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Den Garten zum Duften bringen

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Duftpflanzen im GartenFoto: maryviolet/Adobe Stock

Es gibt Pflanzen, die mit Farben und Formen verzaubern, und solche, die zusätzlich unsere Nase verführen. Duftpflanzen machen das Gärtnern zu einer sinnlichen Erfahrung. Aber warum duften Pflanzen überhaupt, und wie lässt sich dieser Zauber in den eigenen Garten holen?

Warum Pflanzen duften

Düfte sind weit mehr als eine Laune der Natur. Sie dienen als Kommunikationsmittel: Mit ihrem Blütenduft locken Pflanzen Insekten an, die für Bestäubung sorgen. Manche setzen Duftstoffe auch frei, um Fressfeinde und Schädlinge abzuwehren.

Verantwortlich für den Duft sind ätherische Öle. Diese bilden sich in winzigen Öldrüsen, die außen oder in verschiedenen Pflanzenteilen liegen.

TuberoseFoto: DreischangWem ein Duft kaum intensiv genug sein kann, der kann sich vom schweren, süßen Duft einer Tuberose (Polianthes tuberosa) überwältigen lassen. Die zwiebelartigen Rhizome der Tuberose sollten Sie ab Mai an eine sonnige Stelle im Garten oder in einen Topf setzen. Etwa ab September erscheint der Blütenschaft mit weißen, lilienähnlichen Einzelblüten. Wegen ihres sinnlichen Dufts werden Tuberosen seit dem 17. Jh. in Grasse (Frankreich) zur Gewinnung von Parfümöl angebaut. Die Mutterknolle stirbt nach der Blüte ab, die gebildeten Tochterknollen können frostfrei überwintert werden, benötigen jedoch einige Jahre bis zur Blüte.


Für uns Menschen sind Düfte ein Geschenk: Sie lösen Wohlbehagen aus, können die Stimmung heben und Erinnerungen wecken. So wirkt Lavendel beruhigend, während Zitrusnoten belebend sind. Auch das Gegenteil von Duft gibt es bei den Pflanzengerüchen, nämlich das Stinken, in einer Bandbreite von etwas streng bis zu stark abstoßend. Nicht jeder mag so z.B. Tagetes. Oder denken wir an den Geruch einer Kaiserkrone, deren Geruch als „muffig“, von manchem sogar als widerlich, bezeichnet wird. Die Ausdünstung hat den Vorteil, dass auch Wühlmäuse einen Bogen um ihre Knollen machen. Wir Gärtner schätzen die Kaiserkronen dennoch, wegen der Schönheit ihrer Blüten.

Die Kunst des Duftgartens

Ein Duftgarten lebt von Vielfalt und Harmonie. Wer wahllos stark duftende Pflanzen kombiniert, riskiert eine reizüberflutete Nase. Besser ist es, gezielt Duftzonen zu schaffen – etwa rund um Sitzplätze oder entlang von Wegen, wo die Pflanzen bei jedem Vorübergehen ihren Duft verströmen.

Obstbäume mit DufterlebnisFoto: yanadjan/Adobe Stock Auch Obstbäume sorgen im Frühjahr für ein Dufterlebnis.

Ein leichter Windzug genügt, um feine Düfte in die Umgebung zu tragen. Dabei sollten sich unterschiedliche Duftcharaktere – blumig, fruchtig oder würzig – nicht gegenseitig überlagern.

Duftpflanzen begleiten uns vom Vorfrühling bis in den späten Herbst. Schon im Februar öffnen Winterlinge ihre sonnengelben Blüten, bald folgen Schneeglöckchen und Duftveilchen. Ihnen schließen sich weitere Zwiebelblumen wie Duftnarzissen und Hyazinthen an.

Ab Mai übernehmen Stauden wie Polsternelken, Bartiris und Pfingstrosen. Duftsträucher wie Bauernjasmin und Flieder erfreuen mit ihrem Blütenkleid und typischen Düften. In kleinen Gärten empfiehlt sich Zwergflieder, der seinen großen Geschwistern beim Duft in nichts nachsteht.

Im Juni beginnt die Rosenzeit. Für viele ist eine Rose nur vollkommen, wenn sie duftet – etwa die David-Austin-Rose ‘Gertrude Jekyll’ mit romantischen rosa Blüten oder die purpur-violette ‘Gräfin Diana’, ausgezeichnet mit dem ADR-Prädikat für ihre Blattgesundheit.
 

