- Kleingartenwesen
Der ökologische Nutzen von Kleingärten
Bienen, Boden, Biotop
Foto: Flora Press/Klaphake, Ute
Kleingärten tragen zum Schutz der biologischen Vielfalt bei.
Dieser Sommer war extrem heiß und trocken – allerorts fehlte der Regen. In Deutschland wurden neue Hitzerekorde erreicht, Flüsse und Bäche trockneten aus, und in zubetonierten Innenstädten wurde es unerträglich heiß. Eine Belastung für Mensch und Natur und natürlich auch für uns Gärtnerinnen und Gärtner eine echte Herausforderung.
Für Entlastung sorgten da die Kleingärten. Mit ihren „Ökosystemleistungen“ tragen sie zum Wohlergehen der Stadtgesellschaft bei. Sie fördern nicht nur ein gutes Stadtklima, erzeugen saubere Luft oder sorgen für eine gute Wasserregulierung, sie fördern auch die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen und bieten Räume für Naturerfahrung. Außerdem leisten Kleingartengebiete durch ihre vielfältigen Bepflanzungen einen entscheidenden Beitrag zur Artenvielfalt und zur Bodenfruchtbarkeit.
Grüne Klimaanlagen
Gerade in aufgeheizten Städten bieten die Kleingärten Abkühlung. Selbst kleinere Grünflächen können die Temperatur bereits um 3–4 °C im Vergleich zur bebauten Umgebung senken. Ein Hektar bewachsener Boden mit optimalem Wasservorrat verdunstet zusammen mit der Vegetation pro Jahr rund 5000 m3 Wasser. Durch diese Ökosystemleistung sinkt die Lufttemperatur schon um bis zu 5 °C. Zudem spenden die Bäume in den Kleingärten zusätzlich Schatten.
Schreitet der Klimawandel voran, steigt die Gefahr von extremer Trockenheit oder Starkregenereignissen. Ein kluges Wassermanagement ist daher vonnöten. Auch hier sind Kleingärten unsere Helfer, denn Böden können Regenwasser schnell aufnehmen, große Mengen speichern und den Pflanzen später zur Verfügung stellen.
Böden mit hohem Humusgehalt können zum Beispiel 200–400 l/m2 aufnehmen. Vorteil der Regenwasserversickerung ist die Entlastung des örtlichen Kanalnetzes und der Kläranlagen. Damit einher gehen geringere Kosten für die Allgemeinheit, eine sinkende Hochwasser- und Überflutungsgefahr, der Schutz von Fließgewässern und der Beitrag zur Sicherung des Grundwasservorrates und somit der Trinkwasserversorgung.
Effektive CO2-Speicher
Aber Böden können noch mehr: Kleingärten sind aufgrund der hohen Humusgehalte in den Böden Spitzenreiter bei der natürlichen CO2-Speicherung. Sie können bis zu 19,6 kg/m2 CO2 im Jahr speichern und sind damit echte Klimaschützer.
Foto: picture alliance/imageBROKER/Wolfgang Diederich
Gute CO2-Speicher: Böden in Kleingärten enthalten besonders viel Humus.
Erhöht wird der Humusanteil vor allem durch den dauerhaften Eintrag organischer Substanzen, zum Beispiel durch Mulchen. Naturnahe Bodennutzung und Kompostwirtschaft fördern entsprechend den Aufbau von organischem Material, den Nährstoffkreislauf sowie die CO2-Speicherung. Je höher der Gehölzanteil in einem Garten ist, umso mehr CO2 wird dauerhaft gespeichert.
Grüne Oasen
Über ihre regulierenden Ökosystemleistungen helfen die Stadtnatur insgesamt und die Kleingärten im Besonderen dabei, multiple Belastungen zu reduzieren. So binden die Pflanzen Feinstaub und weitere Luftschadstoffe, wie Kohlenstoffoxide, Schwefel- und Stickstoffdioxid und Ozon.
Pflanzen sind somit Barrieren für die Ausbreitung verkehrsbedingter Luftschadstoffe. Zu den wichtigsten Ökosystemleistungen gehören auch die Artenvielfalt, die Bestäubung von Pflanzen und die natürliche Schädlingsbekämpfung.
Kleingärten sind grüne Oasen und tragen aktiv zum Schutz der biologischen Vielfalt bei, wenn sie naturnah bewirtschaftet werden und vielfältig bepflanzt sind. Sie gelten als Hotspots der Artenvielfalt und Rückzugsgebiete für viele Tier- und Pflanzenarten, deren Bestand gefährdet ist. Dort finden Tiere und Pflanzen Rückzugsräume, die in Stadt und Land selten geworden sind – zumal sie sich über diese Verbindungselemente zwischen Lebensräumen wieder ausbreiten können.
Das zeigt: Kleingärten können wesentlich mehr, als nur Obst und Gemüse zu erzeugen. Wollen wir unsere Umgebung ökologisch und klimaresilient gestalten, sind Kleingärten unverzichtbar!
Dr. Maike Schaefer
Abteilungsleitung Organisationsentwicklung
des Landesverbandes der Gartenfreunde Bremen