- Kleingartenwesen
Ernten statt ackern – Kleingärtnerische Nutzung mit wenig Aufwand
Foto: Smole/Adobe Stock
Rasengräser für gutes Gemüse: Mulch hält Beikräuter in Schach.
Wer einen Kleingarten pachtet, stößt früher oder später auf den Begriff „kleingärtnerische Nutzung“. Klingt erstmal bürokratisch, oder? Aber dahinter steckt etwas ganz Einfaches: Es geht darum, den Garten so zu nutzen, wie es das Bundeskleingartengesetz vorsieht – nämlich zur Erholung und zum Anbau von Obst, Gemüse und Kräutern für den Eigenbedarf. Kein reiner Ziergarten also, kein Mini-Freizeitpark, sondern ein Stück Grün, das uns und unserer Familie gesunde Lebensmittel und Freude schenkt.
Was gehört dazu?
- Eigenversorgung: Ein Teil der Fläche (meist etwa ein Drittel) sollte für Nutzpflanzen reserviert sein. Das können Kartoffeln, Tomaten, Gurken, Salate, Kräuter oder Erdbeeren sein. Auch Obst wie Apfel, Birne, Quitte, Johannis-, Stachel- und Brombeeren gehören dazu.
- Erholung: Natürlich darf auch eine Sitzecke, ein Grillplatz oder ein Blumenbeet dabei sein – schließlich soll der Garten ein Ort zum Abschalten und Erholen sein. Dieser Teil der Nutzung ist wichtig und gewünscht, gern gemeinsam mit den Gartennachbarn!
- Dazu kann ein Garten gärtnerisch sehr vielfältig genutzt werden. Ein- oder mehrjährige Insektenweiden, Trocken- und Feuchtbiotope, Rasenflächen – gern mit blumigen Inseln, Staudenbeete und Ziersträucher ergeben ein vielfältiges Stück Grün.
- Wichtig: Keine gewerbliche Nutzung, Verkaufen ist tabu. Es geht um den privaten Genuss, den man aber sehr gern mit der Familie und den Nachbarn teilen darf.
Wie geht das mit wenig Zeit?
Viele schrecken davor zurück: „Ich habe doch keine Zeit für einen Selbstversorger-Garten!“ Aber keine Sorge – es geht auch einfach und stressfrei. Hier ein paar Tipps:
- Klein anfangen: Statt gleich 20 Sorten anzubauen, starten Sie mit pflegeleichten Klassikern wie Zucchini, Radieschen oder Kräutern. Die wachsen fast von allein. „Exoten“ benötigen viel Aufmerksamkeit, an diese kann man sich trauen, wenn der „grüne Daumen“ eingeübt ist.
- Beerensträucher pflanzen: Johannisbeeren, Himbeeren oder Stachelbeeren brauchen recht wenig Pflege. Bei gutem Boden und einem regelmäßigen Schnitt liefern sie jahrelang leckere Früchte.
- Hochbeet nutzen: Es spart Platz, schont den Rücken und hält manchmal Schnecken fern. Ideal für Salate, Paprika, Chili, Einlegegurken oder Zucchini, wenn der Platz dafür ausreicht.
- Mulchen statt jäten: Eine Schicht Grasschnitt hält Beikräuter in Schach und spart zusätzlich Wasser. Die Nährstoffversorgung des Bodens wird auch gestützt.
- Bewässerung mit Technik: In den warmen und trockenen Jahreszeiten kann das Gießen zur Last werden. Wenn Ihnen die Zeit für das effektive Wässern mit der Gießkanne fehlt, können Sie sich technische Unterstützung holen: Ein einfacher Tropfschlauch oder ein Bewässerungssystem nimmt Ihnen viel Arbeit ab.
- Misch- statt Monokultur: Pflanzen Sie Gemüse und Blumen zusammen – das sieht schön aus und hält Schädlinge fern. Pflanzenpartnerschaften sind eine prima Möglichkeit, den Einsatz von Pflanzenschutz zu minimieren.
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Ein Hochbeet vereinfacht den Salatanbau.
Warum lohnt sich das?
Neben frischem Gemüse und Obst gibt es noch einen Bonus: Wer seinen Garten kleingärtnerisch nutzt, erfüllt die Vorgaben aus dem Pachtvertrag. Außerdem macht es einfach Spaß, die eigene Ernte zu genießen – und das Gefühl, etwas selbst angebaut zu haben, zu ernten und zu genießen ist unbezahlbar.
Also, liebe Gartenfreunde: Lasst uns die Tradition der Kleingärten bewahren, ohne uns zu stressen. Mit ein paar Beerensträuchern, einem Hochbeet und ein bisschen Liebe zum Grün sind Sie schon auf dem richtigen Weg. Und wenn mal etwas nicht klappt – kein Problem. Im Kleingarten geht es nicht um Perfektion, sondern um Gemeinschaft und Freude am Grün. Packen wir’s an – für mehr Genuss und weniger Bürokratie im Garten!
Thomas Kleinworth
Bundesfachberater, Geschäftsführer und
Fachberater des Landesverbandes der
Kleingartenvereine Schleswig-Holsteins