- Gartengestaltung
Totholz im Garten
Foto: Flora Press/Klaphake, Ute
Totholz zählt zu den wertvollsten Lebensräumen der Natur. Wenn Sie Äste, Stämme oder Baumreste bewusst im Garten belassen, bieten Sie zahlreichen Tier-, Pilz- und Pflanzenarten damit ein Habitat. Dabei unterstützen Sie gleichzeitig die Bodenfruchtbarkeit, den Klimaschutz und das natürliche Gleichgewicht im Garten.
Abgestorbene Bäume, Baumteile, Wurzeln, Baumstümpfe oder Äste – all das zählt zum Totholz. Dazu zählen alle Stadien der Zersetzung – vom frisch abgestorbenen Ast am lebenden Baum bis hin zu nahezu vollständig zersetztem Holz.
Von Käfer bis Feuersalamander
Fotos: Eileen Kumpf/Adobe Stock; Flora Press/goldherzkolibri
Unzählige Käferarten sind auf Totholz angewiesen, so wie der Nashornkäfer.
Allein in Deutschland sind rund 1400 Käferarten auf Totholz angewiesen. Darüber hinaus bietet es zahlreichen Wildbienen, Pilzen, Flechten, Moosen, Vögeln und Fledermäusen sowie unzähligen Mikroorganismen einen Lebensraum. Viele Arten verbringen ihr gesamtes Leben oder wichtige Entwicklungsstadien im oder am Totholz.
Jede Zersetzungsphase bietet anderen Lebewesen einen Lebensraum. Frühe Besiedler, darunter verschiedene Bockkäfer und andere holzbewohnende Käferarten, bohren Gänge in das Holz und schaffen damit Zugänge für weitere Insekten, Pilze und Mikroorganismen. Die Insekten locken Fressfeinde wie Spechte an. Diese schlagen größere Höhlen in das Holz, in die später andere Vogelarten und mitunter auch Fledermäuse einziehen. Einige Wildbienenarten legen ihre Brut in verlassenen Käfergängen an.
Auch Zauneidechsen nutzen sonnige Stämme zum Aufwärmen. Erdkröten, Spitzmäuse, Igel, Siebenschläfer und viele andere Tiere suchen dort Nahrung und Schutz.
Totholz kann Wasser wie ein Schwamm aufnehmen und speichern. An heißen Tagen trägt die langsame Verdunstung zu einem feuchten, kühlen Mikroklima bei. Zugleich bleibt ein Teil des im Holz enthaltenen Kohlenstoffs während der oft langwierigen Zersetzung gespeichert und wird teilweise in den Boden überführt. Damit leistet Totholz auch einen kleinen Beitrag zum Klimaschutz im Garten. Nach und nach übernehmen Pilze, Bakterien, Asseln, Tausendfüßer und andere Bodenorganismen die weitere Zersetzung. Dabei entsteht Humus: Der Boden wird zunehmend fruchtbarer.
Foto: C. Schüßler/Adobe Stock
Mauereidechsen nutzen Totholz gern, um sich zu sonnen.
Totholz im Kleingarten
Verschiedene Tiere benötigen unterschiedliche Holzarten und Standorte. Kombinieren Sie deshalb liegende, stehende und teilweise in den Boden eingelassene Stämme. Wenn Sie außerdem sonnige und schattige Plätze sowie dicke und dünne Äste und Zweige einbeziehen, schaffen Sie besonders vielfältige Lebensbedingungen.
Ökologisch besonders wertvoll sind heimische Laubbaumarten wie Eiche, Hainbuche, Buche, Ahorn und Linde sowie das Holz von Obstbäumen. Viele spezialisierte heimische Arten sind an diese Gehölze angepasst. Holz gebietsfremder Baumarten kann zwar ebenfalls besiedelt und zersetzt werden, ist für solche Spezialisten jedoch meist weniger wertvoll.
Foto: blende11.photo/Adobe Stock
Stehendes Totholz, wie ein abgestorbener Obstbaum, gehört zu den wertvollsten Totholzstrukturen, weil es zahlreichen Tieren Lebensraum bietet. Selbst im Wurzelbereich finden zahlreiche Bodenorganismen Nahrung und Unterschlupf. Natürlich muss der Baum stabil stehen und darf niemanden gefährden. Die Krone kann bei Bedarf eingekürzt oder entfernt werden, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten.
Alternativ lässt sich ein Stammstück oder ein dicker Ast senkrecht in den Boden setzen. Möchten Sie zusätzliche Nistmöglichkeiten für Wildbienen schaffen, können Sie gut abgelagertes, entrindetes Hartholz mit unterschiedlich großen Bohrgängen versehen. Die Löcher sollten bevorzugt seitlich ins Längsholz gebohrt werden, sauber und splitterfrei sein und dürfen das Holz nicht vollständig durchdringen.
