- Gut zu wissen
Gesund gärtnern
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Gartenarbeit macht glücklich, hält fit und verbindet mit der Natur. Doch wer stundenlang hackt, hebt und hockt oder vergisst, die Mittagssonne zu meiden, riskiert mehr als bloß Muskelkater. Von Zeckenstichen über phototoxische Pflanzen bis hin zu Hitzschlag – wir zeigen, wie Sie sich schützen, um lange gesund gärtnern zu können.
Der häufigste Gartenschmerz
Stundenlang gebückt jäten, schwere Säcke Blumenerde schleppen, einseitige Bewegungen – das sind die häufigsten Ursachen für Rückenprobleme im Kleingarten.
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Bevor Sie loslegen, bereiten Sie Ihre Muskeln und Gelenke auf die Belastung vor. Bereits fünf Minuten lockere Bewegungen reichen dafür: Schultern kreisen, Arme strecken, ein paar Schritte gehen. Starten Sie mit leichten Tätigkeiten.
Haltung wechseln: Am besten wechseln Sie spätestens alle 20 Minuten die Körperhaltung. Wer nach dem Jäten aufrecht Äste schneidet oder Abfälle wegträgt, entlastet die Wirbelsäule und beugt Verspannungen vor.
Richtig heben: Wenn Sie schwere Lasten heben, halten Sie Ihre Wirbelsäule in ihrer natürlichen S-Form. Arbeiten Sie aus den Beinen heraus und führen Sie die Last nah am Körper. Besonders schwere Gegenstände lieber rollen oder ziehen – oder eine zweite Person um Hilfe bitte. Erde, Abfall oder Pflanzkübel lassen sich gut per Schubkarre, Bollerwagen, Sackkarre oder Rollbrett transportieren.
Zum Körper passende Geräte
Höhenverstellbare Teleskopstiele bei Spaten, Rechen oder Besen ermöglichen eine aufrechte Arbeitshaltung, und Sie müssen sich weniger bücken. Ein S-förmiger Stiel sorgt für einen besseren Krafthebel. Gepolsterte Unterlagen oder ein Gartenhocker schonen die Knie und Rücken beim Jäten.
An Hochbeeten und Pflanztischen können Sie sogar im Stehen oder Sitzen gärtnern – falls Sie Knie- oder Rückenbeschwerden plagen.
Klein, lästig – und nicht ohne
Die Saison der Zecken beginnt mit dem Frühling. Die kleinen Spinnentiere lauern in feuchtem und hohem Gras. Mit ihrem Stich können sie Krankheiten übertragen, darunter Borreliose und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Im Jahr 2024 starben in Deutschland 24 Menschen an den Folgen eines Zeckenstiches, 15 Todesfälle waren auf eine Borreliose zurückzuführen und neun auf eine FSME, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes.
Fotos: Ralf Geithe; Daniel Berkmann/beide Adobe StockGegen FSME gibt es einen wirksamen Impfschutz. Vor allem in Mittel- und Süddeutschland ist das FSME-Risiko hoch. Ob Ihr Garten in einem Risikogebiet liegt, zeigt eine Karte auf https://bit.ly/zecken-risikogebiete. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung; hier ist das Vermeiden von Zeckenstichen umso wichtiger.
So machen Sie‘s richtig: Tragen Sie weite, lange und am besten helle Kleidung, auf der Zecken besser zu sehen sind. Insektenabweisende Mittel bieten etwas Schutz, allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum. Suchen Sie nach der Gartenarbeit Ihren Körper sorgfältig ab, besonders die Kniekehlen, Achseln und den Haaransatz. Zecken lassen sich mit einer spitzen Pinzette oder einem Zeckenentferner möglichst nah an der Haut fassen und herausziehen. Bitte nicht drehen oder quetschen! Beobachten Sie die Einstichstelle: Anzeichen für eine mögliche Borreliose-Infektion sind etwa eine ringförmige Hautrötung, die sich ausbreitet (sogenannte Wanderröte), sowie Fieber oder Kopfschmerzen. Bei diesen Anzeichen sollten Sie zum Arzt gehen.
