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Thema: "Lehmboden" Von wegen Nutzgarten....  (Gelesen 8921 mal)

MarionB

  • Gast
"Lehmboden" Von wegen Nutzgarten....
« am: 02. Januar 2008, 13:19:00 »
Hallo,

wir haben unseren Garten seit 2004. Im Winter (leider) gekauft.
Leider konnten wir damals nicht sehen, das der Garten nur aus festem Lehmboden besteht. Die Vorpächter und der Vorstand hat uns darauf nicht aufmerksam gemacht. Ich frage mich, wie soll man Lehmboden bearbeiten? Wie sollen wir daraus einen Nutzgarten bekommen, wenn wir noch nicht etwas einpflanzen können? Wir haben nicht das Geld, Mutterboden kommen zu lassen, damit wir endlich unseren Garten wie alle anderen auch nutzen können und Freude daran haben.
Ich habe einmal versucht, Wurzeln zu pflanzen, danach musste ich die Wurzeln mit einem Preßlufthammer bearbeiten, damit ich überhaupt an die Wurzel herankam, die stecken jetzt noch im Lehmboden fest(verankert!)

Unser Garten liegt in Bremen-Woltmershausen.
Vom Vorstand fühlen wir uns im Stich gelassen und wir bezahlen viel zu viel Pachtgebühren für einen Garten, den man nicht nutzen kann.

Wer hat einen Rat?

Mit freundlichen Grüßen

MarionB

Hans

  • Gast
Re : "Lehmboden" Von wegen Nutzgarten....
« Antwort #1 am: 02. Januar 2008, 16:16:00 »
Hallo Marion,

Eure Enttäuschung kann ich verstehen - Lehmboden läßt sich nur
schwer bearbeiten. Der Vorstand hätte fairerweise vor Übernahme darauf hinweisen können. Allerdings ist der Vorstand nicht verantwortlich für die Beschaffenheit des Bodens. Damit könnt Ihr keine finanziellen Forderungen stellen. Der Vorgänger hat den Garten nicht intensiv genug bearbeitet, denn sonst wäre ein sehr fruchtbarer ertragreicher Gartenboden daraus geworden. Schaut mal in die Nachbargärten rein. Da werdet Ihr das bestätigt finden. Mein Vorschlag: Jetzt - im Winter - erst mal kalken. Im Frühjahr dann, wenn der Boden genügend abgetrocknet ist, grubbern und dabei gesiebten Kompost einbringen. Dann die Beete bereiten und einsäen. Auf Wurzelgemüse werdet Ihr im ersten Jahr aber noch verzichten müssen. Gut könnten Kartoffeln gedeihen. Diese Kultur macht auch den Boden locker - vor allen Dingen, wenn man beim Legen der Knollen Mist in die Furche bringt. Auch Kohlgemüse dürften gut werden. Im Herbst dann tief umgraben und reichlich! organische Stoffe mit einbringen. Den Boden im Winter grobschollig liegen und ausfrieren lassen. Dann wird es im 2. Jahr schon besser gehen. Das ist es was man kleingärtnerische Betätigung nennt. Dafür war sich der Vorgänger offensichtlich zu schade. Und noch eins: Guter freundlicher Kontakt über den Gartenzaun hat fast immer guten freundschaftlichen Rat und Hilfe zur Folge. Das sollte sich mancher hinter die Ohren schreiben. Daran hat es offensichtlich auch gefehlt. Ein Garten erfordert viel Schweiß ehe man den Erfolg einfahren kann. Aber die Freude über das Erreichte wiegt am Ende viele Mühsal auf. Gebt nicht auf, dann werdet Ihr auch Erfolg haben.

viele Grüße von

Hans

MarionB

  • Gast
Hans
« Antwort #2 am: 02. Januar 2008, 16:25:00 »
Hallo Hans,

vielen Dank für die wertvollen Tipps, das werden wir versuchen.

Der Umgang über dem Gartenzaun ist Gott sei Dank freundlich, aber deren Tipp lautet, "Mutterboden auffahren, das haben wir auch machen müssen". Tja, wenn man genug Geld zur Verfügung hat, könnte man es machen..., denn vor 20 Jahren war es noch nicht teuer, was jetzt alles anders ist.

