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Mirabellen – süßes Aroma für Spätsommer und Herbst

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MirabellenFoto: watcherfox/Adobe Stock

Die Mirabelle (Prunus domestica ssp. syriaca) ist eine Unterart der Pflaume und ist somit mit Zwetsche und Echter Pflaume und Reneklode eng verwandt. Die übersetzt „Wunderschöne“ besticht durch das einzigartige Aroma ihrer saftigen Früchte – die sich auch vielseitig verarbeiten lassen.

Obstbäume ohne Allüren

Pflaumen haben generell eine große Anpassungsfähigkeit an verschiedene Standortverhältnisse, das gilt auch für die Mirabelle. Die Bodenansprüche sind nicht hoch. Grundsätzlich sind humose, nährstoffreiche, gut durchlüftete Böden vorteilhaft. Mit entsprechender Unterlage (s. Kas­ten) lassen sich aber auch weniger gute Böden nutzen.

Mulchen Sie die Baumscheibe am besten regelmäßig etwa mit Rasenschnitt. So sorgen Sie für gleichmäßige Bodenfeuchte und führen Nährstoffe zu. Eine zusätz­liche Düngung ist dann meist nicht nötig. Wählen Sie einen sonnigen bis halbschattigen, windgeschützten Gartenplatz.

Alle verfügbaren Mi­rabellen­sor­ten sind selbstfruchtbar, sie werden von Insekten bestäubt. Steht ein weiterer Baum der Art Prunus domestica (Zwetsche, Pflaume, Reneklode ...) in der Nähe, setzen die Bäume mehr Früchte an – es kann dann sogar zu viel für eine gute Fruchtentwicklung sein. Bei Überbehang sollten Sie da­her im Juni „ausdünnen“, also überzählige Früchte entfernen.

Die richtige Unterlage

Für Mirabellen steht ein breites Spektrum an stark- und schwächerwüchsigen Unterlagen zur Verfügung. Für gute Böden bietet sich etwa die gängige Unterlage Prunus insititia ‘INRA 655/2’ an, für extrem schwere Böden eignen sich Prunus domestica ‘Brompton’ oder Prunus marianna ‘GF8/1’, die auch mit sehr sandigen, leichten Böden zurechtkommt. Für solche Sand­böden kommt auch Prunus cerasifera ‘Myrobalana B’ infrage. Ist der Boden stark kalkhaltig, ist Prunus insititia ‘St. Julien INRA 1’ ideal. Erkundigen Sie sich in Ihrer Baumschule.

Baumformen und Schnitt

Bei Mirabellenbäumen sind je nach Unterlage, Sorte und gewünschter Baumform verschiedene Schnittsysteme möglich: Spindeln (starke Mittelachse mit kurzen Seiten­ästen), Pyramiden- oder Hohlkronen. Für die Form der Spindel ist häufiges, konsequentes Schneiden notwendig.

Weniger aufwändig ist die Pyramidenkrone. Um eine solche Krone aufzubauen, wählen Sie beim Jungbaum drei bis vier Seitentriebe aus und entfernen alle anderen. Die Mittelachse sollte die Seitentriebe um ca. 20 cm überragen. In den folgenden Jahren kürzen Sie jährlich die Verlängerungstriebe der Leitäste ein und entfernen alle starken Neu­triebe, die auf den Ast­ober­seiten wach­sen. Im Ertragsalter lichten Sie den Baum jährlich aus und verjüngen das Frucht­holz, indem Sie die ältesten Fruchtholzbereiche entfernen.

Überschaubares Sortenangebot

Bei Mirabellen ist das Sortenspektrum eher klein. Mit über 90 % der angepflanz­ten Bäume dominiert ‘Mirabelle von Nancy’ den Markt. Dazu kommt gut ein Dutzend weiterer Sorten, die eher Liebhaberwert haben.

  • ‘Mirabelle von Nancy’ (auch ‘Nancy-Mirabelle’, ‘Große Mirabelle’, ‘Drap d’ Or’, ‘Gelbe Perdrigon’, ‘Gelbe Damas’ und ‘Große Damas’): Die 2,5 cm große, runde, gelbe, sonnenseits rötlich gepunktete Frucht reift Mitte August. Das gelbe, süße Fruchtfleisch löst sich gut vom Stein.

