- Kleingartenwesen
Der Tag des Gartens 2026
Fotos: C. Neupert/LNG
Zahlreiche Gäste kamen zur zentralen Veranstaltung in den Lehr- und Versuchsgarten des LV Braunschweig.
Der Tag des Gartens verwandelte den Lehr- und Versuchsgarten des Landesverbands Braunschweig in einen lebendigen Begegnungsort. Unter dem Motto „Niedersachsen blüht auf – stadtnah. naturnah. menschennah.“ luden die drei niedersächsischen Landesverbände – Braunschweig, Niedersachsen und Ostfriesland – zur zentralen Festveranstaltung ein. Das war mehr als nur ein Gartenfest: ein politisches Signal, ein Dankeschön an Tausende Ehrenamtliche und ein Bekenntnis zur gesellschaftlichen Bedeutung des Kleingartenwesens in Zeiten des Klimawandels.
Gastgeber Ralf Tessensohn richtete klare Forderungen an die Politik.
Ralf Tessensohn, Präsident des Landesverbands Braunschweig, eröffnete die Veranstaltung mit einer Rede, die nachdenklich stimmte und zugleich Zuversicht ausstrahlte. „Kleingärten sind längst kein ‚nice to have‘ mehr – sie sind systemrelevant für eine lebenswerte, gesunde und widerstandsfähige Stadt“, machte er gleich zu Beginn deutlich.
Er erinnerte an eine Studie der Technischen Universität Berlin, nach der Kleingartenanlagen gegenüber dem städtischen Umfeld einen Kühlungseffekt von rund 3 °C erzielen, und betonte die soziale Dimension: „Einsamkeit ist nicht nur eine persönliche Belastung, sondern kann auch gesellschaftlich gefährlich werden.“ Kleingärten stifteten Gemeinschaft und förderten demokratische Teilhabe – das Motto des letzten Landeswettbewerbs und aktuellen Bundeswettbewerbs bringe es auf den Punkt: „Cool und gemeinsam statt hitzig und einsam.“
Zugleich richtete Tessensohn klare Forderungen an die Politik: Die drei niedersächsischen Landesverbände erhalten für Aus- und Fortbildungsaufgaben derzeit zusammen 65.000 Euro jährlich vom Land – ein Betrag, der seit 2016 nicht angepasst wurde und angesichts von 580 Vereinen, fast 6000 Ehrenamtlichen und mehr als 60.000 Mitgliedern längst nicht mehr ausreicht.
„Frau Ministerin Staudte, wir bitten Sie nachdrücklich, sich dafür einzusetzen, dass die Finanzmittel für die notwendige Aus- und Fortbildung weiterhin bereitgestellt und angemessen erhöht werden“, sagte er mit Nachdruck. Auch die marode Infrastruktur in vielen Anlagen sprach er an: Investitionen in Wege, Strom- und Wasserleitungen seien Investitionen in Hitzeschutz und Umweltbildung.
Der Tag des Gartens
Seit über 40 Jahren lädt dieser bundesweite Tag des Gartens dazu ein, die Vielfalt des Kleingartenwesens zu entdecken. Auf Initiative des Bundesverbandes der Kleingartenvereine Deutschlands (vormals BDG) wird der Tag des Gartens seit 1984 immer am zweiten Sonntag im Juni gefeiert. Er macht sichtbar, welchen Beitrag Kleingärten für das Wohlbefinden von Mensch und Natur in Stadt und Land leisten. Der Tag bietet eine wunderbare Gelegenheit, Kleingärten und Anlagen in ganz Deutschland noch stärker als sonst für Interessierte zu öffnen, zu Aktionen einzuladen, Einblicke zu ermöglichen und den Austausch zu fördern.
Ehrenamt als Rückgrat
Hansjörg Kefeder, Präsident des Landesverbandes Niedersachsen, hob die soziale Tragweite des Kleingartenwesens hervor: Die Vereine seien Orte des Zusammenhalts für Menschen unterschiedlichster Herkunft. Besonders würdigte er die Leistung der ehrenamtlichen Vorstände, die sich im Pacht- und Satzungsrecht auskennen, Finanzen verwalten und Fachberatung organisieren müssen – und dabei nicht selten Undankbarkeit in Kauf nehmen. Diese Menschen trügen das Kleingartenwesen und verdienten tatkräftige Unterstützung durch Verbände, Politik und Gesellschaft.
Foto: Rothe/BKDDirk Sielmann, Präsident des Bundesverbands der Kleingartenvereine Deutschlands (BKD), unterstrich die bundespolitische Dimension: Die Kleingärtnerverbände seien starke und verlässliche Partner für die Politik auf kommunaler, Landes- und Bundesebene; ihre Verankerung im Bundeskleingartengesetz sei Ausdruck einer gesellschaftlichen Funktion. Sein Appell richtete sich auch an die Bewegung selbst: Sichtbarkeit zeigen und das Potenzial der bundesweit über eine Million Kleingärten offensiv einbringen.
Gute Nachbarschaft
Braunschweigs Bürgermeisterin Annegret Ihbe (SPD) unterstrich die enge, über Jahre gewachsene Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kleingartenwesen – von Stadtbegrünung über Bildungsprojekte bis hin zu gemeinsamen Veranstaltungen. Diese Zusammenarbeit sei Ergebnis von Vertrauen und kontinuierlichem Austausch auf Augenhöhe.
