- Pflanzenporträts
Neues Jahr, neues Gemüse
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So langsam geht es los: Während sich die Gärten noch in eine winterlich nass-graue Kälte hüllen, ist es Zeit, Pläne für das neue Gartenjahr zu schmieden. Dabei immer an erster Stelle: die Frage, was denn im Gemüsebeet wachsen soll. Die bewährten Arten und Sorten aus dem Vorjahr? Oder soll es doch mal was Neues sein? Am besten beides! Unsere Experten geben Ihnen Anregungen für den Anbau von Gemüse in diesem Jahr. Lassen Sie sich inspirieren!
Gesundheit in allen Farben
Die Rote Bete darf nie in meinem Gemüsebeet fehlen. Mag der eine oder andere wegen des erdigen Geschmacks dieses Gemüse meiden, ich mag ihn. Erinnert er mich doch an die Stunden, die man mit der Pflege der Gemüsebeete verbracht hat.
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Neben dem Geschmack sprechen auch die vielen gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe für die Rote Bete: Sie ist reich an Folsäure, Eisen, Kalium, Magnesium, Ballaststoffen oder etwa Antioxidantien. Um die Inhaltsstoffe bei der Verarbeitung zu erhalten, kochen Sie die Rote Bete nicht, sondern garen sie mit Schale im Ofen. Am besten, Sie verzehren die Rote Bete roh als Salat oder Beilage. Unverarbeitet lagern Sie die Bete entweder kurzzeitig im Kühlschrank oder länger in einer Kiste mit feuchtem Sand an einem kühlen Standort. Gegarte Bete können Sie einfrieren oder einkochen.
Foto: emuck/Adobe StockIdeal für den Anbau ist ein Standort mit humosem und lehmigem Boden. Als Mittelzehrer mag Rote Bete keinen frischen Mist und als Tiefwurzler müssen Sie sie nur bei absoluter Trockenheit gießen.
Im Handel sind verschiedene Sorten erhältlich. Die meisten sind intensiv rot gefärbt, es gibt aber auch Gelbe und Weiße Bete sowie Ringelbete. Auch in der Form können sich die Sorten unterscheiden: Es gibt runde Rüben, die schneller reif werden, oder längliche, die oft ertragreicher sind. Probieren Sie gerne verschiedene Sorten aus!
Andreas Berger
Fachberater des Landesverbandes
Niedersächsischer Gartenfreunde
Schärfe und Farbe für den Salat
Für mich sind Asia-Salate unverzichtbar: Ich ziehe sie im geschützten Bereich vor und pflanze sie je nach Witterung ins Freiland oder ins Gewächshaus in feinkrümligen, nährstoffreichen Boden. Nach vier bis sechs Wochen kann der Salat geerntet werden. Bleibt das Herz stehen, ist ein mehrfacher Schnitt möglich. Ich säe mehrere Sätze im Frühjahr und im Herbst aus. Im Sommer geht Asia-Salat schnell in die Blüte. Asia-Salate gehören zu den Kreuzblütlern (Brassicaceae), was Sie bei der Fruchtfolge beachten sollten.
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Gern knabbern auch Erdflöhe an den Blättern. Häufiges Hacken, Feuchthalten und Mulchen zwischen den Reihen kann den Befall minimieren. ‘Green in Snow’ ist kältetolerant und hat große, grüne, am Rand gezähnte Blätter mit scharfem senfähnlichem Geschmack. Die großen ovalen Blätter mit rötlicher Farbe von ‘Red Giant’ schmecken ebenfalls nach scharfem Senf. „Mizuna“ (Foto) ist milder im Geschmack und hat hellgrüne, gefiederte Blätter. Die Blätter von ‘Moutarde Rouge Metis’ sind stark gefiedert und rötlich mit mittelscharfem Senfgeschmack. ‘Wasabino’ hat hellgrüne, breit gefiederte, teilweise gekräuselte Blätter und bringt ein kräftiges Wasabi-Aroma in den Salat.
