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Fruchtgemüse veredeln

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  • Veredeln
  • Gemüse
  • Kopfveredelung
  • Gegenzungen-Verfahren
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  • Fruchtgemüse

Fruchtgemüse selbst veredelnFoto: Burapa Nammulsint/Adobe Stock

Möchten Sie mehr und länger ernten? Dann sollten Sie auch beim Fruchtgemüse auf Veredelungen setzen. Dabei werden attraktive, aromatische Sorten auf gesunde und wuchskräftige Unterlagen gepfropft. So wachsen zwei Einzelpflanzen zu einer zusammen.

Das führt dazu, dass die Pflanzen widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten sind, unempfindlicher gegen Hitze und Kälte und insgesamt vitaler. Sie wachsen kräftiger, behalten länger ihr Laub und sorgen für volle Erntekörbe. Lohnenswert ist das Veredeln vor allem bei Tomate, Gurke, Aubergine und Melo­ne, mit Einschränkung auch bei Paprika.

Der Fachhandel bietet im April und Mai eine große Auswahl an veredelten Gemüsepflanzen an. Ein kleiner Wermuts­tropfen ist dabei der Preis, der bei etwa 5 Euro pro Pflanze liegt. Doch mit ein bisschen Fingerspitzengefühl und Experimentierfreude können Sie Ihre Gemüsejungpflanzen auch selbst veredeln.

Was geht worauf?

Unterlage schneidenFoto: Neder 1. Schneiden Sie die Unterlage unterhalb der Blätter mit einem schrägen Schnitt ab. Den oberen Pflanzenteil benötigen Sie nicht mehr. Einige Gemüsearten werden auf Unterlagen derselben Art gepfropft, während für andere artfremde Unterlagen aus derselben Pflanzenfamilie verwendet werden. So werden z.B. Tomaten auf spezielle Tomatenunterlagen wie ‘Spirit’ F1 oder ‘Estamino’ F1 ver­edelt und Paprika landet auf bestimmten Chili-Sorten. Als Unterlage für Gurken und Melonen werden jedoch Kürbisarten wie der Feigenblattkürbis verwendet, und auch Auberginen werden artfremd auf die oben genannten Tomatenunterlagen gepfropft.

Als Methode wird bei Tomaten, Au­ber­ginen, Melonen und Paprika die Kopfveredelung verwendet, bei der die Triebe schräg abgeschnitten werden. Das Veredeln von Gurken ist noch etwas filigraner, da Sie bei dem Gegenzungen-Verfahren besonders fein arbeiten ­müssen. Schneiden Sie hier die Unterlage schräg von oben nach unten ein (nicht durch!), bei der Edelsorte Mit einem Schrägen Schnitt teilenFoto: Neder 2. Verfahren Sie mit der Edelsorte ­genauso – hier wird die Wurzel nicht mehr gebraucht. Die ­Schnittflächen nicht berühren! führen Sie den Schnitt spiegelbildlich von unten nach oben aus. Schieben Sie die entstandenen Zungen vorsichtig ineinander und fixieren Sie die Veredelungsstelle mit Veredelungsband oder einem Clip. Sind die Schnittflächen nach etwa zehn Tagen zusammengewachsen, kappen Sie den Trieb der Unterlage direkt über der Veredelungsstelle. Die Edelsorte schneiden Sie noch eine Woche später unter der Veredelungsstelle ab. Benutzen Sie für beide Methoden eine Rasierklinge oder ein sehr scharfes Messer.

Jungpflanzen vorziehen

Doch bevor es ans Veredeln geht, müssen Sie erst einmal für die passenden Jungpflanzen sorgen. Am einfachsten geht das mit im Fachhandel erhältlichen Veredelungssets, die das Saatgut für die Unterlagen Oberteil der Edelsorte passgenau aufsetzenFoto: Neder 3. Schieben Sie den Silikonclip auf die Unterlage und setzen Sie ­anschließend das Oberteil der Edelsorte passgenau auf die 
Unterlage. Platzieren Sie den Clip so, dass er beide Teile verbindet.
und Silikonclips zum Verbinden enthalten. Die Samen für die gewünschte Edelsorte müssen Sie dann noch separat besorgen.