  • ‘Badoual-Mirabelle’: Sie ist überdurchschnittlich groß und sehr fruchtbar. Die gelbroten Früchte sind sehr saftig und süß mit leichtem Honigaroma.
  • ‘Mirabelle von Bergthold’ (auch ‘Frühe aus Bergthold’, ‘Mirabelka Rana’): 
  • Die kleinen, hochrunden, blassgelben Früchte reifen Anfang August. Das gelbe, saftige Fleisch löst sich nicht gut vom Stein.
  • ‘Flotows Mirabelle’ (auch ‘Flotows Frühe Mira­belle’, ‘Flotows Allerfrüheste’): Sie wurde vom österreichischen Pomologen Georg Liegel vor 1855 aus einem Stein der sehr alten Sorte ‘Violetter Perdrigon’ gezogen. Der robuste Baum liefert ab Ende Juli mittelgroße, runde, goldgelbe Früchte mit rötlicher Backe und fruchtigem Aroma.
  • Reiche MirabellenernteFoto: L.Bouvier/Adobe Stock‘Herrenhäuser Mirabelle’ (auch ‘Herrenhäuser Doppelte Mirabelle’): Eine bereits 1875 von Eduard Lucas und Johann Oberdieck beschriebene Sorte, die Anfang September reift und über 3 cm große Früchte liefert. Sie lösen sich gut vom Stein, sind fest, oval und goldgelb.
  • ‘Mesnil-Mirabelle’ (auch ‘Mirabelle de Mesnil’): Ihre ab Anfang August reifenden Früchte sind gelborange und knapp 3 cm groß.
  • ‘Metzer Mirabelle’ (auch ‘Kleine Mirabelle’, ‘Lerchenei’, ‘Wiener Mirabelle’, ‘Syrische Pflaume’): Gilt als älteste Mirabellensorte und wurde erstmals 1675 beschrieben. Sie trägt etwa 2 cm große, goldgelbe, süße und sehr aromatische Früchte, die gut vom Stein lösen.
  • ‘Oktober-Mirabelle’ (auch ‘Bricette’, ‘Mirabelle d’Octobre’ und ‘Tardive’): Die etwa 2,5 cm großen, gelborangen, runden Früchte der alten französischen Sorte haben gelbes, saftiges, süßes Fleisch, das sich schlecht vom Stein löst. Sie reifen erst Anfang Oktober.
  • ‘Pointue-Mirabelle’ (auch ‘Spitze Mirabelle’): Sie stammt aus der französischen Maas-Region und schmeckt sehr aromatisch-süß. Auffallend ist die spitz zulaufende Fruchtform.
  • ‘September-Mirabelle’ (auch ‘Mirabelle Parfumée de Septembre’): Die alte französische Sorte unbekannter Herkunft reift Anfang September. Sie ist ertragreich, die gelben, runden, 3 cm gro­ßen Früchte sind saftig-süß.
Mirabellen-Kreuzungen

Im Pflanzenhandel werden immer wieder vermeintliche Mirabellen-Aprikosen-Abkömmlinge angepriesen. Dabei ist die seit über 60 Jahren bekannte ‘Mi­rakose’ keine Mirabellen-Aprikosen-Hybride, sondern ging aus der Kreuzung zwischen ‘Mirabelle von Nancy’ und ‘Victoria-Pflaume’ hervor. Auch die schon eher wie eine Aprikose aussehende und seit 30 Jahren verbreitete Kreuzung ‘Aprimira’ ist keine Aprikosen-Hy­bride, sondern ein Sämling der ‘Herrenhäuser Mirabelle’, die Pollen stammen vermutlich von einer Zwetschensorte.


Anfang der 1990er Jahre kamen zwei weitere Pflaumen-Mirabellen-Kreuzungen in den Handel: ‘Bellamira’ (‘Cacaks Beste’ x ‘Nancy-Mi­rabelle’) und ‘Miragrande’ (‘Herrenhäuser Mirabelle’ x ‘Yellow Prune’). Zu den jüngeren Pflaumen-Mirabellen-Kreuzun­gen gehört ‘Miroma’, eine große, aromati­sche, rotbackige Mira­belle mit sehr hohem Zuckergehalt.

MyrobalaneFoto: Iurii Kachkovskyi/Adobe StockNicht verwechseln!

Die Früchte von Mirabelle und Gelbfrüchtiger Myrobalane (Prunus cerasifera, auch Kirschpflaume) ähneln sich auf den ersten Blick in Form, Farbe und Größe. Es gibt aber Unterschiede: Die Schale der Myrobalane (Foto) ist glatter und glänzender. Zudem schmeckt sie säuerlich mit wenig Aroma, und der Stein löst sich kaum vom Fruchtfleisch. So werden Myrobalanen meist als Unter­lage und nicht zur direkten Obstproduktion genutzt.


Dr. Helga Buchter-Weisbrodt