- Pflanzenporträts
Sellerie – von Knolle bis Stange
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Nur jeder fünfte deutsche Haushalt kauft mindestens einmal im Jahr Sellerie. Über diese besondere Zurückhaltung können sich Kleingärtner nur wundern, ist Sellerie doch ein echter Klassiker in den meisten Gemüsegärten. Er punktet durch seinen hohen Gehalt an Mineralstoffen und gesundheitsfördernden ätherischen Ölen. Und Sellerie eignet sich vielfältig: als Knolle für Salat und Suppe, als Blatt zum Würzen oder als Stange für Rohkostgemüse.
Fruchtfolge im Anbau
Sellerie ist eine zweijährige Pflanze, als Gemüse ernten wir sie jedoch bereits im ersten Jahr. Es werden dabei drei Varietäten unterschieden: Knollen-, Stangen- und Schnittsellerie. Wichtig ist bei allen dreien eine ausreichend lange Anbaupause von mindestens vier Jahren auf demselben Standort, sowohl nach sich selbst als auch nach Möhren, Petersilie oder Fenchel. Als gute Vorfrucht im Vorjahr gilt Lauch. Er bildet sehr viel Wurzelmasse, die überwiegend im Boden verbleibt und zur Humusbildung beiträgt. In der Mischkultur werden Lauch, Kohlrabi und Spinat als günstige Partner bewertet.
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Beim Frühanbau von Knollensellerie pflanzen Sie acht bis zehn Setzlinge/m².
Anzucht oder Zukauf
Ziehen Sie Sellerie nur selbst an, wenn Sie für die richtigen Temperaturen sorgen können. Auf der Fensterbank oder im warmen Gewächshaus keimt Sellerie bei 16–18 °C nach zwei bis drei Wochen. Die Temperatur sollte in der Anzucht mindestens 14 °C betragen, denn zu niedrige Temperaturen fördern das unerwünschte vorzeitige Schossen der Pflanzen. Dies gilt ab dem zweiten bis vierten Blattstadium der Jungpflanzen und sogar bis kurz nach der Pflanzung ins Beet. Höhere Tagestemperaturen über 16 °C gleichen zu kühle Nachttemperaturen jedoch in vielen Fällen wieder aus. Im Freiland verringert ein Vlies die Schossgefahr.
Foto: Xavier/Adobe StockDa Sellerie ein Lichtkeimer ist, bedecken Sie die Saat nicht mit Substrat. Sobald die Keimblätter ausgebildet sind, pikieren Sie vorsichtig in 4-cm-Topfplatten. Stellen Sie die Jungpflanzen bis zur Pflanzung unbedingt warm, aber luftig auf. Die Anzuchtdauer beträgt insgesamt acht bis zehn Wochen. Alternativ kaufen Sie kompakte und kräftige Jungpflanzen beim örtlichen Gärtner oder Gartencenter.
Knollensellerie
Knollensellerie (Apium graveolens var. rapaceum) zählt zu den Starkzehrern. Düngen Sie daher ausreichend mit Stickstoff, etwa mit 150 g/m² Horndünger. Teilen Sie die Menge in drei Gaben auf: zur Pflanzung als Grunddüngung sowie zwei Kopfdüngungen Anfang Juli und Mitte August. Als ursprüngliche „Meeresstrandpflanze“ ist Sellerie gut salzverträglich. Wenn die Bodenanalyse einen Kaliumwert unter der Normalversorgung anzeigt, sollten Sie beim Vorbereiten der Beete ergänzend düngen, etwa mit einem chloridhaltigen Kalidünger.
Folgende Anbautermine für Knollensellerie bieten sich für Sie an:
- Aussaat: Anfang Februar, Pflanzung: Anfang April, Ernte: ab Mitte Juli.
- Aussaat: Mitte März, Pflanzung: Mitte Mai, Ernte: ab Mitte September.
Pflanzen Sie beim Frühanbau acht bis zehn, später sechs Setzlinge/m² (z.B. 40 x 40 cm). Entfernen Sie Beikraut und achten Sie auf eine gute Wasserversorgung, vor allem während sich die Knollen bilden.