Duftcharakter Pflanze
frisch-würzig Lavendel
zitronig-minzig Diptam
süß-blumig Nachtviole
fruchtig-blumig Bartiris
blumig-würzig Nelken
klassisch-blumig Maiglöckchen
schokoladig Schokoladenblume


Kräuter verbreiten aromatischen DuftFoto: Valerii Honcharuk/Adobe Stock Auch verschiedene Kräuter verbreiten einen aromatischen Duft.

Im Sommer verwöhnen uns Kräuter wie Thymian, Zitronenmelisse oder Minze sowie Blühpflanzen wie Phloxe und Wunderblumen. Im Herbst gehört der herb-würzige Duft der Chrysanthemen einfach dazu. Selbst im Winter sorgen Sträucher wie Bodnant-Schneeball oder Chinesische Winterblüte mit ihren Blüten für ein besonderes Erlebnis.

Harmonisch kombinieren

Duftpflanzen entfalten ihr volles Potenzial erst im richtigen Zusammenspiel. Wer am Sitzplatz entspannen möchte, setzt auf beruhigende Düfte wie Lavendel, Katzenminze und Rosen. Eine belebende Umgebung schaffen Thymian, Zitronenmelisse oder Minze. In schattigen Bereichen sorgen Maiglöckchen, Funkien oder Waldmeister für angenehme Frische.

Tipp: Viele duftende Blumen eignen sich auch für die Vase. Doch stark duftende Schnittblumen wie Lilien sollten in geschlossenen Räumen sparsam verwendet werden.

Ein Duftgarten spricht alle Sinne an. Er ist lebendig, wandelbar und individuell gestaltbar – ob mediterran, romantisch oder naturnah. Wer sich mit der Wirkung und Kombination von Düften beschäftigt, schafft sich im Garten eine Oase der Entspannung und Inspiration.

Und vielleicht ertappen Sie sich schon bald dabei, wie Sie in die Knie gehen, um an einer Blüte zu schnuppern.

Kerstin Dreischang
Landesverband der Gartenfreunde 
Mecklenburg und Vorpommern

 

Interview mit Mirko Wersin, Gärtner und Duftexperte sowie Inhaber einer Gärtnerei für Heil- und Duftpflanzen

Welche Pflanzen empfehlen Sie für den Sitzplatz im Garten?
Je nach Größe und Lage des Sitzplatzes könnten ein paar duftende Sträucher das Grundgerüst bilden, zum Beispiel mehrmals blühende Rosen, Pfeifenstrauch, Koreanische Abelie oder Osterschneeball. Die einheimische Wein-Rose (Rosa rubiginosa) kann mit Laub aufwarten, das schon bei leichtem Wind einen feinen Apfelduft verströmt. Dazwischen passen Duftstauden wie Nachtviolen, Duftnachtkerzen oder Nelken. Lücken lassen sich wunderbar mit einjährigen Arten wie Sternbalsam, Dufttabak, Duftresede oder Duftwicken füllen. Und selbst auf kleiner Fläche ist Platz für ein paar Töpfe mit Duftpelargonien – ihre Blätter laden zum Berühren ein und überraschen mit Düften von Zitrone über Minze bis hin zu Pinie.

Welche Duftpflanzen sind besonders pflegeleicht oder schnellwüchsig?
Viele Taglilien-Sorten begeistern mit zart-blumigen Düften, etwa die orangegelbe ‘Aten’ oder die cremefarbene ‘So Lovely’. An sonnigen, eher trockenen Stand­orten fühlen sich Lavendelbüsche wohl, aber auch die duftende Iris-Arten, z.B. die purpurbraun blühende Sorte ‘Chocolate’ (I. germanica). Sie sind robust und unkompliziert. Ebenso Katzenminzen – sie wachsen schnell, blühen lange und duften intensiv. Es gibt niedrige Sorten wie die ‘Purrsian Blue’, aber auch höhere für den Beethintergrund, etwa ‘Wild Cat’.

Können Sie noch wenig bekannte Duftpflanzen/ -stauden empfehlen?
Mein Tipp: der Diptam, auch Brennender Busch genannt. Er verströmt im Mai und Juni einen herrlich zitronigen Duft. Das Echte Mädesüß, eine heimische Wiesenpflanze, beeindruckt im Juni und Juli mit einem süß-blumigen Aroma.
Eher übersehen, aber äußerst reizvoll, ist die Gras-Schwertlilie (Iris graminea), deren Blütenduft an reife Pflaumen erinnert. Und dann sind da noch Agastache-Arten, die sogenannten Duftnesseln. Sie verströmen beim Reiben Aromen von Anis, Minze, Limonen bis hin zu Lavendel – ein echtes Dufterlebnis.