Eine Totholzhecke (Benjehshecke) ist besonders praktisch. Für eine Totholzhecke schlagen Sie zunächst zwei Reihen stabiler Pfähle in den Boden. Dazwischen können Sie Äste, Reisig und Stämme unterschiedlicher Dicke aufschichten. Legen Sie die dicksten Stämme und Äste nach unten, dünnes Reisig und Zweige kommen darüber. Die Pfähle sollten etwa 1 m voneinander entfernt sein und fest im Boden stehen. Zwischen den beiden Reihen bleibt ein Abstand von ungefähr 50 bis 60 cm. Das ist später die Breite der Hecke. Durch die Verrottung sinkt sie langsam zusammen und kann immer wieder ergänzt werden. So lässt sich viel Schnittgut sinnvoll verwerten.
Foto: Christine Kuchem/Adobe Stock
Totholzhecken sind eine tolle Möglichkeit, anfallendes Schnittgut zu verwerten.
Beachten Sie in Kleingartenanlagen die ggf. geltenden Regeln, beispielsweise zu Grenzabständen und zur Größe von Totholzhecken.
Woher bekommen?
Obstbaum- und Strauchschnitt, abgestorbene Äste oder Baumstämme eignen sich hervorragend. Geeignetes Holz finden Sie häufig auch außerhalb des eigenen Gartens – und das meist kostengünstig. Baumpflegebetriebe, Grünflächenämter oder Gartennachbarn geben Stämme und größere Äste häufig gerne ab – manchmal sogar kostenlos. Bitte entnehmen Sie keinesfalls Totholz aus Wäldern oder anderen natürlichen Lebensräumen.
Ungeeignet sind behandeltes, lackiertes oder imprägniertes Holz sowie Holz mit Kunststoff- oder Metallresten, da es Schadstoffe enthalten oder Tiere verletzen kann.
Ruhe bewahren
Das Wichtigste, was Totholz braucht, ist Zeit und Ruhe. Viele Holzarten benötigen Jahre oder sogar Jahrzehnte zur vollständigen Zersetzung. Auch Käfer, Wildbienen und andere Tiere ziehen nicht von heute auf morgen ein. Lassen Sie das Totholz deshalb möglichst lange ungestört.
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Singdrossel auf Totholzhaufen
Keine Angst vor Schädlingen
Die Angst vor Schädlingen ist unbegründet. Im Gegenteil: Totholz fördert zahlreiche Nützlinge und natürliche Gegenspieler potenzieller Schädlinge. Die überwiegende Mehrheit der Totholzbewohner und holzzersetzenden Pilzarten lebt ausschließlich von bereits abgestorbenem Holz und greift keine gesunden, lebenden Bäume an. Frisches, von bestimmten Schädlingen oder ansteckenden Pflanzenkrankheiten befallenes Schnittgut sollte allerdings nicht in eine Totholzhecke eingebracht werden.
Ein Gewinn für jeden Garten
Aus vermeintlichem Gartenabfall können Sie mit wenig Aufwand einen wertvollen Lebensraum schaffen. Ein Baumstumpf, eine Wurzel, ein Asthaufen oder eine Totholzhecke bringen Leben in den Garten, fördern die Artenvielfalt und fügen sich natürlich in das Gesamtbild ein. Kaum eine andere Naturschutzmaßnahme ist so einfach, günstig und wirkungsvoll wie Totholz im Garten.
Totholzhecken begrünen
Totholzhecken zu begrünen sieht nicht nur toll aus. Wildbienen, aber auch erwachsene Käfer, stehen auf Pollen und Nektar heimischer Stauden. Also wieder eine Win-win-Situation für Mensch und Tier.
Steht die Totholzhecke im Schatten, eignen sich Kriechender Günsel, Ausdauerndes Silberblatt, Roter Fingerhut, Nesselblättrige Glockenblume, Weiße Taubnessel oder Klebriger Salbei. Für Sonne und Halbschatten empfehlen sich Königskerze, Johanniskraut, Acker-Glockenblume, Berg-Steinkraut, Wilde Malve, Wilde Möhre, Gelbe Resede, Polei-Minze, Blutweiderich, Wiesensalbei, Echter Eibisch und Leinkraut.
Annie Stamm-Grossjohann
Mitarbeiterin für Gartenfachberatung beim
Landesverband Berlin der Gartenfreunde