Kleine Kratzer mit Risiko
Ein Dorn, eine Scherbe, ein rostiger Nagel – kleine Verletzungen gehören beim Gärtnern dazu. Über solche Wunden können Sie sich mit Tetanus, dem Wundstarrkrampf, infizieren. Die Tetanus-Bakterien leben in der Erde und können selbst durch winzige Hautverletzungen in den Körper gelangen. Der Erreger produziert ein Nervengift, das zu schweren Muskelkrämpfen führt und lebensbedrohlich sein kann. Jede tiefere oder verschmutzte Wunde sollten Sie sorgfältig desinfizieren und im Zweifel ärztlich versorgen lassen.
Vor Tetanus schützt zuverlässig eine Impfung. Die Ständige Impfkommission empfiehlt, sie alle zehn Jahre aufzufrischen.
Wenn die Sonne sticht
Wer im Hochsommer stundenlang im Beet arbeitet, setzt sich erheblicher UV-Strahlung und Hitze aus. UV-A- und UV-B-Strahlen schädigen die Haut langfristig: Sonnenbrand, vorzeitige Hautalterung und im schlimmsten Fall Hautkrebs können die Folge sein. Besonders Nasenrücken, Ohren, Nacken und Handrücken sind beim Gärtnern der Sonne ausgesetzt. Die Zahl der Hautkrebsfälle steigt stark an, schützen Sie sich daher gut:
Schatten nutzen: Zwischen 11 und 15 Uhr ist die UV-Strahlung am stärksten. Gönnen Sie sich in dieser Zeit eine Pause im Schatten oder verlegen Sie intensive Arbeiten in den Morgen oder Abend.
Bedeckende Kleidung tragen: Leichte, langärmelige Kleidung aus Baumwolle oder Leinen, lange Hose und ein breitkrempiger Hut, ein Tuch oder eine Kappe sind ein einfacher Sonnenschutz. Sie bieten aber nur einen geringen Lichtschutzfaktor (LSF) von ca. 5–15, dicht gewebte Stoffe bis etwa LSF 20. Spezielle UV-Schutzkleidung schützt noch besser (Kennzeichnung: UPF 40+ oder EN 13758-2).
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Gönnen Sie Ihrem Körper zwischen den Gartenarbeiten Erholungspausen.
Sonnencreme auftragen: Freie Hautstellen großzügig mit Sonnenschutzmittel (Lichtschutzfaktor 30 oder höher) eincremen – und alle zwei Stunden sowie nach dem Schwitzen neu auftragen.
Sonnenbrille tragen: UV-Schutzgläser schützen die Augen vor Hornhautentzündung und grauem Star.
Viel trinken: Bei Hitze mindestens 1,5 bis 2 l Wasser oder ungesüßte Tees pro Tag – auch wenn Sie kein Durstgefühl haben.
Viel Obst und Gemüse essen: Aprikosen, Birnen, Paprika, Karotten oder Tomaten enthalten Betacarotin, das stärkt den Eigenschutz Ihrer Haut, und Sie bekommen seltener Sonnenbrand.
Verwirrtheit, Schwindel, heiße, trockene Haut, hohes Fieber sind Anzeichen für einen Hitzschlag und ein Notfall. Sofort in den Schatten, kühlen und den Notruf 112 wählen.
Phototoxische Pflanzen
Tückisch ist der Umgang mit phototoxischen Pflanzen. Ihr Pflanzensaft enthält u.a. Furanocumarine, so kann das Berühren der Pflanze zu gefährlichen Hautreaktionen führen, wie Rötungen, brennendem Juckreiz, Schwellungen und Blasenbildung. Vor allem in Verbindung mit Sonnenlicht treten diese phototoxischen Reaktionen auf.
Bekannt dafür sind etwa Riesenbärenklau (Herkulesstaude), Wilde Möhre, Dill, Sellerie, Petersilie und Wiesenbärenklau.
Handschuhe tragen und Hautkontakt vermeiden schützt vor den Hautreizungen. Haben Sie doch einmal Pflanzensäfte auf die Haut bekommen, waschen Sie diese sofort ab und schützen Sie die betroffenen Stellen vor Sonnenlicht.
