- Pflanzenporträts
Maulbeerbäume für kleine Gärten
Foto: Natalia/Adobe Stock
Ein viel zu selten gepflanztes Obstgehölz ist der Maulbeerbaum (Morus). Pflanzen dieser Gattung stammen zwar aus fernen Regionen wie dem Nahen Osten, Ostasien und Nordamerika, aber sie werden schon seit vielen Jahrhunderten in Mitteleuropa erfolgreich kultiviert.
Seit dem Altertum baute man verschiedene Sorten des Schwarzen Maulbeerbaums (Morus nigra) wegen seiner Früchte an. Später kamen Pflanzen des Weißen Maulbeerbaums (Morus alba) dazu, der aus Ostasien stammt und dort genau wie später in Europa zur Seidenraupenzucht verwendet wurde. Der Schwarze Maulbeerbaum ist relativ frostempfindlich und eignet sich daher besonders fürs Weinbauklima, während der Weiße Maulbeerbaum etwas frosthärter ist.
Maulbeerbäume zeichnen sich durch ihre Schnittverträglichkeit aus, besonders aber durch ihre Toleranz gegenüber Hitze und Trockenheit. Geben Sie Ihrem Maulbeerbaum im Garten einen möglichst sonnigen, warmen und geschützten Platz mit durchlässigem Boden. Staunässe vertragen Maulbeerbäume nicht, während sie mit mageren, sandigen Böden zurechtkommen.
Große Vielfalt
Foto: emberiza/Adobe StockMaulbeerbäume wachsen baumartig oder als große Sträucher. Ihre Früchte erinnern an Brombeeren – manche bleiben weiß, andere werden rot oder schwarz, selbst beim Weißen Maulbeerbaum. Der Geschmack der vollreifen Früchte ist sehr süß und mild.
Da sie selbstfruchtbar oder jungfernfrüchtig sind, brauchen Maulbeerbäume keine andere Sorte als Bestäuber. Ihre weißen Blüten sind unscheinbar und meist einhäusig, also mit männlichen und weiblichen Blüten an derselben Pflanze. Allerdings gibt es auch rein männliche Exemplare, die keine Früchte tragen, und manche Sorten sollen rein weiblich sein und ohne Bestäubung parthenokarpe Früchte tragen.
Es werden etliche stark wachsende Sorten des Schwarzen Maulbeerbaums wie ‘Mora’ und ‘Black Bombastic’ oder des Weißen Maulbeerbaums wie ‘Dolce Vita’ oder ‘Shades of Red’ angeboten, die von Juni/Juli bis in den Herbst hinein folgernd süße Früchte liefern. Auch Arthybriden wie Morus alba x rubra ‘Illinois Everbearing’ sind auf dem Markt. Sie werden 6–15 m hoch und sind daher eher für das Gemeinschaftsgrün geeignet, lassen sich aber auch durch Schnitt im Höhenwachstum begrenzen.
Foto: Häberli
Trauer-Maulbeerbaum ‘Pendula’
Zwerg-Maulbeerbäume
Mittlerweile gibt es aber auch mehrere kompakt wachsende Maulbeerbaumsorten, die gut für den Kleingarten geeignet sind. Die bekannteste ist die Zwerg-Maulbeere ‘Mojo Berry’, (Morus rotundiloba), auch als ‘Charlotte Russe’ im Handel, die nur etwa 2 m hoch wird und von Juni bis Oktober reichlich dunkelrote bis schwarze Früchte ansetzt. Ihr Geschmack wird allerdings unterschiedlich bewertet, manchen Aussagen zufolge bilden sie weniger Aroma als andere Maulbeeren. Ähnlich schwach wachsen die Sorten des Weißen Maulbeerbaums ‘Gerardi Dwarf’ und ‘Sisiphus Everbearing’, die von Mitte Juli bis Oktober süße, schwarzrote Früchte tragen.
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Zwerg-Maulbeerbaum ‘Mulle’
Eine etwas stärker wachsende Zwergsorte ist der Koreanische Zwerg-Maulbeerbaum ‘Mulle’ (Morus acidosa) aus Schweden, der etwa 3–4 m hoch wächst und von Juli bis September schwarz bis rot gefärbte, große Früchte liefert.
Ein Sonderfall, was den Wuchs angeht, ist der Trauer-Maulbeerbaum ‘Pendula’ (Morus alba). Seine Zweige hängen schirmförmig bis zum Boden herab. Diese Sorte wird veredelt, sodass sich die Stammhöhe durch die Veredelung definieren lässt und je nach Bedarf Wuchshöhen von 2–6 m möglich sind.
Wer Früchte ernten möchte, sollte vorsichtig mit der Zwergsorte ‘Nana’ des Weißen Maulbeerbaums sein, denn von ihr soll ein Teil der Pflanzen männlich sein und somit keine Früchte ansetzen.
Heinrich Beltz
Landwirtschaftskammer Niedersachsen,
Niedersächsische Gartenakademie