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Beim Schnittsellerie wird nur das Laub als Würzkraut verwendet.
Im Hobbygartenbereich kommen ausschließlich samenfeste Sorten zum Einsatz. Achten Sie auf die Schossfestigkeit, vor allem für frühe Pflanztermine im März oder April. Besonders eignet sich die Sorte ‘Prinz’. Beachten Sie auch die Widerstandskraft gegen die pilzliche Septoria-Blattfleckenkrankheit (z.B. ‘Bergers weiße Kugel’). Sehr gut für den allgemeinen Anbau eignen sich die Sorten ‘Alba’, ‘Athos’, ‘Ibis’, ‘Mars’ und ‘Monarch’.
Durch leichtes Anhäufeln vermeiden Sie, dass die Knollenoberseite grün wird. Schwarze Mulchfolie sowie Vlies fördern den Ertrag. Durch das Abdecken mit einem Netz verringern Sie den Madenfraß durch Möhren- und Möhrenminierfliegen an Knolle und Laub beträchtlich.
Ernten Sie unbedingt vor den ersten Frösten. Lagern Sie die Knollen ohne Laub, ideal bei 1 °C in Kisten oder Erdmieten. Beim Entfernen des Laubes schonen Sie die Herzblätter und den Knollenkopf, da sonst Fäulnis im Lager begünstigt wird. Beim Abschneiden der Wurzeln oder sonstigen Verletzungen der Knolle verfärben sich die Schnittstellen rostfarben. Das ist harmlos und liegt daran, dass die ätherischen Öle bei Luftkontakt verharzen.
Stangen- oder Bleichsellerie
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Stangensellerie
Der Anbau von Bleich- oder Stangensellerie (Apium graveolens var. dulce) ähnelt dem von Knollensellerie. Stangensellerie bevorzugt etwas leichteren Boden. Pflanzen Sie ihn satzweise zwischen Mitte März und Ende Juli für eine Ernte zwischen Mitte Juni und Mitte Oktober. Die Pflanzweite beträgt 35 x 25–30 cm. Vermeiden Sie längere übermäßige Trockenheit. Dies kann durch Calcium-Mangel zu absterbenden Herzblättern und nachfolgender Fäule führen. Auch die Zartheit der Stiele verringert sich. Gießen Sie bei Bedarf vormittags, um nächtliche Blattfeuchte möglichst zu vermeiden. Auch Stangensellerie wird von Septoria heimgesucht. Die Ernte verteilt sich über einen längeren Zeitraum als bei Knollensellerie. Schneiden Sie mit dem Erntemesser knapp unter der Oberfläche, dann halten die Blattstiele gut zusammen.
Ein wichtiges Kriterium bei den Sorten ist die Blattstielfarbe (weißgelb, grün). Gelbe Sorten sind etwas schwächer im Wuchs und anfälliger für Septoria, z.B. ‘Goldgelber 2’ oder ‘Golden Spartan’. Der samenfeste ‘Tall Utah’ ist ein bewährter grünstieliger Standard im Hobbybereich.
Schnittsellerie
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Schnittsellerie wächst auch im Topf.
Schnittsellerie (Apium graveolens var. secalinum) entwickelt keine Knolle, verwendet wird nur das Laub als Würzkraut. Da kaum Jungpflanzen angeboten werden, ist die eigene Anzucht von Setzlingen meist alternativlos. Säen Sie ab Anfang April. Die Pflege ähnelt der Anzucht von Knollensellerie. Setzen Sie die Pflanzen im Abstand 30 x 30 cm ins Beet, aber auch Topf oder Balkonkasten eignen sich gut. Schnittsellerie ist deutlich schneller zu ernten als Knollen- und Stangensellerie. Er lässt sich auch noch im Sommer als Nachkultur anbauen. Schonen Sie beim Schnitt die Herzblätter, dann steht einer regelmäßigen Ernte bis in den Herbst nichts im Wege. Empfehlenswerte Sorten sind etwa ‘Gewöhnlicher Schnitt’ und ‘Amsterdamer Dunkelgrüne’.
Thomas Jaksch
Dipl.-Ing. Gartenbau (FH), ehemaliger
Betriebsleiter Gemüsebau,
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf