstehen, ohne Schaden zu nehmen. Diese Überlebenskünstler unter den Sträuchern, Gräsern, Stauden, Ein- und Zweijährigen sowie Zwiebelblumen gibt es für jeden Standort.

Die Strategien, welche die Pflanzen zum Überleben bei Trockenheit nutzen, sind unterschiedlich. Salbei (Salvia officinalis) und Heiligenkraut (Santolina) reflektieren etwa mit ihrem grauen Laub das Licht und verhindern so, dass sich die Blätter zu stark aufheizen. Wollziest (Stachys byzantina) setzt z.B. neben den grauen Blättern auf eine filzige Behaarung, die zusätzlich Licht reflektiert und ihn vor austrocknenden Winden schützt. Die fleischigen Blätter von Hauswurz (Sempervivum) und Sedumgewächsen speichern einen Wasservorrat.

Hauswurz und SedumFoto: macrossphoto/Adobe Stock Trockenkünstler Hauswurz und Sedum

Auch im Gemüsebeet können Sie durch eine gezielte Auswahl bewährter Gemüsearten und -sorten üppige Ernten einfahren. Fast alle „Südgemüse“ kommen gut mit heißen Temperaturen und Trockenphasen zurecht (siehe Kasten). Robuste Mischkulturen helfen dabei, Wasser und Nährstoffe bestmöglich zu nutzen. Auch viele mediterrane Kräuter sind Überlebenskünstler.

Trockenheitsverträgliche Gemüse und Kräuter

Aubergine, Artischocke, Paprika, Mangold, Karotte, Linse, Pastinake, Mais, Grünspargel, Knoblauch, Rosmarin, Thymian

In Etagen denken

Wenn Sie ein Beet oder einen Teil Ihres Gartens neu gestalten möchten, planen Sie eine dichte Bepflanzung gemischter Arten. Im Laufe mehrerer Monate bildet sich dadurch eine Bodenbedeckung aus frischen Blättern, Trieben und Laub. Damit fördern Sie einen stetigen Aufbau von Substrat und den Eintrag von Nährstoffen, gleichzeitig vermindern Sie so die Verdunstung von Wasser sowie das Auflaufen von Unkraut, das zusätzlich Wasser verbraucht.

Auch wenn Sie in Ihrem Garten nicht das komplexe System verschiedener Vegetationsschichten nachahmen können, können Sie sich dennoch davon inspirieren lassen: Über der unterirdischen Schicht aus Wurzeln, Zwiebeln und Knollen folgen Schichten aus Moosen, Stauden bzw. nicht verholzenden Pflanzen, dann aus Sträuchern sowie Großgehölzen oder Bäumen. Mit diesem überlappenden Bewuchs erreichen Sie eine günstige Wasserverfügbarkeit und eine allgemein bessere Widerstandsfähigkeit gegenüber ungünstigen Witterungsbedingungen.

Haben Sie keine Angst vor einem zu dichten Bestand. Eine Pflanzendichte von zehn bis 15 Pflanzen pro Quadratmeter darf es gerne sein. Wählen Sie möglichst verschiedene Pflanzen mit ähnlichen Ansprüchen und unterschiedlichen Wuchshöhen aus. Eine schöne Kombination sind z.B. Syrisches Brandkraut (Phlomis russeliana), Frauenmantel (Alchemilla), Wiesenstorchschnabel (Geranium pratense) und Argentinisches Eisenkraut (Verbena bonariensis). Ergänzen Sie dann noch Zwiebelblumen wie Tulpen, Zierlauch oder Winterlingen.

Pflanzliche Bodenbedeckung

Bodendecker sind wichtige Pflanzen im pflegeleichten, wassersparenden Garten. Besonders effektiv tragen sie zu einer Reduzierung der Verdunstung bei, wenn sie nicht nur im Sommer grün sind, sondern auch im Winter den Boden mit ihrem Laub bedecken. Sie bilden rund ums Jahr eine grüne, geschlossene Pflanzendecke, wenn ihr Standort nicht zu offen und vor Kahlfrost oder Wintersonne geschützt ist.

Zu den empfehlenswerten immergrünen Bodendeckern gehören das Kleine Immergrün (Vinca minor), Dickmännchen (Pachysandra terminalis) oder Balkan-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum). Am besten pflanzen Sie Bodendecker im Frühling oder Herbst. Dann ist der Boden meist feuchter, und Sie müssen in der Anwachsphase weniger gießen.

