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Obst gut erzogen - Spaliere

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Spaliere im KleingartenFoto: daseaford/Adobe Stock

Wer Platz sparen möchte und leckeres Obst ernten will, sollte sich mit dem Gedanken befassen, Obstgehölze an Spalieren zu ziehen. Einerseits lassen sich so geeignete Wände begrünen und zur Ernte nutzen, andererseits profitieren die Pflanzen von den günstigen Bedingungen, die Spaliere für die Fruchtreife bieten.

Wände nutzen

Spaliere lassen sich auch an Wänden befestigen, was den Vorteil hat, dass keine Verankerung im Boden nötig ist. Außerdem lässt sich so die abgestrahlte Wärme nutzen, um Pflanzen vor Kälte zu schützen und die Früchte besser reifen zu lassen.

Die hohen Temperaturen bringen jedoch nicht nur Vorteile mit sich: Während Pfirsiche, Weinreben oder Kiwis die Hitze sonniger Südwände gut vertragen, reagieren Apfelbäume, Johannisbeeren oder Himbeeren darauf oft empfindlich. Diese pflanzen Sie daher besser nicht vor Südwände, sondern vor nach Osten oder Westen ausgerichtete Wände oder als frei stehende Spaliere.

Grundsätzlich sollten Sie die Spalierkonstruktion nicht direkt auf der Wand be­festigen, sondern mit etwa 10 bis 20 cm Abstand, um eine gute Hinterlüftung zu gewährleisten. Die Wandgerüste können aus Holzlatten, Metallstäben oder Drähten bestehen, die in den Wänden verankert sind. Weiß gestrichene Lattengerüste wirken recht attraktiv, müssen jedoch regelmäßig neu gestrichen werden, was bei bewachsenen Spalieren umständlich ist. Die Abstände der Stäbe oder Drähte zueinander richten sich nach der Bepflanzung, sie betragen meist zwischen 40 und 60 cm.

Fest verankert

Auch frei stehende Spaliere können Sie sowohl in Nord-Süd- als auch in Ost-West-Richtung aufbauen. Bei Gehölzen wie Apfel, Birne usw. ist eine gute Verankerung im Boden dabei besonders wichtig. Wenn die Pflanzen voll mit Früchten hängen und Sturm aufkommt, wirken erhebliche Kräfte auf das Spalier. Meist werden deshalb Metallträger in Betonfundamenten im Boden eingelassen. 

Für Beerenobst wie Him- oder Johannisbeeren reichen dagegen oft Holzpfähle aus, die Sie direkt in den Boden schlagen. Diese müssen Sie jedoch regelmäßig, etwa alle fünf bis zehn Jahre, austauschen, wenn sie morsch werden. An den Pfosten befestigen Sie Holzlatten oder straff gespannte Drähte. Die Abstände liegen meist zwischen 40 und 60 cm.

Richtigen Halt geben

Die Befestigung der Pflanzen ist ein häufig diskutiertes Thema. Einerseits soll sie dauerhaft und belastbar sein, weshalb sich Kokosstrick, Kabelbinder, Hohlschnur, ummantelter Draht oder Kunststoffband anbieten. Andererseits besteht bei dauerhaftem Material die Gefahr, dass es einschneidet, wenn die Zweige dicker werden. Oberhalb der eingeschnürten Stelle kümmern die Triebe dann oder brechen unter Belastung ab.

Diese Gefahr wird oft unterschätzt, da die Bänder direkt nach dem Befestigen gut sichtbar sind. Mit der Zeit verschmutzen sie jedoch und werden von Algenbelägen überzogen, sodass sie leicht übersehen werden. Empfehlenswert sind daher biologisch abbaubare Bänder, z.B. aus Jute oder Sisal („Strohband“), die nur etwa ein Jahr halten.

Alle Befestigungen sollten Sie mindestens einmal jährlich kontrollieren, am besten beim Frühjahrsschnitt. Bänder, die einzuschneiden drohen, entfernen Sie dann, und solche, die zu wenig Halt geben, erneuern Sie. Jute- oder Sisalbänder ersetzen Sie jährlich, Kokosstricke können – sofern sie nicht einschnüren – auch länger verbleiben.

Aufwand, der lohnt

Obstgehölze an Spalieren zu ziehen, erfordert einen relativ hohen Zeitaufwand für Formung und Schnitt. Diese Erziehungsform bringt jedoch viele Vorteile: Der Aufbau der Pflanzen bleibt locker, sodass Zweige, Blätter und Früchte viel Licht und Luft erhalten und rasch abtrocknen. Das erschwert vielen Pilzkrankheiten und manchen Schädlingen die Ausbreitung, sodass gerade nässeempfindliche Obstarten gesund bleiben.

Darüber hinaus fördern Licht und – an Wänden – Wärme die Reifung sowie die Bildung von Zucker und Aroma. Dadurch intensivieren sich Ausfärbung und Geschmack vieler Früchte. Und nicht zuletzt wirken Spaliere sehr attraktiv, können unschöne Wände begrünen und anstelle von Hecken Gartenräume gliedern. All dies sind gute Gründe, warum Obstgehölze an Spalieren in den letzten Jahren wieder zunehmend beliebter geworden sind.

