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  • Natur des Jahres 2013

Wildbiene des Jahres 2013: die Zweifarbige Schneckenhausbiene

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  • Wildbienen
  • Zweifarbige Schneckenhausbiene

Das Tier, der Vogel, der Pilz, das Insekt des Jahres und, und … Hat es da auch noch der Wildbiene des Jahres bedurft? Wir meinen ja, denn Wildbienen spielen im Naturhaushalt eine Schlüsselrolle. Sie sorgen gemeinsam mit der Honigbiene wie keine anderen Insekten für die Bestäubung unserer Wild- und Kulturpflanzen.

Viele Wildbienen sind heute in hohem Maße bedroht, weil ihre Lebensräume vielfach verloren ge­gangen sind und Pestizide in der Landwirtschaft zu erheblichen Be­standsverlusten geführt haben.

Wildbienen gehören trotz ihrer hohen Artenzahl von über 500 allein in Deutschland zu den weithin unbekannten Wesen unserer Tier­welt. Das soll sich ändern!


Wildbiene des Jahres 2013Foto: Bellmann Die Zweifar­bi­ge Schne­ckenhausbiene ist deutlich zweifarbig: Kopf- und Brustteil sind schwarz, der Hinterleib ist leuchtend rostrot gefärbt.


Mit der „Wildbiene des Jahres“ machen der Ar­beits­kreis Wildbienen-Kataster am Stuttgarter Naturkundemuseum und die Landesanstalt für Bienen­kunde sowie die Imker­ver­bände Badens und Würt­tem­bergs auf das Schicksal einer Art aufmerksam, deren Lebens­wei­se besonders spannend und die auch für Laien gut zu erkennen ist.


Lebensweise

Der Nestbau der Zweifar­bi­gen Schne­ckenhausbiene (Osmia bicolor) ist ausge­spro­chen span­nend. Die Weibchen su­chen ab März/April leere Schne­ckenhäuser und tragen hier Pollen und Nektar ein, um darauf ein Ei abzulegen. Sie füllen dann den restlichen Hohlraum des Gehäuses mit Steinchen aus und ver­schließen das Nest mit einem Pfropf aus zerkauten Pflanzen­blät­tern.

Schließlich tarnen sie ihr „Fertighaus“ mit Grashalmen oder den Nadeln von Bäumen – eine bei Wildbienen einzigartige Brutfürsorge. Nach Versorgung von etwa fünf bis sieben Nestern stirbt das Weibchen. In den Schneckenhäusern wachsen die Larven heran, und die nächste Generation schlüpft im kommenden Frühjahr.


Hilfe für die Zweifarbige Schneckenhausbiene

Um unserer Wildbiene des Jahres zu helfen, gilt es ihre Ansprüche an den Lebensraum zu erfüllen. Im Augenblick kommt Osmia bicolor noch vielerorts vor und ist nicht gefährdet. Dennoch leidet sie wie alle Blütenbesucher an der voranschreitenden Verarmung unserer Umwelt. „Blühende Land­schaf­ten“ sind heute zur Seltenheit ge­worden.

Die Zweifarbige Schnecken­haus­biene sammelt Pollen und Nektar an vielen unterschiedlichen Pflanzenarten. Sorgen wir also für ein reiches Blütenangebot, indem wir in Absprache mit Land­wir­ten Blüh­flächen in der Feldflur anlegen oder in den Siedlungen aus Rasen­flä­chen Blumenwiesen machen.

Entscheidend ist dabei, dass heimische Pflanzenarten ausgesät wer­den, denn sie liefern die pas­sen­de Nahrung, die Pflanzenarten von anderen Kontinenten oft nicht zu bieten haben!


Fertighaus gesucht!

Fertighäuser sind gefragt, und zwar bezugsfertig! Wenn wir leere Schne­ckenhäuser sammeln (vorzugsweise mit einem Durchmesser von 2 bis 3 cm) und an einer offenen Bodenstelle auslegen, bie­ten wir unserer Wildbiene des Jah­res einen attraktiven Immobilienmarkt.


Und so sieht sie aus

Wie der wissenschaftliche Name schon sagt, ist unsere Wildbiene des Jahres deutlich zweifarbig. Kopf- und Brustteil sind bei Osmia bicolor schwarz, der Hinterleib da­gegen leuchtend rostrot gefärbt, einschließlich der bürstenartig be­haarten Bauchunterseite.

In dieser „Bauchbürste“ trägt das Weibchen den Blütenstaub in sein Nest. Die Weibchen sind etwa 1 cm groß, die Männchen kleiner und insgesamt blasser gefärbt.


Auf der Suche nach Osmia bicolor

Die Zweifarbige Schneckenhausbiene ist in Baden-Württemberg weit verbreitet, spart aber den Schwarzwald, Teile der Schwäbischen Alb und Oberschwabens aus. Nach dem bisherigen Kennt­nis­stand ist sie in Deutschland mit Ausnahme von Schleswig-Holstein noch überall vorhanden.

Dieses Verbreitungsbild ist sicher noch lückenhaft. Helfen Sie mit, diese Lücken zu schließen, und machen Sie sich in den Monaten März bis Juni auf die Suche nach unserer Wildbiene des Jahres!

Schauen Sie an blütenreichen Stellen, ob Sie die muntere Schne­cken­hausbewohnerin finden – auch und gerade in den Siedlungen. Wenn Sie Osmia bicolor finden, melden Sie sie bitte unter: www.wildbienen-kataster.de


Weitere Informationen gibt es im Internet unter: