- Pflanzenporträts
Zitruspflanzen für den Kübel
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Bitterorange
Mit ihrem immergrünen, wohlriechenden Laub sowie ihren weißen, betörend duftenden Blüten sind Zitrusgewächse tolle Zierpflanzen. Zudem können Sie von Zitrone, Mandarine, Orange, Limette, Kumquat und Co. durchaus eigene Früchte ernten. Da die Pflanzen aber je nach Art und Sorte keine oder nur geringe Frosttemperaturen vertragen, müssen Sie sie im Kübel kultivieren und frostfrei überwintern. Zudem sind Zitruspflanzen – die „Diven unter den Obstgehölzen“ – nicht ganz einfach in der Pflege.
Überwinterung und Schnitt
Überwintern Sie Zitruspflanzen am besten kühl und hell bei 5–10 °C. Wegen ihres hohen Lichtbedarfs ist ein Platz im Gewächshaus oder hellen Wintergarten ideal. Auch ein ungeheiztes Treppenhaus mit einem hellen Fensterplatz ist geeignet. Wenn das alles nicht zur Verfügung steht, eignen sich auch dunkle Räume, etwa kühle Kellerräume oder frostfreie Lauben, wenn Sie eine zusätzliche Belichtung (LED-Lampen) installieren, die zeituhrgesteuert etwa acht bis zwölf Stunden lang Licht liefert.
Wer Zitruspflanzen in Wohnräumen überwintern möchte, sollte bedenken, dass die meisten sehr empfindlich gegen trockene Heizungsluft sind und mit starkem Laubabwurf darauf reagieren können. Am besten für den Wohnbereich geeignet ist die Calamondin (Citrus madurensis, eine Kreuzung aus Mandarine und Kumquat), aber auch sie braucht viel Licht und sollte möglichst kühl stehen.
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Vor dem Einräumen ins Winterquartier können Sie sehr lange, störende Zweige entfernen oder einkürzen. Nach der Überwinterung kann ein etwas stärkerer Rückschnitt erfolgen. Nach den Eisheiligen können Sie die Pflanzen nach draußen in den Garten oder auf die Terrasse räumen. Zunächst stehen sie am besten einige Wochen halbschattig, bis sich die Blätter an das intensive Sonnenlicht gewöhnt haben. Danach fühlen sie sich in der vollen Sonne am wohlsten.
Frostharte Zitruspflanzen?
Manche Arten und Sorten von Zitrusgewächsen vertragen durchaus Frosttemperaturen. Am frosthärtesten und daher auch zum Auspflanzen in den Garten geeignet ist die Bitterorange (Poncirus trifoliata), die ihr Laub im Herbst abwirft und reichlich runde, gelbe Früchte trägt, die allerdings sehr bitter sind. Auch die Pomeranze (Citrus x aurantium), die orangenähnliche Früchte trägt, wird Bitterorange genannt – sie ist allerdings nicht frosthart.
Es gibt einige Citrus-Arten und vor allem Kreuzungen zwischen Poncirus trifoliata sowie Citrus-Fruchtsorten, die relativ starke Fröste vertragen. Zu nennen sind beispielsweise die Ichang-Zitrone (Citrus ichangensis, auch Ichang-Papeda), die Ichang-Hybride ‘Yuzu’ oder die Poncirus-Hybriden wie ‘Hybrid USA 119’ oder ‘Sanford Curafora’. Die kältesten Temperaturen, die diese Pflanzen vertragen, werden oft mit –8 bis –15 °C angegeben. Das sind allerdings die absoluten Extreme, die ältere, gut abgehärtete Pflanzen überleben, aber nicht ohne Schaden zu nehmen. Jüngere Pflanzen dieser Arten und Sorten sollten unbedingt vor stärkeren Frösten geschützt werden.
Außerdem ist zu bedenken, dass ihre Früchte schon bei geringen Frösten geschädigt werden und abfallen. Wer sie ernten will, sollte sie daher frostfrei überwintern. Und geschmacklich sind die Früchte der frostharten Sorten nicht mit Apfelsinen, Mandarinen oder Zitronen zu vergleichen, denn sie haben oft nur wenig Saft und einen relativ starken, bitteren Beigeschmack.
Anspruchsvolle Zitrus-Diva
Ein heikles Thema sind die Pflanzerden (Substrate). Zitruspflanzen sind in dieser Hinsicht sehr anspruchsvoll. Sie ertragen weder hohe noch niedrige pH-Werte, hohe Salzgehalte oder Staunässe. Daher ist von Universal-Blumenerden und auch von selbstgemischten Erden abzuraten.
Verwenden Sie besser Spezialsubstrate für Zitruspflanzen mit einem pH-Wert zwischen 5,0 und 5,5 von renommierten Herstellern. Auch torffreie Produkte werden angeboten. Ein hoher Anteil an Kokosmark (auch „Cocopeat“, die feinen Bestandteile zwischen den Kokosfasern) kann günstig für die Wurzelentwicklung sein. Alle zwei bis drei Jahre sollten die Pflanzen in neue Erde umgetopft werden.
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‘Sanford Curafora’
Zitruspflanzen werden häufig in reinem Lehm angeboten. Hintergrund ist, dass die Pflanzen in ihren Herkunftsländern mit ihren Lehmballen aus dem Boden in einen Topf gedrückt wurden, weil das kostengünstiger ist, als sie im Topf in einem Pflanzsubstrat anzuziehen. Topfen Sie aber keinesfalls in Lehm um.
Auch bei der Düngung sind Zitruspflanzen sehr anspruchsvoll, vor allem benötigen sie relativ hohe Gaben an Spurenelementen. Verwenden Sie daher Spezialprodukte für Zitruspflanzen.
Gießen Sie die Pflanzen vergleichsweise wenig, dafür aber sehr gleichmäßig. Damit der pH-Wert der Erden nicht zu stark absinkt oder ansteigt, sollte das Wasser eine mittlere Härte besitzen. Ausschließlich Regenwasser ist genauso schlecht wie dauerhaft hartes Leitungswasser. Ein Kompromiss kann sein, abwechselnd mit Regenwasser und hartem Leitungswasser zu gießen. Bei geringer Wasserhärte können Sie ausschließlich Leitungswasser verwenden.
Auf Schädlinge achten
Relativ häufig treten an den jungen Trieben Blattläuse auf, die aber meist von selbst verschwinden. Bei starkem Befall können Sie die Pflanzen gründlich abduschen. Deutlich hartnäckiger sind Schmierläuse und Schildläuse, hier sind zugelassene Ölpräparate hilfreich.
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Sind Substrat oder Düngung nicht passend, kommt es schnell zu Mangelsymptomen.
In feuchten Räumen tritt im Winter häufig Grauschimmel auf: Befallene Früchte, Blüten und Triebe sollten Sie sofort entfernen und die Räume möglichst gut belüften. Probleme können auch Schnecken bereiten, die vor allem junge Blätter und Triebe fressen. Sie sollten regelmäßig abgesammelt werden, gerne sitzen sie unter den Töpfen.
Wurzelfäule tritt häufig auf, wenn die Pflanzerde zu sauer oder zu kalkhaltig ist oder zu nass. Dann topfen Sie Ihre Zitruspflanze möglichst bald in ein passendes Substrat um.
Empfehlenswerte Sorten zur Kübelkultur
Foto: supamas/Adobe StockApfelsine: ‘Navel’ eignet sich sehr gut zum Frischverzehr, ‘Moro’ ist eine Blutorange mit rotem, besonders aromatischem Fleisch.
Mandarine: Das intensivste Aroma bildet die Mittelmeermandarine, die am weitesten verbreitet ist.
Zitrone: ‘Lisbon’ trägt zuverlässig die typischen Zitronenfrüchte, die rundlichen Zitronen der ‘Meyer’ sind milder.
Limette: Die ‘Persische Limette’ ist relativ robust und eignet sich sehr gut für Caipirinha und andere Getränke.
Kumquat: ‘Nagami’ trägt längliche Früchte, die mit Schale verzehrt werden können.
Heinrich Beltz
Landwirtschaftskammer Niedersachsen,
Niedersächsische Gartenakademie
Buchtipp zum Thema
Beltz, Heinrich: Zitruspflanzen – Erfolgreiche Anzucht und Pflege. 8,95 €. Quelle & Meyer Verlag. ISBN 978-3-494-01718-1.