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Pflanzen richtig düngen

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Schafwolldünger mit LangzeitwirkungFoto : Koch Schafwolldünger haben eine besondere Langzeitwirkung.

Ihr Kohl wächst nicht richtig? Die Zitronenpflanze im Kübel zeigt Blattaufhellungen an den jüngsten Blättern? Und auch Ihre drei Beerensträucher sahen im Blattaustrieb und in der Blüte schon mal besser aus als in diesem Frühjahr? Das alles könnte an fehlenden Nährstoffen liegen, die Sie Ihren Pflanzen über eine gezielte Düngung schnell verabreichen sollten.

Allerdings sind Mangelsymptome an den Blättern je nach Pflanzenart recht unspezifisch – selbst Fachleute sind sich manchmal uneins darüber. Vorab sollten Sie daher eine Bodenprobe nehmen und diese an ein Bodenlabor senden. Der Untersuchungsbefund der Bodenprobe hilft Ihnen dabei, sich vor dem Düngerregal im Gartencenter zurechtzufinden. Was fehlt Ihren Pflanzen – nur Stickstoff oder auch andere Nährstoffe?

Schnelle Düngewirkung

Für einen schnellen Düngeeffekt nehmen Sie am besten einen flüssigen Universaldünger, der sowohl in mineralischer als auch in organischer Form im Handel erhältlich ist. Diesen mischen Sie entsprechend der Herstellerempfehlung auf der Verpackung dem Gießwasser bei.

FlüssigdüngerFoto: Iryna/Adobe Stock Für den schnellen Düngeeffekt: Flüssigdünger 

Wenn Sie ein geschultes Auge für Man­gelsymptome an Ihren Pflanzen haben, bietet sich auch der Einsatz spezieller Einzelnährstoffdünger an, die allerdings meist nur als mineralische Nährsalze vor­liegen und dem Boden fest oder in Wasser aufgelöst flüssig zugegeben werden. Stickstoffmangel erkennt man beispielsweise an einer Blattaufhellung der älteren Blätter und er lässt sich auch gut über eine Bodenuntersuchung auf Stickstoff abklären.

Hellgelbe Blattflächen können aber auch durch einen Eisenmangel entstehen, der dann an den jüngsten Blättern zu sehen ist. Typischerweise bleiben dabei die Blattadern zunächst noch grün. Extra Gaben mit speziellen Eisendüngern über das Blatt schaffen hier schnelle Abhilfe.

Wie, was und wann?

Am besten ist es natürlich, wenn Ihre Pflanzen wohlversorgt sind und erst gar nicht in einen Mangelbereich kommen. Jetzt einfach mal losdüngen, nach dem Motto „viel hilft viel“, ist aber auch nicht zu empfehlen, denn zu hohe Düngergaben führen schnell zu Wurzel- bis hin zu Blattverbrennungen.

Vorteile organischer Dünger

  • Organische Dünger bestehen aus natürlichen Rohstoffen tierischen und/oder pflanzlichen Ursprungs und enthalten neben den Hauptnährstoffen auch wichtige Spurenelemente.
  • Sie wirken nicht sofort, sondern werden erst durch Mikroorganismen pflanzenverfügbar gemacht – es entsteht eine gute universelle Langzeitwirkung für alle Gartenpflanzen, auch für Ihren Rasen.
  • Das Risiko einer Auswaschung bis in das Grundwasser oder Überdüngung ist somit nur gering, da die Nährstofffreisetzung organischer Dünger der Entwicklung des Nährstoffbedarfs der meisten Gemüsekulturen ähnelt.
  • Neben der Düngewirkung werden durch organische Dünger das Bodenleben und die Humusbildung nachhaltig gefördert.


Um eine Auswaschung von Nährstoffen ins Grundwasser zu vermeiden, ist es sinnvoll, nur in der Vegetationsperiode von März bis spätestens Oktober zu düngen. Haben Sie im zeitigen Frühjahr bereits Kompost oder Stallmist ausgebracht, dann ist Ihr Boden in der Regel vollständig mit Phosphor und Kali sowie weiteren Spurennährstoffen versorgt. Denn bereits 6 l/m2 Komposterde im Gemüsebeet reichen aus, um den Bedarf Ihrer Kulturpflanzen an Phosphor und Kali für zwei bis drei Jahre zu decken.

Eine Ergänzungsdüngung ist dann oft nur für Stickstoff nötig, den Sie am besten kurz vor der Aussaat oder Pflanzung ausbringen, z.B. organisch mit gedämpften Horndüngern. Je nach Fraktion als Mehl, Gries oder Späne erhalten Sie eine unterschiedlich schnelle Stickstofffreisetzung. Bei der Anzucht von mittelstark- bis starkzehrenden Gemüsepflanzen werden dem Boden besonders viele Nährstoffe entzogen. Hier können Sie das Ausbringen noch einmal kulturbegleitend spätestens bis drei Wochen vor der Ernte wiederholen. Feste Dünger werden dabei rund um die Pflanzen gestreut und flach in die Gartenerde eingearbeitet.