Kleingärten seien grüne Lungen mitten in der Stadt, die Lebensqualität schafften, wo Versiegelung zunehme. Besondere Anerkennung fand der Lehr- und Versuchsgarten als Ort des Wissenstransfers und der Umweltbildung – ein Vorzeigeprojekt mit Strahlkraft über die Stadtgrenzen hinaus.
Einladung zum Dialog
Niedersachsens Agrarministerin Miriam Staudte (Bündnis90/Die Grünen) würdigte das Engagement der Kleingärtnerinnen und Kleingärtner: Sie leisteten täglich einen Beitrag zum Klimaschutz, zur Biodiversität und zum sozialen Zusammenhalt – oft unsichtbar, immer unverzichtbar. Sie hob die Bedeutung urban-grüner Flächen für das Stadtklima hervor und lud die niedersächsischen Landesverbände ausdrücklich zum Dialog ein – ein Angebot, das die Verbände mit großer Freude aufnahmen.
Ein Baum für die Zukunft
Höhepunkt der Eröffnung war die gemeinsame Pflanzung einer Mispel.
Höhepunkt der Eröffnung war die gemeinsame Pflanzung eines Zukunftsbaumes, einer Mispel. Tessensohn hatte den Moment vorbereitet: „Heute pflanzen wir nicht nur einen Baum. Wir pflanzen auch ein Zeichen der Verantwortung und des Vertrauens in die Zukunft.“ Gemeinsam griffen Ralf Tessensohn, Hansjörg Kefeder, Wilm Renneberg als Vertreter des Landesverbands Ostfriesland, Dirk Sielmann und Ministerin Staudte zur Schaufel – ein Baum als lebendiges Zeichen der Verbundenheit von Landespolitik, Bundesverband und den drei niedersächsischen Landesverbänden.
Tatkräftig dabei (v.l.): Hansjörg Kefeder (Präsident LV Niedersachsen), Ralf Tessensohn (Vorsitzender LV Braunschweig), Miriam Staudte (Agrarministerin Niedersachsen), Annegret Ihbe (Bürgermeisterin Braunschweig), Dirk Sielmann (Präsident BKD), Wilm Renneberg (Vorsitzender LV Ostfriesland)
„Möge dieser Baum kräftig wachsen, tiefe Wurzeln schlagen und viele Jahrzehnte lang ein sichtbares Zeichen für Verantwortung, Gemeinschaft und Zuversicht sein“, schloss Tessensohn.
Fachwissen zum Anfassen
Stündlich führten Fachberaterinnen und Fachberater durch den Lehr- und Versuchsgarten. Die Themen reichten von naturnahem Gärtnern über Wassersparen bis zur Klimaanpassung. Bei Mitmachaktionen wurden Behausungen für Wildbienen und Ohrwürmer gebaut, fachlich begleitet vom NABU.
Einen besonderen Akzent setzte die Kooperation mit dem Projekt „Karbonara“, das das Pyrolyseverfahren zur Herstellung von Pflanzenkohle vorstellte: Nach dem Terra-Preta-Prinzip verbessert die in den Boden eingebrachte Pflanzenkohle die Bodenstruktur und Wasserspeicherung, fördert das Bodenleben und bindet dauerhaft Kohlenstoff.
Netzwerk mit Tiefgang
Aktuelle Projekte zur Artenvielfalt präsentierte der BKD, das Kleingartenmuseum Leipzig zeigte die lange Geschichte des Kleingartenwesens. Mit dem Bundes- und Landesverband der Schreberjugend sowie dem Lerngartennetzwerk Hannover waren zudem wichtige Partner der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Bildungsvernetzung präsent.
Dank an die im Hintergrund
Möglich wurde dieser Tag vor allem durch den unermüdlichen Einsatz zahlreicher ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer. Tessensohn fand dafür die richtigen Worte: „Es wurde geplant, geschnitten, geharkt, gepflanzt, repariert, vorbereitet und organisiert – oft still im Hintergrund und selbstverständlich ehrenamtlich. Genau darin zeigt sich, was das Kleingartenwesen ausmacht: Gemeinschaft, Verantwortung und die Freude daran, gemeinsam etwas für die Gemeinschaft zu schaffen.“
Kleingärten als Bausteine
Der Tag des Gartens 2026 hat gezeigt, was möglich ist, wenn Verbände, Politik, Bildungseinrichtungen und Zivilgesellschaft mit einem gemeinsamen Ziel zusammenfinden: Kleingärten als grüne Infrastruktur, soziale Räume und Bildungsorte zu stärken. Das Kleingartenwesen ist kein Randthema der Stadtentwicklung, sondern ein zentraler Akteur für klimaresiliente Städte und Gemeinden – heute und in Zukunft. Und Niedersachsen blüht auf.
„Kleingärten für Biologische Vielfalt“
Wie sieht ein Kleingarten aus, in dem Obst und Gemüse gedeihen und in dem viele Insekten, Wildtiere und Wildpflanzen ein Zuhause finden? Diese und viele weitere Fragen wurden am Stand des Projekts „Kleingärten für Biologische Vielfalt“ vom BKD und dem Deutsche Schreberjugend Bundesverband beantwortet. Das Poster des biodiversitätsfreundlichen Kleingartens und weitere spannende Materialien und Aktionen fanden großen Anklang bei großen und kleinen Gartenfreundinnen und -freunden.
Mehr unter: www.kleingaerten-biologische-vielfalt.de
Guido Beneke
Geschäftsführer des Landesverbandes
Niedersächsischer Gartenfreunde