Annelore Sedat
Fachberaterin des Landesverbandes der
Gartenfreunde Mecklenburg und Vorpommern
Vielfalt für jeden Zweck
Das beliebteste Gemüse in Deutschland, die Tomate, ist in seiner Vielfalt kaum zu übertrumpfen: Die Sorten unterscheiden sich in Form und Farbe, in ihrem Geschmack und in ihrem Gehalt an Kerngehäusen und Wasser, was vor allem für die Verwendung eine große Rolle spielt. Beachten Sie bei der Sortenauswahl vor allem, ob Sie die Pflanzen im Freiland oder unter einem Dach anbauen. Da ihre Schalen sehr dünn sind, empfehle ich Wildtomaten wie ‘Rote Murmel’ oder ‘Gelbe Johannisbeere’ für den direkten Verzehr. Ebenfalls mit sehr weicher Schale und sehr ertragreich ist die Cherrytomate ‘Gelbe Dattelwein’, die im Gewächshaus deutlich besser funktioniert. Für mich der Star unter den kleinen Tomaten ist ‘Ruthje’, fast genauso gut sind ‘Black Cherry’, ‘Yellow Submarine’ oder ‘Philamina’, eine sehr robuste Cherrytomate für das Freiland.
Ich persönlich liebe aber auch die großen Fleischtomaten, wie die klassischen Ochsenherztomaten. Sie gibt es in verschiedenen Färbungen. Sehr lecker sind die ‘Berner Rose’ und die riesige ‘German Gold’.
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Falls Sie gerne Tomaten einkochen, sind Soßentomaten eine großartige Variante. Sie haben ein festeres Fleisch und wenige Kerngehäuse, empfehlenswert ist ‘San Marzano’ (Foto).
Anna Küster
Leiterin des ökologischen Lehrgartens und
Beratungszentrums der Gartenfreunde Bremen
Delikatesse von der Küste
Der Meerkohl ist eine robuste, salztolerante heimische Wildpflanze, die noch heute an unseren Küsten wächst. Die ausdauernde Staude bildet kräftige, blaugrüne, gewellte und zierende Blätter. Besonderheiten sind der rötlich violette Austrieb im Frühjahr und die weißen Blütenwolken, die von Mai bis Juli erscheinen.
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Als schmackhaftes Wildgemüse feiert er eine verdiente Renaissance. Denn schon früher war der heute geschützte Meerkohl sehr geschätzt. Wie bei vielen Wildgemüsen geriet seine Verwendung jedoch immer mehr in Vergessenheit. Besonders die gehobene Gastronomie entdeckt ihn jedoch gerade wieder neu. Der junge Austrieb im Frühjahr gilt als Delikatesse und kann sogar roh gegessen werden. Unter Lichtentzug gezogen, werden die gebleichten Sprossen ähnlich wie Spargel zubereitet.
Im Garten bevorzugt Meerkohl einen sonnigen Standort und durchlässigen, eher sandigen Boden. Konkurrenz im nährstoffreichen Beet mag er nicht, auch im Topf hält er nicht lange durch. Er ist jedoch extrem winterhart und benötigt an einem geeigneten Standort kaum Pflege. Bei der Ernte sollten Sie vorsichtig sein, um die Pflanze langfristig zu erhalten. Meerkohl eignet sich sowohl für naturnahe Beete als auch für Küstengärten und ist mit seinem dekorativen Laub ein echter Hingucker.
Joschka Meyer
Fachberater des Landesbundes
der Gartenfreunde in Hamburg
Schmackhafte Bodenschätze
Foto: Picture alliance/FoodcollectionHaferwurzel, Kerbelrübe und Wurzelpetersilie sind drei fast vergessene und selten verwendete Wurzelgemüse, die sich geschmacklich deutlich voneinander unterscheiden: Die Haferwurzel (Foto), auch Weißwurzel genannt, hat einen mild-süßlichen, leicht nussigen Geschmack, der an Schwarzwurzel oder Artischocke erinnert. Ihre langen, hellen Wurzeln verfärben sich schnell und sollten deshalb direkt nach dem Schälen in Zitronenwasser gelegt werden. Sie eignet sich besonders gut zum Braten, Backen, Dämpfen oder für Suppen und Pürees.
Die Kerbelrübe, auch Knollen-Kerbel, ist ein ausgesprochen aromatisches Gourmetgemüse. Ihr Geschmack ist süßlich und erinnert an Maronen, Sellerie und Pastinaken. Charakteristisch ist, dass sie ihr volles Aroma erst nach einigen Wochen Lagerung entwickelt. Kerbelrüben lassen sich hervorragend schmoren, dämpfen oder zu feinen Pürees verarbeiten.
