• Kleingartenwesen

Es geht auch ohne!

Schlagworte zu diesem Artikel:
  • Pflanzenschutzmittel
  • Herbizide
  • Fungizide
  • Insektizide
  • Alternativen
  • Risiken

Nach Alternativen suchenFoto: Valerii Honcharuk/Adobe Stock

Zuallererst möchte ich den Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern ein Lob aussprechen. Auch wenn noch auf einigen Parzellen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, ist der Gebrauch in vielen Vereinen nicht nur verpönt, sondern durch interne Regelwerke verboten bzw. stark reguliert – vor einigen Jahrzehnten war dies noch undenkbar. Aber auch dort, wo Herbizide, Fungizide, Insektizide und Co. noch eingesetzt werden (dürfen), stellt sich die Frage, ob man hier lieber auf Alternativen setzen sollte, um seine Pflanzen zu schützen.

Umfassende Regeln

Die Zulassung und Anwendung von Pflanzenschutzmitteln ist umfassend geregelt, etwa durch das Pflanzenschutzgesetz und europäische Rechtsvorschriften. Auf EU-Ebene werden die Wirkstoffe genehmigt, die Mitgliedsstaaten sind für die Zulassung der Produkte verantwortlich. Diese enthalten weitere Substanzen, wie Lösemittel, Antioxidantien und Schaumverhinderer, außerdem können noch Mittel ergänzt werden, die den Wirkstoff in seiner Wirkung beeinflussen. Zulassungsstelle in Deutschland ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das auf Grundlage zahlreicher Bewertungsberichte ein Mittel meist für zehn Jahre genehmigt.

Bei der Verwendung gilt es immer, „die gute fachliche Praxis“ zu beachten. Das beinhaltet eine umfängliche Kenntnis zum Mittel, etwa zu Anwendungsmenge, -zeitraum, Art des Ausbringens oder der Lagerung. Sie umfasst auch, dass man erst versuchen sollte, Pflanzenschäden ohne Pflanzenschutzmittel zu bekämpfen.

Restliche Risiken

Trotz dieser umfassenden Regelungen bleiben Risiken bestehen. Darunter sind Anwendungsfehler, wie die Ausbringung über falsche Geräte, bei ungünstigem Wetter und/oder in falscher Konzentration. Die Folge ist oft Abdrift, die Mittel landen also an Orten, wo diese gar nicht landen sollen oder dürfen, z.B. in Schutzge­bieten.

Gewässer leiden stark darunter, da viele Mittel ausschließlich für den Gebrauch an Land hergestellt werden und Wasserorganismen deutlich stärker schädigen. Bei Überdosierung ist im besonderen Ausmaß mit nachhaltigen Schäden für Böden und Grundwasser zu rechnen. Sind die Karenzzeiten – also die Zeit, die ein Wirkstoff benötigt, um „unschädlich“ zu werden –, nicht berücksichtigt, landet er sogar mit der Ernte bei uns auf dem Teller.

Was kaum im Prüfverfahren berücksichtigt wird, sind Kombinationen verschiedener Wirkstoffe. Im Kleingarten wird dies meist gefährlich, wenn Sie z.B. ein Insektizid verwenden und Ihr Nachbar ein Fungizid, was glücklicherweise nur extrem selten vorkommt. Durch Abdrift kann dann eine ungewollte Mischung entstehen. Hierzu gibt es Studien, die z.B. aufzeigen, dass ein korrekt verwendetes Insektizid in Einzelanwendung in Kombination mit einem anderen Mittel auf einmal starke unerwartete Auswirkungen hat.

Auf Pflanzenschutzmittel verzichtenFoto: saiyood/Adobe Stock

Eine weitere besorgniserregende Tatsache in Prüfverfahren ist, dass bei ihnen nicht sämtliche Tierarten untersucht werden können. Somit wird nur eine Regenwurm-Art auf Schäden untersucht, die anderen ca. 45 verschiedenen Arten, die es in Deutschland gibt und die sensibler sein könnten, spielen keine Rolle. Das gilt auch für weitere Tiergruppen, denn es gibt einfach zu viele Arten, um sie alle zu prüfen.

Und: Die Prüfungen können keine langjährigen Praxisanwendungen mit all den unterschiedlichen Böden und Grundwasserständen sowie vielen standortspezifischen Bedingungen abdecken, weshalb es immer wieder zu überraschenden Nachweisen von Rückständen kommt. Meist werden diese als Anwendungsfehler abgetan, doch einen Nachweis dafür gibt es selten.

Besser verzichten

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Pflanzenschutzmittel Risiken beinhalten können – für Pflanzen, Tiere und selbstverständlich auch uns Menschen. Immer wieder mussten Wirkstoffe verboten werden, die zuvor als unbedenklich galten.

Daher ist ihr Einsatz immer bedenklich und sie sollten, wenn überhaupt, nur von Profis verwendet werden, die hauptberuflich unsere Nahrungsgrundlagen produzieren. Ich bin überzeugt davon, dass wir im Kleingarten keine Pflanzenschutzmittel brauchen, um unserem schönen Hobby nachzugehen!

Joschka Meyer
Landesfachberater des Landesbundes
der Gartenfreunde in Hamburg

 

 

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