- Pflanzenschutz
- Krankheiten
Krankheiten und Schädlinge an Kohl
Foto: yanadjan/Adobe Stock
Kohl ist vielseitig, nahrhaft und bei guter Pflege sehr ertragreich. Treten jedoch Fraßspuren, Verfärbungen oder Wachstumsstörungen auf, ist die Ursache nicht immer sofort erkennbar. Nicht jedes Loch stammt von Raupen, nicht jede Gelbfärbung weist auf Nährstoffmangel hin. Wer typische Krankheiten, Schädlinge und Pflegefehler unterscheiden kann, handelt gezielter und vermeidet größere Schäden. Ein genauer Blick auf Blätter, Stängel, Pflanzenherz und Wurzeln hilft dabei, die häufigsten Probleme frühzeitig zu erkennen.
Kohlweißling
Kleiner Kohlweißling (l.) und Großer Kohlweißling (r.)
Schadbild: Zu den häufigsten Schädlingen am Kohl gehören der Große und der Kleine Kohlweißling. Die Raupen des Großen Kohlweißlings treten meist in Gruppen auf und können Blätter in kurzer Zeit stark zerfressen. Die Raupen des Kleinen Kohlweißlings leben eher einzeln und versteckt, fressen jedoch gern tiefer im Pflanzenherz. Typisch sind unregelmäßige Fraßlöcher, beschädigte Blattrippen und dunkle Kotkrümel.
Gegenmaßnahmen: Kontrollieren Sie Ihre Kohlpflanzen regelmäßig auf Eier und Raupen. Diese lassen sich frühzeitig absammeln. Besonders wirksam sind engmaschige Kulturschutznetze, die bereits kurz nach der Pflanzung aufgelegt werden sollten.
Kohleule und Kohlmotte (Kohlschabe)
Kohleule (l.) und Kohlmotte (Kohlschabe) (r.)
Schadbild: Auch Kohleule und Kohlmotte verursachen Fraßschäden am Kohl, bleiben jedoch oft lange unentdeckt. Die Raupen der Kohleule sind vor allem nachts aktiv und verstecken sich tagsüber im Bodenbereich oder zwischen den Blättern. Kohlmottenlarven verursachen häufig sogenannten Fensterfraß: Teile der Blattoberhaut bleiben stehen, sodass das Blatt silbrig oder durchscheinend wirkt. Kritisch wird es, wenn die Raupen im Inneren von Kopf- oder Blumenkohl fressen und die Erntequalität beeinträchtigen.
Gegenmaßnahmen: Kontrollieren Sie die Pflanzen regelmäßig, insbesondere die Blattunterseiten und das Pflanzenherz. Kulturschutznetze verhindern die Eiablage der Falter. Einzelne Raupen können abgesammelt werden.
Erdfloh
Schadbild: Die kleinen, springenden Käfer hinterlassen vor allem an jungen Pflanzen zahlreiche feine Löcher. Stark befallene Blätter wirken wie durchsiebt, und das Wachstum der Pflanzen stockt. Trockenheit, Wärme und staubige Böden begünstigen den Befall.
Gegenmaßnahmen: Halten Sie den Boden gleichmäßig feucht und bedecken Sie ihn möglichst mit einer Mulchschicht. Eine gute Bodenstruktur und Kulturschutznetze helfen ebenfalls, den Befall zu verringern.
Kohl-Gallenrüssler
Schadbild: Der Kohl-Gallenrüssler schädigt vor allem die Wurzeln. Befallene Pflanzen kümmern, wachsen nur schwach und welken trotz ausreichender Bodenfeuchte. An den Wurzeln bilden sich knotige Verdickungen.
Gegenmaßnahmen: Entfernen Sie stark befallene Pflanzen und achten Sie auf eine weite Fruchtfolge. Eine gute Bodenpflege stärkt die Pflanzen und macht sie weniger anfällig.
Kohlmottenschildlaus (Weiße Fliege)
Schadbild: Beim Berühren der Pflanzen fliegen unzählige winzige, weiße Tiere auf. Die geflügelten Larven sitzen fest an den Blattunterseiten oder Stängeln und saugen Pflanzensaft. Die Pflanzen werden geschwächt und entwickeln sich schlechter. Häufig entsteht zusätzlich klebriger Honigtau, auf dem sich schwarze Rußtaupilze ansiedeln.
