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Naturnahes Gärtnern: An jeder Ecke eine Hecke

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LigusterheckeFoto: Breder Hecken aus den meisten heimischen Gehölzen, wie z.B. Liguster, vertragen auch im Alter noch einen kräftigen Rückschnitt.


Hecken gehören in jeden naturnahen Garten, nicht nur, weil sie Staub, Schmutz und Abgase aus der Luft filtern, sondern vor allem, da sie vielen Tie­ren einen Lebensraum bieten. Vom kleinen Nütz­lings-Insekt über Vögel bis hin zu Kleinsäugern – sie alle finden in den He­cken Nahrung und Unterschlupf. Insekten finden in den Blüten Nektar und im Gehölz einen sicheren Lebensraum, Vögel fressen die Früchte und bauen in manchen Hecken auch ihre Nester. Dabei ist Hecke nicht gleich Hecke, denn neben dem Schnitt entscheidet vor allem die Wahl der Pflanzenart darüber, ob eine Hecke naturnah ist.


Die richtigen Gehölze

Früher bestanden die Hecken aus heimischen Arten. Im Laufe der Zeit wurden sie von ge­biets­frem­den Gehölzen verdrängt. Der Trend des pflegeleichten Gärt­nerns brachte Lebensbäume, Zypressen, ser­bi­sche Fichten oder Kirschlorbeer in unsere Gärten. Diese Ge­höl­ze bieten den Tieren meist keine Früchte, und auch die Blüten sind nur selten eine Nahrungsquelle. Die Früchte des Kirsch­lor­beers (Pru­nus laurocerasus) fressen z.B. nur drei Vogelarten, an der hei­mi­schen Vogelkirsche (Prunus avium) bedienen sich dagegen 48 Vogelarten. Wenn Sie also kein ganzjähriges und lebloses Grün, son­dern eine naturnahe Hecke möchten, dann sollten Sie auf hei­mi­sche Gehölze zurückgreifen.


Frei wachsende Hecken

Frei wachsende HeckenFoto: Pixabay Neben den geschnittenen Hecken können frei wachsende Hecken einen wichtigen Beitrag zum ­Naturschutz leisten. Wo es der Platz zulässt, und das ist im Garten oft am Rand der Fall, können frei wachsende Hecken einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz leisten. Gerade hier eignen sich die heimischen Wildgehölze:

Das Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus) ist be­son­ders beliebt beim Rotkehlchen. Es trägt daher auch den Beinamen Rot­kehl­chen­brot, für viele andere Tiere und den Menschen sind die Früchte allerdings giftig.

Die Weide, von denen die Salweide (Salix caprea) auch trockene Standorte verträgt, gehört zu den wich­tigs­ten Bienennährgehölzen. Sie spendet am Ende des Winters reichlich Nektar und Pollen.

Der Sanddorn (Hippophae rhamnoides) gedeiht dagegen auf sehr nährstoffarmen Standorten. Der Strauch mit seinen vitaminreichen Früchten ist sehr wuchsfreudig.

Frühblüher sind die gelb blühende Kornelkirsche (Cornus mas), der Rote Hartriegel (Cornus sanguinea) und die Hasel­nuss (Corylus avellana). Bei der Hasel fallen aber die männlichen Kätzchen mehr auf als die roten weiblichen Blüten.

Wo der Platz es zulässt, sollte auch die Vogelbeere (Sorbus aucuparia) nicht fehlen – die Früchte der Sorte ‘Moravica’ sind auch gut für Konfitüren geeignet.

Ist ein Rückschnitt erforderlich, ist es besser die Gehölze in mehr­jäh­ri­gen Abständen in der Ve­ge­ta­tions­ru­he kräftig zurück­zu­schnei­den – wenn das möglich ist. Ein jährlicher Schnitt verhindert häufig die Blüte und damit die Fruchtbildung, Dabei sollten Sie das mit­un­ter kräftige Wachstum beachten: Weiden (Salix), Weißdorn (Cra­tae­gus), Hasel (Corylus) und auch die Wildrosen (Rosa) legen z.B. in einem Jahr auf dem richtigen Boden 0,5 m bis 1 m zu. Schlehen (Prunus spinosa) wachsen durch Wurzelausläufer kräftig in die Breite.


Geschnittene Hecken

Geschnittene Hecken z.B. aus Hain- oder Rotbuchen, sind neben niedri­gen Ge­höl­zen wie of­fen­blü­ti­gen Strauch­ro­sen oder Ber­be­rit­zen auch für kleine Gär­ten geeignet. Wichtig ist, bei einer Neu­pflan­zung oder bei der Heckenpflege an die Grenzabstände zum Nachbarn und an den Schat­ten­wurf zu denken. Beides darf nicht zu einer Beeinträchtigung führen.

In vielen Gärten haben Hecken aus Buchen (Fagus) und Liguster (Li­gus­trum vulgare) eine lange Tradition. Ein regelmäßiger Schnitt macht ihnen auch im Alter kaum zu schaffen. Selbst einen Rückschnitt in das alte Holz verzeihen sie.

Der maigrüne Blattaustrieb der Hainbuche (Carpinus betulus) weist auf die bevorstehende Gar­ten­sai­son hin. Dann heißt es noch Geduld haben, bevor Sie die Hecke schneiden. Denn zunächst nehmen unsere Singvögel, allen voran die Amseln, das Innere für ihren Nestbau in Anspruch. Erst nach Abschluss der Brutzeit, so Mitte Juni, darf zur Schere ge­grif­fen werden, um den Jahreszuwachs zurückzunehmen.


Kauf und Auswahl

Heimische Gehölze sind überwiegend in anerkannten Mar­ken­baum­schulen erhältlich. Beim Kauf reicht eine kleine Größe, deren Kosten oft niedriger sind als bei Ware aus den Gartencentern. Wichtig sind die richtige Mischung und die Pflanzabstände.

Joachim Roemer
Vizepräsident des Landesverbands
Niedersächsischer Gartenfreunde

 

Eine Übersicht heimischer Gehölze, die sich als Hecke eigen, und weitere umfassende Informationen finden Sie hier

 


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