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Vielfältige Marienkäfer

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Siebenpunkt-MarienkäferFoto: Anna/Adobe Stock Siebenpunkt-Marienkäfer

Während manche Insekten einen zweifelhaften Ruf genießen, sind die kleinen bunten Marienkäfer Sympathieträger. Das liegt zum einen an ihren meist mit hübschen Punkten ausgestatteten farbigen Flügeldecken bei halbkugeliger Gestalt mit kurzen Beinchen, zum anderen am Appetit vieler Arten auf Blattläuse oder Blattflöhe. So sind sie für uns gern gesehene Nützlinge im Garten – echte Glückskäfer eben. Und das, obwohl sie zudringliche Sympathiebekundungen mit Reflexbluten quittieren und ein übelriechendes gelbes Abwehrsekret absondern. Die grelle Farbe weist Fressfeinde zusätzlich darauf hin, dass Marienkäfer nicht gut schmecken.

Riesige Vielfalt

In Mitteleuropa gibt es etwa 80 Ar­ten von Marienkäfern von 1–9 mm Länge, weltweit um die 6000. Ihre gute Flugfähigkeit lässt sie schnell neue Lebensräume erschließen. Am bekanntesten ist sicher der Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata). Er ist groß und auffällig, mit sieben Punkten auf roten Flügeldecken und schwarz-weißem Kopf und Halsschild. Genauso wie seine bunten Larven frisst er Blattläuse, und das nicht zu knapp: Während ihrer Entwicklungszeit schafft es die Larve auf um die 400 Beutetiere, wobei sie aber auch vor Kannibalismus nicht zurückschreckt, der unter Marienkäfern sehr verbreitet ist.

Larve des Siebenpunkt-MarienkäfersFoto: Henrik Larsson/Adobe Stock Larve des Siebenpunkt-Marienkäfers

Der Siebenpunkt leidet deutlich unter dem eingeschleppten Asiatischen Marienkäfer (Harmonia axyridis), der einen noch größeren Appetit auf Blattläuse hat, aber auch Eier, Larven und Puppen ande­rer Marienkäfer nicht verschmäht und zu­dem Parasiten mitgebracht hat, die hei­mi­schen Arten gefährlich werden. Die Bestände des Siebenpunkts haben sich im Gegensatz zu denen des Zweipunkt-Marienkäfers (Adalia bipunctata) aber etwas erholt.

Reflexbluten beim Asiatischen MarienkäferFoto: Schwarzer Reflexbluten beim Asiatischen Marienkäfer

Nicht jede Blattlaus mundet

Blattlausfressende Marienkäfer legen ihre weißen oder gelben Eier einzeln oder in Gelegen in der Nähe von Kolonien ihrer Beutetiere ab. Die Larven müssen sich dreimal häuten und verpuppen sich dann an der Pflanze. Das Überwinterungsstadium ist der erwachsene Käfer, dieser verbringt den Winter im Laub oder in Hohlräumen, gern auch in größeren Gruppen. Auf der Suche nach einem geschützten Platz dringen die Tiere im Herbst oft auch in Häuser ein.

Obwohl Blattläuse an sich eine völlig wehrlose Beute darstellen, sind nicht alle Arten für jeden Marienkäfer gut bekömmlich. Die Schwarze Holunderblattlaus ist zum Beispiel für den Siebenpunkt giftig, sodass er sich schlecht entwickelt oder sogar stirbt, wenn er sie aus Nahrungsmangel fressen muss. Der Zehnpunkt-Marienkäfer (Adalia decempunctata) und der Zweipunkt vertragen sie gut, haben jedoch in der Wickenblattlaus ihren Meister gefunden, wohingegen der Siebenpunkt diese wie­derum unbeschadet fressen kann.

Spannende Spezialisten

Viele Marienkäferarten sind auf bestimmte Lebensräume und Beutetiere angewiesen. Der Augenfleck-Marienkäfer (Anatis ocellata, auch Augen-Marienkäfer) lebt auf Nadelgehölzen und frisst die dort vorkommenden Läuse, aber auch Blattwespenlarven und Raupen von Schmetterlingen. Hier tummelt sich auch der Vierfleckige Kugelma­rienkäfer (Brumus quadripustulatus, auch Vierfleckiger Schildlaus-Marienkäfer), der Blatt- und Schildläuse vertilgt.

Der Vierzehnpunkt-Marienkäfer (Cal­via quatuordecimguttata, auch Blattfloh-Marienkäfer) vertilgt neben Blattläusen gern Blattflöhe.

