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Torfersatzstoffe

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Kokosfasern – guter Speicher, lange Transportwege

Kokosfasern stammen aus der äußeren Hülle der Kokosnuss. Die Fasern haben über einen längeren Zeitraum eine stabi­le Struktur, die für eine gute Durchlüftung der Wurzeln sorgt. Kokosfasern ha­ben außerdem gute Drainageeigenschaften. Ein weiterer Vorteil ist das geringe Transportgewicht und das kleine Volumen. Ein Nachteil: Das Ausgangsprodukt stammt nicht von hier, es hat seinen Ursprung in Afrika und Asien. Der Transport verbraucht entsprechend viel Energie, obwohl grund­sätz­lich alle Torf­ersatzstoffe eine bessere CO2-Bilanz als Torf haben.


KokosnussFoto: Heinrich Beltz/LWK Nds. Die Kokosnuss, Ausgangsprodukt für Kokosfasern


Kokosfasern werden auch als einzelner Stoff verkauft: Vor Jahren entdeckte ich sie als gepresste Briketts in einem Laden für fair gehandelte Produkte. Von der Anwendbarkeit bin ich als Gärtner begeistert, ein 500 g schweres Kokosbrikett ergibt ca. 9 l gebrauchsfertiges Substrat. Der Kokos­block wird in 6 l Wasser zum Quellen gebracht, innerhalb einer halben Stunde quillt er auf das Sieben- bis Achtfache seines Volumens auf und erhält eine torfähnliche Konsistenz. Anschließend wird er zerbröselt zu einem lockeren Substrat, welches frei von Unkrautsamen ist.


KokosfasernFoto: Gebr. Brill Substrate Kokosfasern


Immer mehr Hersteller verwenden auch Cocopeat (Kokosfaserstaub), das sich aus den feinen Be­stand­teilen zwischen den Fasern und zum Teil aus kleinen Faseranteilen zusammensetzt. Es spei­chert Nährstoffe und Wasser wesentlich besser als die Kokosfasern. Gerade bei Topfkulturen auf Terrasse und Balkon ist das interessant, da Sie so seltener gießen müssen.


CocopeatFoto: Gebr. Brill Substrate Cocopeat



Mineralische Komponenten – Xylit und Co.

Xylit fällt als Nebenprodukt im Braunkohleabbau an. Wie andere mineralische Komponenten (z.B. Perlite oder Blähton) ist es ein klassischer Zuschlagstoff in Substraten. Xylit wird oft mit Kompost, Rindenhumus und Holzfasern kombiniert, um etwa die pH-Werte auf ein optimales Niveau ein­zu­stellen.


PerliteFoto: spline_x/Fotolia Perlite


Im Gegensatz zu den Ersatzstoffen auf Holzbasis verursacht Xylit keine Stickstoff-Festlegung. Xylit hat eine gute Luft- aber eine geringe Wasser-Speicherkapazität. Es überzeugt durch eine gute Struk­tur­sta­bi­li­tät und ist in seinen Eigenschaften denen von Torf vergleichbar.


Rindenhumus – hoher Kaliumgehalt

torffreie ErdeFoto: Flora Press/BIOSPHOTO/ Serge Lapouge Pflanzen in torffreier Erde müssen Sie anders gießen. Rindenhumus ist nicht zu ver­wechseln mit Rin­den­mulch. Die Rinde hat eine kleinere Körnung (bis 20 mm), ist also feiner zerkleinert. Der struktur­stabile Rindenhumus entsteht bei der Fer­men­tie­rung von Rindenstücken. Seine Wasser-Speicherkapazität ist geringer als die von Torf, sodass Sie unter Umständen öfter gießen müssen. Die Luft-Speicherka­pazi­tät ist dagegen höher. Stickstoff wird bei optimaler Fer­men­tie­rung kaum festgelegt. Wenn Sie Substrate, die Rin­den­hu­musanteile enthalten, düngen, sollten Sie be­ach­ten, dass der Kaliumgehalt relativ hoch sein kann. Auch Phosphat und einige Spurenelemente können in größeren Anteilen im Rindenhumus enthalten sein.


Mit Bedacht düngen und gießen

Grundsätzlich brauchen Sie eine größere Auf­merk­sam­keit, um einen torffreien Garten zu bewirtschaften. Düngeempfehlungen sind nicht immer auf das Gärt­nern mit torffreiem Substrat abgestimmt. Gerade wenn es als Anzuchterde eingesetzt wird, ist eine regel­mäßi­ge Kontrolle der Feuchtigkeit per Fingerprobe unerläss­lich.

Kokosfasern oder Rindenhumus kön­nen mitunter aber dazu neigen, an der Oberfläche rasch aus­zu­trock­nen, sodass der Eindruck entsteht, dass die Pflanze Wasser benötigt, obwohl der Ballen noch feucht ist. Durch unser bewusstes Verhalten im eigenen Garten ist es aber machbar, auf die wert­volle Ressource Torf zu verzichten. Wenn wir achtsam das Wachsen unserer Pflanzen begleiten, sollten alle Nutzer des Gartens viel Freude haben.
 

 

Laub als Torfersatz

Unsere tägliche Gartenpraxis bestätigt, Gärtnern ohne Torf ist möglich – auch dort, wo Torf nicht in einer Blumenerde, sondern als Einzelstoff verwendet wird. Beispielhaft dafür ist unsere Sammlung der unterschiedlichen Sorten von Blaubeeren im FlorAtrium. Gepflanzt wurden sie vor vier Jahren an einem sandigen Standort, seit zwei Jahren ernten wir ausreichende Mengen. Selbstverständlich wäre es gewesen, gleich bei der Pflanzung Großballen von Torf als Substrat einzubringen. Wir dagegen bedeckten im Herbst die Pflanzfläche mit Blättern von Eiche und Buche. Schon im Folgejahr hatten Regenwurm und Co. ganze Arbeit geleistet, sodass wir uns für eine Sommerabdeckung mit selbst produziertem Baumhäcksel entschieden. Diese natürlichen Stoffe aus Blättern und Holzfasern, regelmäßig ausgebracht, sorgen für den notwendigen sauren pH-Wert des Kulturstandortes.

LaubFoto: Smileus/Fotolia


Eigenschaften Tabelle


Hartmut Clemen
Landesfachberater des Landesverbandes
der Gartenfreunde Bremen

 

Einen kurzen Beitrag über die Eignung von „Torfmoos als Torfersatz“ finden Sie hier.

Einen Artikel über „Spezialsubstrate: Was steckt drin, und was macht Sinn?“ finden Sie hier.

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