Neue Räume schaffen

Schattierungen im Garten schützen Obst- und Gemüsepflanzen nicht nur vor Sonnenbrand, sie tragen auch effektiv zu einer Verringerung der Verdunstung bei. An einem Holzgerüst lässt sich Schattiergewebe relativ einfach anbringen, oder Sie beranken das Gerüst – vor allem an der Südseite – mit Schatten spendenden Kletterpflanzen.

SchattenspenderFoto: BashevaOlga/Adobe Stock Kletterpflanzen spenden Schatten.

Kletternde Gemüsepflanzen wie Stangenbohnen oder kletterndes Obst wie Minikiwi oder Wein liefern dann sogar zusätzliche Erträge. Auch hochwachsende Wildtomaten sind als Schattenspender geeignet. Unter der Schattierung entstehen neue Räume mit einem pflanzenfreundlichen Kleinklima, wo empfindlichere Pflanzen vor zu viel Sonne oder Wind geschützt wachsen können.

Natürlich abgebremst

Vor allem in windigen Lagen trocknet die Erde besonders schnell aus. Um diese stetige Verdunstung zu reduzieren, sollten Sie Windschneisen im Garten möglichst vermeiden und robuste Pflanzen, etwa Schneeball, Wildrosen oder Pfaffenhütchen auswählen, durch die der Wind abgebremst wird. 

Bei starkem Wind können Sie auch Sträucher mit Gräsern wie Pampasgras oder Chinaschilf kombinieren. Besonders effektiv ist die windbrechende Wirkung, wenn die Pflanzen versetzt angepflanzt werden. Lassen Sie sich am besten in Ihrer örtlichen Baumschule oder von Ihrem Fachberater beraten, welche Pflanzenarten auf Ihrem Boden optimal wachsen.

Bodenwellen

Windschutz erreichen Sie auch durch Bodenwellen, einen Erdwall oder Erdhügel. Durch die aufgeschüttete Erde erzeugen Sie Erhöhungen, die Sie mit Sträuchern bepflanzen können. Durch den Schattenwurf wird die Verdunstung der dahinterliegenden Fläche zusätzlich reduziert.

TrockenmauerFoto: Soboll Trockenmauern sind Windschutz und Lebensraum zugleich.

Auch Raumschwellen erzeugen diesen Effekt. Sie lassen sich u.a. durch Trockenmauern oder Steinwälle umsetzen. Diese „Riegel“ sind gestalterische Elemente im Garten, die nahezu ohne Pflege auskommen, die Pflanzen, benötigen keine Bewässerung. Gleichzeitig liefern solche Elemente wertvolle Rückzugsorte für wärmeliebende Tiere.

Richtig gießen

Nach einem sonnigen Tag sieht die Erde in jedem Beet trocken aus. Doch anstatt abends überall im Garten ein wenig zu wässern, sollten Sie zunächst überprüfen, ob der Boden tatsächlich trocken ist. Prüfen Sie dafür mit dem Finger oder mithilfe eines Stöckchens in ca. 15 cm Tiefe, ob die Erde auch dort trocken ist. Erst dann ist eine Bewässerung notwendig.

Gießen Sie jedoch möglichst erst am nächsten Morgen. Feuchtigkeit, die sich über Nacht hält, zieht Schnecken an und begünstigt Pilzkrankheiten wie Braunfäule oder Mehltau. Verwenden Sie zum Gießen einen Strahl und keine Brause, so können Sie gezielt den Fuß der Pflanze gießen. Gießen Sie auch nicht jeden Tag. Pflanzen bilden ihre Wurzeln deutlich tiefreichender aus, wenn sie seltener und dafür ausgiebiger gegossen werden. So überstehen sie auch längere Dürrephasen.
 

Trockenheitsverträgliche Stauden

Katzenminze (Nepeta)
Berg-Sandkraut (Arenaria montana)
Schafgarbe (Achillea)
Eisenkraut (Verbena bonariensis)
Duftnessel (Agastache rugosa)
Steppensalbei (Salvia nemorosa)
Fetthenne (Sedum)
Sonnenröschen (Helianthemum)
Steinquendel (Calamintha nepeta)


Miriam Soboll
Fachberaterin des Landesverbandes 
Niedersächsischer Gartenfreunde

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