Eher untypisch und winzig klein sind die Zwergmarienkäfer (u.a. Scymnus), die nur 1–2 mm lang werden. Nicht alle Arten dieser Marienkäfer-Gruppe sind gepunktet und einige sogar behaart. Die Winzlinge jagen Schild- und Blattläuse, können wegen ihrer geringen Größe aber sogar von Spinnmilben satt werden. Ihre Larven sind weiß und mit wachsartigen, wolligen Ausscheidungen bedeckt, was sie verdächtig nach Wolllaus aussehen lässt. Ein weißer, winziger „Flokati“, der sich schnell fortbewegt anstatt träge herumzusitzen, ist aber rasch als Marienkäferlarve enttarnt.

Larve eines ZwergmarienkäfersFoto: Tobias Ostertag/Adobe Stock Gefräßiger Flokati: die Larve eines Zwergmarienkäfers

Mehltau- oder Pflanzenfresser

Die Geschmäcker sind auch bei Marienkäfern verschieden, und so gibt es Arten, die sich von Schimmel oder Mehltau ernähren. Am häufigsten im Garten ist der 3–4,5 mm lange Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer (Psyllobora vigintiduopunctata, auch Pilz-Marienkäfer). Er ist knallgelb gezeichnet und übersät mit schwarzen Punkten, der Kopf kann dabei ebenfalls gelb oder weiß sein. Auch die Larve entspricht diesem Farbschema und ist somit leicht zu erkennen. Der Zweiundzwanzigpunkt findet sich rasch ein, sobald eine Pflanze vom Echten Mehltau befallen ist.

Auch der größere Sechzehnfleckige Marienkäfer (Halyzia sedecimguttata) futtert Mehltau und ist ausgesprochen dekorativ gezeichnet, seinen orangefarbenen Untergrund zie­ren weiße Flecken. Er überwintert gern unter Baumrinde.

Andere Arten sind da­gegen gänzlich vom Pfad der Tugend abgekommen und fressen lieber Pflanzen. Der Vierundzwanzigpunkt-Marienkäfer (Subcoccinella vigintiquatuorpunctata, auch Luzerne-Marienkäfer) kaut Löcher in die Blattoberseite und kann in der Landwirtschaft Schaden anrichten, im Garten aber kaum.

Gegenspieler der Glückskäfer

So unnahbar sich die mit widerlichem Sekret als Geheimwaffe ausgestatteten kunterbunten Krabbler auch geben, selbst Marienkäfer haben Feinde. Der Waldwächter, eine räuberische Baumwanze, lässt sich sogar den Asiatischen Marienkäfer schmecken, ist im Garten aber selten zu beobachten. Feldwespen knabbern die wehrlos festsitzenden Puppen an.

Sumpfkrabbenspinne erbeutet Asiatischen MarienkäferFoto: Schwarzer Eine Sumpfkrabbenspinne hat einen Asiatischen Marienkäfer erbeutet.

Ein winziger, aber wirkungsvoller Gegenspieler ist die Marienkäfer-Brackwespe, die ein Ei in den Käfer legt. Sie bevorzugt den Sieben-, Zwei- und Zehnpunkt-Marienkäfer, verschont aber auch den Asiatischen nicht. Der Parasit hat sogar einen Virus im Gepäck, der sich in der Wespenlarve vermehrt und am Ende das Nervensystem des befallenen Käfers angreift. So kann er nicht mehr weglaufen, die Larve kann in Ruhe den Wirt verlassen und sich unter ihm verpuppen.

MarienkäferpilzFoto: Schwarzer

Mikroskopisch klein und tückisch ist der Marienkäferpilz (Hesperomyces, Foto oben.). Er äußert sich in gelben Auswüchsen auf den Flügeldecken, vor allem beim Asiatischen Marienkäfer, und kann seinen Wirt töten. Er wird bei der Paarung leicht übertragen.
 

Beobachtungstipps

Marienkäfer sind nicht scheu und leicht aus der Nähe zu betrachten. Wenn Sie Blattläuse im Garten tolerieren, lassen sich die Käfer erst die Beute schmecken und paaren sich dann in der Nähe. Aus den Eiern schlüpfen bizarre Larven. Meist sind sie bei schwarzer Grundfarbe gelb, weiß oder orange gefleckt. Nach der Verpuppung auf der Pflanze können Sie mit ein bisschen Glück den Schlupf des Käfers erleben. Ein pestizidfreier Garten mit heimischen Pflanzen für die oft spezialisierte Beute und ein wenig Mehltau an den Pflanzen fördert eine ganze Reihe von Marienkäferarten.


Elke Schwarzer,
Diplom-Biologin

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