Gegenmaßnahmen: Entfernen Sie befallene Pflanzenteile möglichst frühzeitig. Fördern Sie Nützlinge wie Marienkäfer und Schlupfwespen, die natürliche Gegenspieler vieler saugender Schädlinge sind.
Adernschwärze
Schadbild: Die bakterielle Krankheit zeigt sich zunächst durch gelbliche, keilförmige Blattbereiche, die vom Blattrand ausgehen. Im weiteren Verlauf verfärben sich die Blattadern dunkel bis schwarz. Feuchte Witterung, Verletzungen und befallenes Pflanzenmaterial fördern die Ausbreitung.
Gegenmaßnahmen: Befallene Pflanzen sollten nicht kompostiert, sondern über den Hausmüll entsorgt werden. Verwenden Sie gesundes Pflanzgut, sorgen Sie für ausreichende Pflanzabstände und halten Sie eine konsequente Anbaupause für Kohlgewächse ein.
Ringfleckenkrankheit
Schadbild: Ringfleckenkrankheiten verursachen rundliche, graubraune bis dunkle Flecken auf den Blättern. Die Flecken sind meist deutlich abgegrenzt und weisen häufig eine ringförmige Zeichnung auf. Bei starkem Befall können größere Blattbereiche geschädigt werden.
Gegenmaßnahmen: Entfernen Sie befallene Blätter möglichst frühzeitig. Eine luftige Pflanzung und das Vermeiden langer Blattnässe helfen, die Ausbreitung der Pilzkrankheiten einzudämmen.
Falscher Mehltau
Schadbild: Falscher Mehltau tritt vor allem bei kühler und feuchter Witterung auf. Auf der Blattoberseite erscheinen gelbliche bis blassgrüne Flecken. Charakteristisch ist der graue bis grauviolette, samtige Belag auf der Blattunterseite.
Gegenmaßnahmen: Achten Sie auf ausreichende Pflanzabstände und eine gute Luftzirkulation. Entfernen Sie stark befallene Blätter und vermeiden Sie unnötige Blattnässe.
Kohlschwärze
Schadbild: Bei der Kohlschwärze entstehen dunkle, meist scharf begrenzte Flecken an Blättern, Stängeln oder Köpfen. Besonders bei feuchter Witterung kann sich die Krankheit rasch ausbreiten.
Gegenmaßnahmen: Entfernen Sie befallene Pflanzenteile und sorgen Sie für eine gute Durchlüftung der Bestände. Eine weite Fruchtfolge reduziert das Infektionsrisiko.
Schwarzbeinigkeit
Schadbild: Schwarzbeinigkeit betrifft vor allem Jungpflanzen und den Stängelgrund. Dort entstehen dunkle, eingesunkene Stellen. Die Pflanzen kümmern, knicken um oder sterben ab.
Gegenmaßnahmen: Verwenden Sie gesundes Pflanzgut und vermeiden Sie Staunässe. Befallene Pflanzen sollten möglichst früh entfernt werden.
Kohlhernie
Schadbild: Kohlhernie ist eine der bedeutendsten Krankheiten im Kohlanbau. Typisch sind stark verdickte, knollige und deformierte Wurzeln. Oberirdisch bleiben die Pflanzen klein, welken bei Wärme rasch und erholen sich nur vorübergehend.
Gegenmaßnahmen: Da der Erreger viele Jahre im Boden überdauern kann, sind lange Anbaupausen besonders wichtig. Achten Sie auf einen günstigen pH-Wert, vermeiden Sie die Verschleppung befallener Erde und entsorgen Sie befallene Pflanzen über den Hausmüll.
Ralf Tessensohn
Vorsitzender und Fachberater
des Landesverbandes Braunschweig der Gartenfreunde
Zeichnungen von Margarete Griegel, entnommen aus dem Buch „Mein gesunder Gemüsegarten“ von Griegel, Adalbert. ISBN: 3-930384-18-3.