 

Weinreben und Kiwis

Weinreben können eine erhebliche Größe erreichen, wenn Sie sie nicht schneiden. Im Weinbau hält man sie durch regelmäßigen Schnitt im Winter oder Frühjahr sowie im Sommer relativ klein.

Für den Weinanbau existieren unterschiedliche Erziehungsformen. Häufig werden in etwa 50 cm Höhe zwei Tragruten nach rechts und links gezogen, an denen später die Fruchtruten mit den Trauben wachsen. Diese werden in jedem Frühjahr auf ein bis zwei Knospen zurückgeschnitten. An solchen etwa 2 m hohen Spalieren lassen sich Pflege- und Erntemaßnahmen relativ einfach durchführen.

Weinreben und KiwisFoto: 2xwilfinger/Adobe Stock

Weinreben können je nach Platzangebot und Schnitt aber auch deutlich größer werden. Ohne Schnitt werden sie zudem meist sehr dicht und leiden stärker unter Pilzkrankheiten. Eine weitere Schlingpflanze für Spaliere ist die Kiwi (Actinidia chinensis) sowie ihre frosthärtere Verwandte, die Kiwibeere oder Mini-Kiwi (A. arguta). Auch sie erreichen eine beachtliche Größe, bleiben jedoch durch Schnitt im Frühjahr und Sommer übersichtlich, sodass Pflege und Ernte gut möglich sind.

 

Him- und Brombeeren

Eine weitere wichtige Gruppe bilden Him- und Brombee­ren sowie verwandte Arten der Gattung Rubus wie die Japanische Weinbeere.

Die meisten von ihnen tragen nur an den zweijährigen, also vorjährigen Ruten, die ab Mai blühen und im Früh­sommer fruchten. Gleichzeitig bilden sich aus der Basis neue Ruten, die Sie am Spalier befestigen und die im Folgejahr blühen und fruchten. Im Frühjahr entfernen Sie die alten, abgetragenen und meist bereits abgestorbenen Ruten. Die neuen Ruten dünnen Sie bis auf die kräf­tigs­ten aus, bei denen Sie vorzeitige Seitentriebe einkürzen.

Him- und BrombeerenFoto: trongnguyen/Adobe Stock

Neben den weitverbreiteten „Sommersorten“, die an den vorjährigen Ruten tragen, gibt es bei Himbeeren auch „Herbstsorten“. Diese bilden an den jungen, im Frühjahr aus der Basis gewachsenen Ruten ab Juni Blüten und fruchten ab August. Bei ihnen schneiden Sie im Frühjahr alle Ruten bodennah ab, damit sich besonders kräftige neue Triebe bilden.

Himbeeren entwickeln etwa 1,5 bis 2 m lange Ruten, die Sie senkrecht am Spalier befestigen. Brombeeren und ähnliche Arten bilden bis zu 4 m lange Ruten, die Sie – oft zwei oder drei übereinander – waagerecht nach beiden Seiten binden und auf etwa 3 m einkürzen.

 

Obstgehölze

ObstgehölzeFoto: fottoo/Adobe StockAlle nicht zu stark wachsenden Obstbäume eignen sich für die Spaliererziehung. Am einfachsten sind die sogenannten „freien Formen“, bei denen Sie die Äste im Abstand von etwa 20 bis 40 cm an das Spalier binden. Zu dicht stehende Zweige sowie vergreistes Fruchtholz entfernen Sie vor allem im Frühjahr bei Bedarf. In diesen Formen lassen sich beispielsweise Äpfel, Birnen, Quitten, Kirschen, Pfirsiche, Aprikosen, Pflaumen und Feigen relativ unkompliziert ziehen.

Eine andere Möglichkeit bietet das Ziehen von „Formobstbäumen“. Dabei formen Sie in gleichmäßigen Abständen geometrisch an­geord­nete Tragarme, an denen sich durch regelmäßigen Schnitt im Sommer und Frühjahr nur kurzes Fruchtholz entwickelt. Für den da­für nötigen intensiven Schnitt eignen sich nur relativ schwach wachsende, sehr schnittverträgliche Obstarten wie Apfel (auf schwach wachsenden Unterlagen wie M 26) und Birne (auf Quittenunterlage). Zwetschen und Pflaumen sind weniger geeignet, da ihre Zweige eher zum Verkahlen und Absterben neigen. Mit Kirschen, Pfirsichen und Aprikosen gestaltet sich die Kultur von Formobst noch schwieriger.

Die Vorbilder für Formobst sind sehr vielfältig. Es gibt Formen mit nur einem Tragast (Schnurbäume, Cordons), die Sie waagerecht, schräg oder senkrecht ziehen. Daneben existieren Palmetten mit mehreren Tragarmen in geometrischem Abstand zueinander. All diese Formen tragen nicht nur leckere Früchte, sondern wirken auch äußerst attraktiv. Entgegen mancher Vermutung stellt der Formobstschnitt keine „Quälerei“ für die Pflanzen dar – sie können ebenso alt werden wie ihre weniger stark geschnittenen Pendants.

Grundsätzlich können Sie auch Johannis- und Stachelbeeren an Spalieren ziehen. Sie erfordern jedoch einen hohen Schnittaufwand und sind nicht sehr langlebig, weshalb man diese Erziehungsform nur selten nutzt.

 

Heinrich Beltz
Landwirtschaftskammer Niedersachsen,
Niedersächsische Gartenakademie