Liebe Grüße aus Delmdattel


Hans

  • Gast
Re : Hans
« Antwort #3 am: 02. Januar 2008, 17:10:00 »
Hallo nochmal, Marion

Vielleicht noch etwas mehr dazu.
Der beste und preiswerteste Kalk für diesen Zweck ist Baukalk.
Mutterboden ist gut und schön - aber das Ganze ist nicht billig.
Das Beste, weil total kostenlos, ist immer noch der selbst hergestellte Kompost. Macht ein bißchen Arbeit, aber dazu hat man ja den Garten. Ich kompostiere nicht nur alles was im Garten so anfällt - ich besorge mir laufend noch zusätzlich kompostierfähiges Material was andere aus allen möglichen Gründen nicht haben wollen:
Grasschnitt, jede Menge verschiedenartiges Laub, Baum- und Strauchschnitt (wird gehäckselt - inklusive der Weihnachtsbäume aus der Nachbarschaft). Dazu kommen die Küchenabfälle und der Inhalt der Kompost - Toilette.
Alles wird gut vermischt - und ab und zu kommt noch etwas Kalk dazwischen. Umgesetzt wird im zeitigen Frühjahr und im Herbst. Der Fertigkompost wird nicht gesiebt - nur ausgelesen. Ich siebe nur soviel Kompost wie ich für meine Anzuchtschalen und -beete brauche. Alles andere wird untergegrubbert.
Eine gute Investition in Eurem Fall wäre auch Stallmist - direkt vom Bauern. Wenn über den Verein oder von mehreren Gartenfreunden organisiert und bestellt, kann die Fuhre nicht groß genug sein - und dann wird er preiswert.
Wenn der Lehm sehr schwer (tonig) ist, kann man auch Sand mit untermischen, sofern man ihn preiswert heranbekommt.
Ich wünsche Euch Erfolg

Hans

chris_hb

  • Gast
Re : "Lehmboden" Von wegen Nutzgarten....
« Antwort #4 am: 06. Januar 2008, 11:55:00 »
Das Problem mit dem Lehmboden kenne ich aus meinem Garten in Walle, die Vorpächter hatten auf Gemüseanbau vollständig verzichtet und ließen alles mit Weiden, Brombeeren und Ebereschen zuwachsen um möglichst wenig Fläche mähen zu müssen.
Bei den Rodungsarbeiten habe ich so einiges quasi mit der Axt umgebraben, der Lehm war so zäh, daß sogar mal ein Spatenstiel durchrach.
Aber jetzt im Herbst war der Boden schon etwas lockerer.
Neben dem Kalken kamen als Erstplanzen Bohnen und Erbsen herein, die aber nur da gediehen, wo ich etwas Blumenerde (die billigste aus dem Supermarkt)mit den Setzlingen in den Lehm gab. Wegen der diesjährigen Schneckenplage musste ich Bohnen und Erbsen in dutzenden Töpfen auf dem Biertisch vorziehen ;-)
Das ganze Kraut habe ich dann nach der Ernte mit untergebuddelt.
Diesmal blieb der Spatenstiel ganz... Der Boden ist tatsächlich etwas lockerer geworden und sieht auch nicht mehr so entsetzlich grau aus, allmählich scheint er den dunklen Farbton von "Mutterboden" anzunehmen.
Auf den Flächen, in denen ich in diesem Jahr keinen Kohl pflanzen will, habe ich Gelbsenf als Gründünger gesäht, der bildet angeblich recht tiefgehende Pfahlwurzeln und lockert so den Boden auf und bringt humusbildende Biomasse ein. Was der Gelbsenf in Kombinantion mit dem winterlichen Frost bewirkt, werde ich hoffentlich im Frühjahr feststellen.

Die Flächen für Kohl wollte ich eigentlich mit Winterroggen gründüngen, war aber zu spät dran, der Saatguthändler in Bahnhofsnähe hatte keinen mehr.
Winterroggen hat den Vorteil, daß er als Getreideart mit keinen Gemüsepflanzen außer Mais verwandt ist, es also zu keiner Überschneidung des Nähstoffverbrauchs mit Folgepflanzen kommt und auch Krankheitserreger kaum eingebracht werden können, wie z.B. bei Hernie durch Gelbsenf.

Im Frühjahr sollte man, wie ich hörte, nach Untergraben der Gründüngung etwa 3 Wochen mit der Bepflanzung warten, damit die Biomasse erst etwas zerfallen kann.

Wünsche Euch jedenfalls alles Gute bei der Nutzbarmachung Eures Gartens.

 

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