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Gemüse richtig ernten und lagern

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Wurzelgemüse mit einer Grabegabel erntenFoto: Nishi Sharma/Adobe Stock Ernten Sie Wurzelgemüse mit einer Grabegabel.

Für viele Kleingärtner wirkt der Herbst wie der Abschied vom Gartenjahr. Doch der Eindruck täuscht: Wenn die Tage kürzer werden und sich das Laub verfärbt, erlebt der Gemüse- und Nutzgarten eine zweite, besonders aromatische Erntephase. Feuchtere Luft, milde Sonne und kühlere Nächte lassen viele Herbstgemüsearten ihr volles Aroma entwickeln.

Damit die Arbeit der vergangenen Frühjahrs- und Sommermonate nicht umsonst war, kommt es im Herbst auf den richtigen Erntezeitpunkt, geeignete Techniken und eine fachgerechte Konservierung an. Wer weiß, wann welches Gemüse vom Beet muss und wie es optimal gelagert wird, kann seine Ernte bis weit in das neue Jahr hinein genießen.

Fermentiertes GemüseFoto: Pixel-Shot/Adobe Stock Fermentiertes Gemüse hält sich monatelang. Die Bandbreite an Gemüse, das zwischen September und November genussreif wird, ist vielfältig. Unterschieden wird das Herbstgemüse primär in Wurzel- und Knollengemüse, kältetolerantes Kohlgemüse, Kürbisgewächse sowie winterharte Blattsalate.

Wurzel- und Knollengemüse

Wurzelgemüse ist besonders robust und eignet sich daher gut für die Winterlagerung.

Karotten und Möhren: Säen Sie für eine Herbsternte idealerweise Ende Juni/Anfang Juli aus. Späte Karottensorten wie ‘Rote Riesen’ oder ‘Rothild’ reifen im Spät­herbst aus. Sie vertragen leichte Nachtfröste, sollten jedoch vor dem ersten starken Bodenfrost aus der Erde geholt werden.

Pastinaken und Wurzelpetersilie: Diese beiden Doldenblütler gehören zu den absolut frostharten Vertretern. Sie können oft den gesamten Winter über im Beet bleiben und nach Bedarf frisch aus­gegraben werden. Durch Frosteinwirkung wandelt sich die enthaltene Stärke in Zucker um, was ihnen einen mild-süß­lichen Geschmack verleiht.

SchwarzwurzelnFoto: tpzijl/Adobe StockSchwarzwurzeln: Schwarzwurzeln können problemlos in der Erde überwintern und schmecken frisch geerntet am besten.

Rote Bete: Die tiefroten Knollen behal­ten bei kühlem Herbstwetter ihre knackige Struktur. Sie verkraften leichte Minusgrade, verlieren bei starkem Frost jedoch an Haltbarkeit.

Knollensellerie: Sellerie benötigt eine lange Wachstumszeit und profitiert von den Spätsommertagen. Er sollte kurz vor den ersten Frösten geerntet werden, da die Knolle oberirdisch wächst und kälteempfindlich ist.

Kohl: Held der kalten Jahreszeit

Kohlgemüse (Kreuzblütler) sind das Rückgrat der herbstlichen und winterlichen Selbstversorgung. Viele Kohlarten gewinnen durch Kälte deutlich an Geschmack.

Grünkohl: Der absolute Klassiker unter den Wintergemüsen. Moderne Züchtungen benötigen zwar nicht mehr zwingend Frost, um Bitterstoffe abzubauen, aber kühlere Temperaturen fördern spür­bar den Zuckergehalt und das feine Aroma.

Rosenkohl: Ähnlich wie Grünkohl ist Rosenkohl sehr frosthart. Die kleinen Röschen können über Monate hinweg von unten nach oben nach Bedarf geerntet werden.

Wirsing, Rotkohl und Weißkohl: Wäh­rend frühe Sorten bereits im Sommer geerntet werden, bilden die späten Lagersorten feste, schwere Köpfe aus. Sie müssen geerntet werden, bevor lang­anhaltender Dauerfrost das Gewebe schädigt.

Das Reifegas Ethylen

Äpfel, Birnen und Tomaten geben das Reifegas Ethylen ab. Lagern Sie Wurzel­gemüse oder Kohl daneben, altert das Gemüse schnell, wird bitter oder beginnt vorzeitig zu keimen. Sie vermeiden diesen häufigen Fehler bei der Vor­ratshaltung, wenn Sie Obst stets getrennt vom Gemüse lagern (s. auch „Gartenwissen“ S. 4).