Giftpflanzen, Stiche und Bisse
Im Kleingarten wachsen mitunter Pflanzen, deren Säfte, Beeren oder Blätter giftig sind – etwa Herbstzeitlose, Goldregen oder Maiglöckchen. Kinder und Haustiere sind hier besonders gefährdet. Warnen Sie Ihre Kinder und waschen Sie nach der Gartenarbeit immer gründlich Ihre Hände, besonders vor dem Essen.
Foto: anatchant/Adobe StockAuch Stiche u.a. von Bienen, Wespen und Hornissen gehören zur Gartensaison. Für die meisten Menschen sind sie zwar schmerzhaft, aber ungefährlich.
Das Wichtigste, wenn Sie gestochen wurden: nicht kratzen! Sonst dringen Bakterien oder Schmutzpartikel in die Wunde ein, was zu Entzündungen/Schwellungen führt. Bienenstachel sollten Sie rasch entfernen. Kühlen Sie die Einstichstelle mit Eiswürfeln, Kühlakkus oder Speichel. Die Kälte hilft gegen Schwellung und Juckreiz. Auch der Saft von ein paar zerriebenen Spitzwegerichblättern oder eine aufgeschnittene Zwiebel helfen hier.
Haben Sie kein Wundspray zur Hand, desinfizieren Sie die Stichwunde mit Zitronensaft oder Essigwasser. Bei Insektenstichen hilft auch ein Stichheiler. Der kleine Stift erwärmt die Haut punktuell. Dadurch gerinnt das Eiweiß, das im Insektengift enthalten ist – und das Jucken hat ein Ende. Alternativ erhitzen Sie einen Löffel in einer Tasse mit heißem Wasser und drücken ihn auf den Stich, achten Sie auf die richtige Temperatur.
Foto: creativenature.nl/Adobe StockBeim Umschichten von Komposthaufen, Holzstapeln oder beim Laubabräumen besteht zudem ein erhöhtes Risiko für eine Hantavirus-Infektion. Rötelmäuse können das Virus über Urin, Kot und Speichel übertragen. Tragen Sie Schutzhandschuhe und beim Aufwirbeln von Staub eine Atemschutzmaske (FFP2). Treten nach solchen Arbeiten Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen auf, gehen Sie sofort zum Arzt und weisen Sie auf eine mögliche Hantavirus-Ansteckung hin.
Der unterschätzte Schutzschild
Gute Schutzkleidung ist keine Frage des Stils, sondern des Verstandes. Ein breiter Sonnenhut schützt Gesicht, Nacken und Ohren vor Sonne. Lange, leichte Hosen und Hemden halten Zecken und phototoxische Pflanzensäfte von der Haut fern. Feste, geschlossene Schuhe oder Gartenstiefel schützen Zehen und Fußsohlen vor Schnittverletzungen und Dornen.
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Zweite Haut: Mit Handschuhen können Ihnen Dornen nichts anhaben.
Besonders wichtig sind Schutzhandschuhe: Handverletzungen gehören im Garten zu den häufigsten Unfallfolgen. Die Wahl des richtigen Handschuhs hängt von der Tätigkeit ab. Für Rosen- und Heckenschnitt empfehlen sich Lederhandschuhe mit langen Stulpen, die auch die Unterarme schützen. Beim Umgang mit Flüssigdüngern oder beim Kompostieren sind Nitril- oder Latexhandschuhe die richtige Wahl. Für allgemeine Gartenarbeiten reichen robuste Baumwoll-Arbeitshandschuhe. Wichtig: Handschuhe sollten gut sitzen – zu lockere Handschuhe schränken die Beweglichkeit ein und erhöhen das Verletzungsrisiko.
Nach der Gartenarbeit Kleidung wechseln und Hände gründlich waschen – das schützt zuverlässig vor dem unbeabsichtigten Kontakt mit Pflanzengiften, Erregern und allergenen Stoffen.
Roman Seifert
Redaktion „Gartenfreund“,
Verlag W. Wächter









