- Gartengenuss
Knollen aus den Anden
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Die südamerikanischen Anden zählen zu den bedeutendsten Ursprungsregionen einiger unserer heutigen Kulturpflanzen. In Höhen von bis zu 4500 m kultivierten indigene Gemeinschaften über Jahrtausende hinweg eine beeindruckende Vielfalt an Knollen- und Wurzelgemüsen, die perfekt an extreme Umweltbedingungen angepasst sind. Große Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, nährstoffarme Böden und kurze Vegetationsperioden prägten Pflanzen, die robust, widerstandsfähig und zugleich erstaunlich vielfältig sind.
Angesichts zunehmender Klimaschwankungen und des Wunsches nach mehr Vielfalt im Garten gewinnen diese alten Gemüsepflanzen heute erneut an Bedeutung. Viele von ihnen lassen sich auch in mitteleuropäischen Gärten anbauen und bereichern den Speiseplan.
Kleine Knolle, große Widerstandskraft
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Maca (Lepidium meyenii) wächst in Höhenlagen über 4000 m und gehört zu den widerstandsfähigsten Kulturpflanzen der Anden. Die kleinen Knollen sind reich an Nährstoffen und haben einen leicht erdig-nussigen Geschmack, der besonders nach dem Trocknen intensiver wird.
Foto: uckyo/Adobe StockPflanzung/Anbau: Benötigt kühle Bedingungen und durchlässigen Boden. Maca bildet im Laufe des Sommers kompakte Knollen, die einjährig geerntet werden können.
Bewässerung/Düngung: Bevorzugt eher trockene, gut drainierte Böden und sollte nur sparsam gegossen werden. Düngung ist kaum erforderlich, da die Pflanze an sehr nährstoffarme Standorte angepasst ist.
Ernte: Erfolgt ab Herbst, wenn die Pflanzen ihr Wachstum eingestellt haben. Getrocknet ist Maca sehr lange haltbar und lässt sich leicht weiterverarbeiten.
Verwendung: Traditionell wird Maca gekocht oder getrocknet und zu Mehl vermahlen. In der modernen Küche dient es oft als nussiges, aromatisches Pulver für Müslis, Teige oder Getränke.
Würzige Überlebenskünstlerin
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Mashua (Tropaeolum tuberosum) ist mit der Kapuzinerkresse verwandt und wird in den Anden wegen ihrer Widerstandsfähigkeit sehr geschätzt. Die Pflanzen wachsen kräftig, ranken teils stark und gelten als äußerst schädlingsresistent, was sie auch für den Kleingarten interessant macht.
Foto: Remigio/Adobe StockPflanzung/Anbau: Bevorzugt sonnige bis halbschattige Lagen und kommt gut mit kühleren Sommern zurecht. Die Knollenbildung erfolgt spät, deshalb sollte die Pflanze möglichst lange im Boden bleiben.
Bewässerung/Düngung: Kommt mit wenig Wasser gut zurecht und sollte nur bei längerer Trockenheit gegossen werden. Zusätzliche Düngung ist kaum nötig, da die Pflanze auch auf nährstoffärmeren Böden zuverlässig wächst.
Ernte: Ab Spätherbst, meist nach dem ersten Frost, der das Laub absterben lässt. Die Knollen sitzen flach, lassen sich also leicht bergen.
Verwendung: Nach dem Kochen verliert Mashua etwas von ihrer pfeffrigen Schärfe und entwickelt ein angenehm würziges Aroma. Sie eignet sich für Pfannengerichte, Suppen oder als ungewöhnliche Beilage.
Knackige Farben aus den Anden
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Ulluco (Ullucus tuberosus) ist für ihre glatten, bunten Knollen bekannt, die von Gelb über Pink bis Violett reichen. Die saftige und feste Konsistenz macht sie zu einem ganz eigenen Gemüse.
Foto: Ildi/Adobe StockPflanzung/Anbau: Benötigt feuchten, lockeren Boden und kommt mit moderaten Temperaturen am besten zurecht. Die Knollen entwickeln sich erst im Herbst, weshalb eine frostgeschützte Lage vorteilhaft ist.
Bewässerung/Düngung: Bevorzugt eine gleichmäßige Bodenfeuchte, besonders während der Knollenbildung im Herbst. Eine leichte organische Düngung unterstützt das Wachstum, Überdüngung sollte jedoch vermieden werden.
Ernte: Beginnt ab Oktober, wenn die Knollen ihre Größe erreicht haben. Sie sollten möglichst frisch verarbeitet oder kühl gelagert werden, da sie etwas empfindlicher sind als Kartoffeln.
Verwendung: Ulluco wird besonders für die knackige Textur geschätzt und eignet sich für bunte Gemüsepfannen, Suppen und Schmorgerichte. Beim Kochen behalten die Knollen ihre Farbe teilweise, was dekorativ wirkt.
Cremige Schwester der Pastinake
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Arracacha (Arracacia xanthorrhiza) ist in Südamerika ein beliebtes Gemüse mit cremigem Fleisch und feinem Aroma, das an eine Mischung aus Sellerie und Pastinake erinnert. Die Pflanze benötigt eine längere Kulturzeit, bringt dann aber sehr aromatische Wurzeln hervor.
Foto: Odu Mazza/Adobe StockPflanzung/Anbau: Bevorzugt warme, jedoch nicht zu heiße Sommer und einen tiefgründigen, nährstoffreichen Boden. Eine Vorkultur im Haus oder Gewächshaus ist in Mitteleuropa empfehlenswert, da die Pflanze langsam wächst.
Bewässerung/Düngung: Benötigt während der langen Kulturzeit eine konstante Wasserversorgung, ohne dass der Boden vernässt. Aufgrund ihres langsamen Wachstums profitiert sie von einer guten Grunddüngung mit organischem Material.
Ernte: Die Wurzeln reifen nach etwa zehn bis zwölf Monaten, weshalb sie meist erst im Spätherbst oder frühen Winter geerntet werden können. Eine sorgfältige Handhabung ist wichtig, da die Wurzeln etwas empfindlich sind.
Verwendung: Arracacha eignet sich hervorragend als Suppen- und Püreegemüse oder für gebackene Wurzelscheiben. Ihr mildes, aromatisch-süßes Aroma macht sie besonders vielseitig.
Knackige Knolle für warme Sommer
Foto: Suradech/Adobe Stock
Ahipa (Pachyrhizus ahipa) ist eine seltene, aber interessante Andenwurzel mit knackiger Textur und mild-süßem Geschmack. Anders als viele andere Andenknollen benötigt sie keine lange Wachstumszeit und kann daher auch in gemäßigten Klimazonen zuverlässig kultiviert werden.
Foto: zcy/Adobe StockPflanzung/Anbau: Bevorzugt warme Sommer und lockeren Boden. Die Pflanzen bleiben kompakt und benötigen weniger Platz als andere tropische Wurzelgemüse.
Bewässerung/Düngung: Benötigt nur mäßige Wassergaben und kommt auch mit kürzeren Trockenphasen gut zurecht. Als Leguminose kann sie Stickstoff binden, weshalb zusätzliche Düngung kaum notwendig ist.
Ernte: Die Knollen sind bereits im Spätsommer oder frühen Herbst erntereif. Sie sollten jung genutzt werden, da ältere Knollen faseriger werden.
Verwendung: Ahipa eignet sich hervorragend roh für Salate und frische Gerichte. Gekocht oder gebraten behält sie ihre angenehme Knackigkeit und ein mildes Aroma.
Gerrit Viets,
Redaktion „Gartenfreund“,
Verlag W. Wächter