Kürbisse vor Frost schützen

Hokkaido, Butternut und Muskatkürbis: Kürbisse reagieren empfindlich auf Kälte. Sie müssen zwingend vor dem ersten Frost geerntet werden. Frostschäden an der Schale führen unweigerlich zu schneller Fäulnis während der Lagerung. Ein ausgereifter Kürbis zeichnet sich durch einen verholzten, trockenen Stiel und einen hohlen Klang beim Anklopfen aus.

Winterharte Blattsalate

Auch an frischem Grün mangelt es im Herbst keineswegs.

Feldsalat: Er ist sehr frost­hart und anspruchslos und kann den gesam­ten Winter über geerntet werden.

FeldsalatFoto: Manfred Ruckszio/Adobe Stock Feldsalat ist frosthart und lässt sich im Winter frisch ernten.

Endivien und Radicchio: Diese bitterstoffreichen Salate vertragen leichten Frost. Decken Sie die Pflanzen bei tiefen Frösten mit Vlies ab.

Winterpostelein (Portulak) und Spinat: Wachsen selbst bei nie­drigen Temperaturen weiter und liefern wertvolle Vitamine in den dunklen Monaten.

So ernten Sie richtig

Der Erntezeitpunkt und die Erntetechnik sind entscheidend, damit Ihr Gemüse im Lager lange haltbar bleibt.

Ernten Sie das Gemüse möglichst an einem trockenen, bewölkten Tag. Feuchtes Gemüse neigt im Lager schneller zu Schimmelbildung und Fäulnis. Zu starke Sonneneinstrahlung während der Ernte kann einige Gemüsearten hingegen rasch welken lassen.

Vermeiden Sie, die Schale des Gemüses zu verletzen. Dies ist die häufigste Ursache für Verluste im Winterlager.

Ernten Sie Wurzelgemüse bevorzugt mit einer Grabegabel statt mit einem Spaten. Stechen Sie die Gabel mit ausreichend Abstand zur Pflanze tief in den Boden und hebeln Sie die Wurzeln vorsichtig heraus.

Ziehen Sie Möhren oder Rote Bete nicht zu kräftig am Kraut heraus, da sonst der Vegetationspunkt beschädigt werden kann.

Kürbisse sollten Sie immer mit einem Stück Stiel (ca. 3–5 cm) ernten. Ein abgebrochener Stiel hinterlässt eine offene Wunde, über die Keime eindringen können.

Das Lagergemüse vorbereiten

Waschen Sie Gemüse, das Sie einlagern wollen, keinesfalls mit Wasser. Die natürliche Erdschicht schützt die Schale vor dem Austrocknen und verhindert, dass Erreger eindringen. Lassen Sie feuchte Erde leicht antrocknen und bürsten Sie diese nur vorsichtig ab.

Kürzen Sie das Laub richtig ein: Drehen oder schneiden Sie das Kraut von Karotten und Roten Beten etwa 2–3 cm über der Wurzel bzw. Knolle ab. Belassen Sie bei den Beten das Herzblatt, um ein Ausbluten zu verhindern.

Optimale Lagermethoden

Kaum ein Kleingärtner verfügt über einen traditionellen Gewölbekeller. Doch es gibt weitere effektive Methoden, wie Sie Ihr Gemüse monatelang frisch halten können.

Der klassische Erdkeller oder kühle Vorratsraum ist ein idealer Lagerraum für Frischgemüse. Er zeichnet sich durch drei Faktoren aus: dunkel, kühl (1–6 °C) und ausreichend feucht (80–90 % Luftfeuchtigkeit).

Alternativ eignen sich unbeheizte, frostfreie Orte wie Garagen, Schuppen oder Kellerfensterschächte auf der Nordseite. Moderne Neubaukeller sind dagegen häufig zu warm und zu trocken.

Rote Bete richtig lagernFoto: Flora Press/Science Photo Library Rote Bete können Sie in feuchtem Sand lagern.

Eine der bewährtesten Methoden für Möhren, Sellerie, Rote Bete und Pastinaken ist das Einlagern in feuchtem Sand. Füllen Sie eine Holzkiste oder eine Kunststoffbox mit einer Schicht feuchtem (nicht nassem!) Spielsand oder Quarzsand. Legen Sie das Gemüse so hinein, dass sich die einzelnen Wurzeln bzw. Knollen nicht berühren. Bedecken Sie das Gemüse vollständig mit Sand und wiederholen Sie den Vorgang schichtweise. Der Sand verhindert das Austrocknen und schützt vor Temperaturschwankungen.

Waschmaschinentrommeln als ErdmieteFoto: Flora Press/gartenfoto Waschmaschinentrommeln im Frühbeet dienen als Erdmiete.

Wenn kein geeigneter Lagerraum zur Verfügung steht, können Sie eine traditionelle Erdmiete im Garten anlegen. Heben Sie dafür eine ca. 40–50 cm tiefe Grube aus und legen Sie einen engmaschigen Kaninchendraht aus. So werden Feldmäuse ferngehalten. Auf eine Strohschicht am Boden schichten Sie dann das Wurzelgemüse. Decken Sie die Miete schließlich mit einer dicken Schicht Stroh und einer Erdschicht ab. Wichtig ist eine kleine Belüftungsöffnung.

Trockene, warm-temperierte Lagerung (etwa für Kürbisse): Kürbisse mögen es weder feucht noch extrem kalt. Lassen Sie Kürbisse nach der Ernte ein bis zwei Wochen bei Raumtemperatur aushärten (ca. 18–20 °C). Dies festigt die Schale. Anschließend lagern Sie die Kürbisse idealerweise bei 10–14 °C an einem trockenen, gut belüfteten Ort. Legen Sie Holzwolle oder Pappe unter, um Druckstellen zu vermeiden. So halten Hokkaido und Butternut oft bis ins Frühjahr.

Ernte- und Lagerkriterien

Gemüse richtig lagernFotos: tpzijl; womue; mates; Markus Mainka; rdnzl (2); Björn Wylezich/alle Adobe Stock

Gemüsegruppe Erntefenster Frostverträglichkeit Optimale Lagermethode Haltbarkeit
Späte Karotten Okt.–Nov. leichte Fröste (bis –2 °C) Sandkiste im kühlen Keller 3–6 Monate
Rote Bete Sept.–Nov. leichte Fröste (bis –2 °C) Sandkiste oder Erdmiete 4–5 Monate
Pastinaken Nov.–März sehr hoch (bis –15 °C) im Beet belassen oder Sandkiste bis zu 6 Monate
Knollensellerie Okt.–Nov. vor starkem Frost schützen Sandkiste oder kühler Keller 3–5 Monate
Spätkohl (Weiß-/Rot-) Okt.–Nov. verträgt leichte Fröste hängend oder im Regal (kühl/feucht) 3–4 Monate
Grünkohl/Rosenkohl Nov.–Febr. extrem frosthart direkt im Beet belassen frisch nach Bedarf
Speisekürbis Sept.–Okt. keine Frosttoleranz! trocken bei 10–14 °C 3–8 Monate
Feldsalat/Postelein Nov.–März sehr hoch im Beet/Frühbeet belassen frisch nach Bedarf


Gemüse lange haltbar machen

Reicht der Platz im kühlen Keller nicht aus oder ist die Ernte beschädigt, bieten sich klassische Konservierungstechniken an:

  • Bohnen einfrierenFoto: Africa Studio/Adobe Stock Bohnen lassen sich hervorragend einfrieren. Milchsäuregärung (Fermentation): Nicht nur Weißkohl lässt sich zu Sauerkraut verarbeiten. Auch Rote Bete, Karot­ten und Radieschen eignen sich hervorragend zum Fermentieren. Dies erhält die Vitamine und macht das Gemüse über viele Monate haltbar.
  • Einfrieren: Gemüse wie Buschbohnen, Erbsen, Grünkohl oder blanchierte Karottenwürfel lassen sich bestens einfrieren.
  • Einkochen und Einlegen: Kürbiswürfel in süß-saurem Aufguss oder feines Ofengemüse in Öl sind haltbare Delikatessen für die Winterküche.

Beete in den Winter schicken

Haben Sie das Herbstgemüse erst einmal abgeerntet, sollten Sie den Gartenboden nicht nackt in den Winter gehen lassen. Brachliegende Erde neigt bei Re­gen zum Verschlämmen, zudem werden Nährstoffe ausgewaschen. Säen Sie auf abgeernteten Beeten eine Gründüngung aus (z.B. Winterroggen oder Zottelwicke) oder mul­chen Sie die Erde mit Laub und Rasenschnitt. So fördern Sie das Bodenleben und bereiten das Beet optimal auf die nächste Aussaat im Frühjahr vor.

WinterroggenFoto: rodimovpavel/Adobe Stock Gründüngung, hier Winterroggen, schützt die Beete und fördert das Bodenleben.

Ralf Tessensohn
Vorsitzender und Fachberater
des Landesverbandes Braunschweig 
der Gartenfreunde