SchafwolldüngerFoto : KochIn Pellets verpresst bieten auch Schafwolldünger als Stickstofflieferanten eine besondere Langzeitwirkung. Als „Feuerwehr“ sind sie aber aufgrund einer zunächst abzubauenden Fettummantelung und einem daraus resultierenden späten Freisetzungsbeginn von bis zu zwei Wochen eher ungeeignet. Seit Kurzem befindet sich ein neuer organischer Stickstoffdünger in der Erprobungsphase, der aus Strukturproteinen – sogenannten Kollagenen – aus der Haut von Rindern hergestellt wird. Dieser Dünger liegt mit 12 % Stickstoffgehalt in verschiedenen Pellet-Korngrößen und somit als Kurz-, Mittel- oder Langzeitdünger vor. Und wer vegan düngen möchte, dem sei gesagt: Auch pflanzliche Düngemittel mit nennenswertem Stickstoffanteil sind im Düngerregal zu finden, die aber weniger Stickstoff enthalten als ihre tierischen Vertreter.

Sinnvolle Spezialdünger

Auch wenn viele Produktdifferenzierungen im Düngerregal zunächst als reine Marketingmaßnahme erscheinen, gibt es doch eine Reihe von Spezialdüngern, deren Verwendung durchaus Sinn ergibt. Pflanzen mit solchen Extrawünschen sind z.B. Moorbeetpflanzen wie Rhododendren, Azaleen oder auch Heidelbeeren, die in saurem Boden wachsen. Sie benötigen einen Dünger, der den pH-Wert des Bodens niedrig hält, sogenannte Rhododendron-Dünger.

Blaue Hortensien sind besonders anspruchsvoll: Sie behalten ihre blauen Blüten nur, wenn nach der Pflanzung im Garten in ein saures Milieu auch ein spezieller Aluminiumdünger eingesetzt wird. Die Zugabe von Kompost ist hier nicht zu empfehlen, da dieser allgemein den pH-Wert des Bodens leicht anhebt. Zitruspflanzen und viele Balkonblumen wie Petunien oder Zauberglöckchen benötigen sortenabhängig eine extra Portion Eisen, und die steckt in speziellen Zitrusdüngern. Hier ist es gut und sinnvoll, dass der Handel speziell für Neueinsteiger derartige Produkte bereithält.
 

Bodenprobe nehmenFoto: Flora Press/gartenfoto Bevor Sie einfach drauflos düngen: Nehmen Sie eine Bodenprobe! 

Bodenprobe ziehen

Eine Bodenprobe gibt Auskunft über den aktuellen Nährstoffgehalt Ihres Bodens und ist deshalb für eine intensive Nutzung Ihrer Beet- oder Rasenflächen dringend zu empfehlen. Staatliche und private Bodenlabore analysieren Proben auf Bodenart, Humusgehalt, pH-Wert inkl. der notwendigen Kalkstufe und Nährstoffgehalte, auf Anfrage auch auf bestimmte Schadstoffe im Boden. Am besten führen Sie die Probe in der vegetationsfreien Zeit durch.

Das hierfür notwendige Material nehmen Sie von einer einheitlich ge­nutzten Fläche im Gemüsebeet oder Rasen. Hier entnehmen Sie Erde mit einem Bohrstock oder einem Spaten an zwölf bis 15 verschiedenen Stellen, etwa 30 cm tief. Vermischen Sie die Erde in einem Eimer, wiegen Sie 250 g ab und füllen Sie diese Menge in eine beschriftete Plastiktüte. Auf einem Formular des Labors sollten Sie die Nutzungsart notieren, wenn Sie neben den Analysenwerten auch eine individuelle Düngeempfehlung wünschen. Die Kosten für eine Standardanalyse lie­gen je nach Labor bei etwa 30 bis 35 Euro.

Untersuchungsbefund einer BodenprobeQuelle: Koch

Untersuchungsbefund verstehen

Der Untersuchungsbefund gibt Auskunft darüber, ob eine Unter- oder Überversorgung mit Nährstoffen wie Phosphor, Kalium und Magnesium vorliegt. Abhängig von der Bodenart werden die vorliegenden Nährstoffgehalte im Boden in Gehaltsklassen von A (sehr niedrig) bis E (sehr hoch) eingeteilt. Gehaltsklasse C beschreibt den anzustrebenden Gehalt in mg pro 100 g Boden. Bei den Gehaltsklassen A und B kann mit diesem Wissen gezielt das Düngemittel gewählt werden, das genau die gewünschten Nährstoffe enthält, die benötigt werden.

Das Ziel ist eine gleichbleibend gute Grundversorgung des Bodens. Da sich die Gehalte von Phosphor, Kali und Magnesium im Boden recht langsam ändern, ist für diese Nährstoffe nur ca. alle vier bis fünf Jahre eine Bodenprobe notwendig. Der Stickstoff nimmt eine Sonderrolle ein, da dieser Nährstoff im Boden sehr mobil ist. Der Gehalt an pflanzenverfügbarem Stickstoff im Boden kann sich innerhalb weniger Wochen je nach Kultur und Witterung verändern und sollte deshalb am besten jedes Jahr im Frühjahr sowie im Sommer vor einer möglichen Folgekultur untersucht werden.


Robert Koch
Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt
für Gartenbau (LVG) Heidelberg