Die Wurzelpetersilie, auch Petersilienwurzel, besitzt ein intensives, würziges Petersilienaroma mit leicht süßlicher Note. Sie ist fester in der Konsistenz und wird klassisch als Bestandteil von Suppengrün verwendet, verfeinert aber ebenso Eintöpfe, Soßen, Gulasch oder Ofengemüse. Ihre Blätter können wie gewöhnliche Petersilie genutzt werden. Zusammengefasst ist die Haferwurzel eher mild, die Kerbelrübe besonders aromatisch und die Wurzelpetersilie würzig-intensiv – und alle drei sind vielseitige Zutaten für herzhafte Gerichte.
Ralf Tessensohn
Vorsitzender und Fachberater
des Landesverbandes Braunschweig der Gartenfreunde
Auf die Spitze getrieben
Als Fachberater kenne ich viele Gemüsekulturen, aber eins steht für mich fest: Spitzkohl ist mein Favorit! Warum? Weil er nicht nur geschmacklich überzeugt, sondern auch gärtnerisch ein echter Allrounder ist. Sein zarter, leicht süßlicher Geschmack macht ihn zur idealen Wahl für die frische Sommerküche – ob roh im Salat oder sanft gedünstet.
Spitzkohl ist früher erntereif als andere Kohlarten, braucht weniger Platz und ist erstaunlich robust gegenüber wechselnden Wetterlagen. Selbst bei Hitze bleibt er knackig, und mit guter Bodenpflege übersteht er auch feuchte Phasen.
Foto: Sk Elena/Adobe Stock
Mein Tipp: die Sorte ‘Filderkraut’ (Foto), die sich durch ihre feinen Blätter und stabilen Köpfe auszeichnet oder ‘Caraflex’ mit mittelschlanken Köpfen und guter Lagerfähigkeit.
Mit einem Schutznetz gegen den Kohlweißling, einer Mulchschicht und regelmäßiger Wasserversorgung wird Spitzkohl zum Highlight im Garten – und zum Genuss auf dem Teller. Wer einmal den Unterschied zu herkömmlichem Weißkohl geschmeckt hat, versteht meine Leidenschaft. Kohl hat bei uns in Dithmarschen, Europas größtem zusammenhängendem Kohlanbaugebiet, eine große Tradition, auf die wir stolz sind. Spitzkohl ist nicht nur Gemüse – er ist ein Stück norddeutsche Gartenkultur.
Thomas Kleinworth
Bundesfachberater, Geschäftsführer und Fachberater des
Landesverbandes der Kleingartenvereine Schleswig-Holsteins
Spinat mal anders
Ich empfehle den Neuseeländer Spinat, er ist vielseitig einsetzbar. In Mischkulturen mit Tomaten, Blumenkohl oder Salat eignet er sich hervorragend als Bodendecker. Seine buschigen, stark verzweigten Triebe können bis zu 1 m lang werden und schützen den Boden optimal. Wenn Sie regelmäßig ernten, regen Sie zudem das Wachstum an.
Nach den Eisheiligen kann der Spinat ins Freie gesetzt werden, die Anzucht ist bereits ab Februar/März möglich, am besten, Sie weichen die Samen für 24 Stunden in Wasser ein. Die Pflanze ist pflegeleicht und wenig anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Häufig sät sie sich sogar selbst aus und erscheint im nächsten Jahr wieder am selben Standort.
Foto: picture alliance/imageBROKER/Diez
Anders als herkömmlicher Spinat gehört Neuseeländer Spinat zur Familie der Mittagsblumengewächse. Er bevorzugt einen sonnigen, humusreichen Boden und kann bis zum Frost geerntet werden. Neuseeländer Spinat liefert wertvolle Vitamine, ist ballaststoffreich, wirkt entzündungshemmend und antioxidativ. Er unterstützt das Herz, die Verdauung und das Immunsystem und überzeugt durch seinen niedrigen Oxalat-Gehalt, was besonders vorteilhaft für Menschen mit Nierenproblemen ist. Junge Blätter können Sie roh zum Salat geben. Die warme Zubereitung dauert etwa zwei Minuten: kurz kochen oder in Öl braten, salzen und genießen!
Ute Junghänel
Leiterin der Arbeitsgruppe Fachberatung
des Stadtverbandes Dresdner Gartenfreunde