Säen Sie die Unterlagen ab Ende Februar in kleine Töpfe oder Saatschalen aus und vergessen Sie das Etiket­tieren nicht. Je nach Edelsorte und Unterlage müssen Sie die Sorten zeitgleich oder mit ein paar Tagen Abstand aus­säen. Für die Gegenzungenveredelung ist die Aussaat von Edelsorte und Unterlage in einem Topf zu empfehlen. Wichtig ist, dass beide zum Zeitpunkt der Veredelung etwa gleich stark sind. Wenn sich an den Jungpflanzen nach den Keimblättern das erste Paar Laubblätter entwickelt, ist der richtige Zeitpunkt zur Veredelung gekommen.

Nach dem Veredeln brauchen die Jungpflanzen optimale Bedingungen – ins­be­sondere Wärme und hohe Luftfeuchtigkeit –, um sich von der „Operation“ zu erholen. Kleine Zimmergewächshäuser oder gepfropfte PflanzeFoto: Neder 4. Stabilisieren Sie die gepfropfte Pflanze anschließend mit einem Stab. transparente Kunststoffhauben leisten hier gute Dienste. Der Standort sollte hell, aber ohne direkte Sonneneinstrahlung sein. Nach zehn bis 14 Tagen können Sie die Abdeckung entfernen. Die Weiterkultur erfolgt dann wie bei „normalem“ Fruchtgemüse.

Spannende Spezialfälle

Kennen Sie „Aubertoffel“ und „Tomtoffel“? Bei beiden dienen Kartoffelpflanzen als Unterlage, auf die Sie dann Au­ber­ginen oder Tomaten pfropfen. Das funk­tioniert, da die Arten miteinander verwandt sind. So können Sie auf kleiner Fläche sowohl Kartoffeln als auch Frucht­gemüse in kleinen Mengen ernten.

Am besten verwenden Sie Kunststofftöpfe mit mindestens 20 l Inhalt. Damit Sie die Erdfrüchte wiederholt ernten können, sollten Sie zwei Töpfe ineinanderstecken und in den inneren vorsichtig mit dem Cuttermesser „Erntefenster“ schneiden. 

Den Topf füllen Sie zur Hälfte mit torffreiem Substrat und Kompost, legen eine Saatkartoffel hinein und füllen ihn auf. Platzieren Sie ihn an einem warmen Standort und lassen Sie die Kartoffeln keimen. Parallel dazu ziehen Sie Auberginen und/oder Tomaten auf der Fensterbank vor. Sind die Kartoffeltriebe rund 20 cm lang, können Sie mit der Veredelung loslegen.

Schneiden Sie den kräftigsten Kartoffeltrieb etwa 5 cm über der Topfoberfläche schräg ab und pfropfen Sie darauf mit Kopfveredelung das „Oberteil“.  Die übrigen Triebe entfernen Sie. Bei dickeren Trieben können Sie auch die Triebe der Edelsorte V-förmig anspitzen, die Triebe der Kartof­felunterlage etwa 2 cm tief senkrecht in der Mitte einschneiden und die Edelsorte in den Spalt schieben. Befestigen Sie anschließend die Edelsorte mit einem Clip oder mit Veredelungsband auf dem Kartoffeltrieb und stabilisieren Sie die Triebe mit Stäben.

Eine Aubertoffel gefällig?Foto: www.plantura.garten Veredeln Sie doch mal eine Aubertoffel, also eine Aubergine auf eine Kartoffel.

Die Kartoffeln sind nach ca. 90–100 Tagen erntereif. Ziehen Sie zur Ernte den äußeren Topf ab, entnehmen Sie die Knollen vorsichtig mit den Händen und füllen Sie die Hohlräume wieder mit Erde auf. Parallel reifen die Auberginen oder die Tomaten im „Obergeschoss“ der Pflanze.

Thomas Kleinworth
Bundesfachberater, Geschäftsführer und
Fachberater des Landesverbandes 
Schleswig-Holstein der Gartenfreunde

 

Bezugsquellen für Veredelungssets

Chrestensen
Tel. 0361/510 15
www.gartenversandhaus.de

Dürr Samen
Tel. 07121/637 99
www.duerr-samen.de

Nebelung/Kiepenkerl
www.nebelung.de

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