- Marktplatz
- Fachinformationen
Lebende Steinwände: Wie Gabionen zum grünen Blickfang im Garten werden
© Gabinova GmbH
Steinkörbe haben bei manchen Gartenfreunden einen zwiespältigen Ruf: praktisch und langlebig, aber auf den ersten Blick eher kühl und technisch. Dabei steckt in einer Gabione mehr Gartenpotenzial, als viele vermuten. Wer die Drahtkörbe als das begreift, was sie eigentlich sind, nämlich eine fertige Rankhilfe, ein Wärmespeicher und ein Lebensraum in einem, kann daraus eines der lebendigsten Elemente im ganzen Garten machen.
In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie Sie Gabionen so bepflanzen, dass aus grauem Stein eine grüne Wand wird, und welche Fehler Sie dabei besser vermeiden.
Warum Gabionen und Pflanzen so gut zusammenpassen
Drei Eigenschaften machen Steinkörbe zu einem idealen Partner für Pflanzen:
Das Gitter ist eine natürliche Rankhilfe. Wo Sie an einer Mauer erst Spanndrähte oder Rankgitter montieren müssten, finden Kletterpflanzen am Maschendraht sofort Halt. Kein Bohren, kein Dübeln.
Die Steine speichern Wärme. Eine gefüllte Gabione nimmt tagsüber Sonnenwärme auf und gibt sie nachts langsam wieder ab. Wärmeliebende Pflanzen wie Lavendel, Rosmarin oder Kletterrosen profitieren spürbar von diesem Mikroklima, ähnlich wie an einer alten Südmauer.
Die Fugen bieten Lebensraum. Zwischen den Bruchsteinen finden Insekten, Eidechsen und andere Nützlinge Unterschlupf. Eine bepflanzte Gabione ist damit auch ein kleiner Beitrag zu mehr Artenvielfalt im Garten.
Die richtigen Pflanzen für jede Gabionen-Form
Nicht jede Pflanze passt zu jeder Gabione. Grob lassen sich drei Situationen unterscheiden:
1. Kletterpflanzen für Gabionenwände und -zäune
An einer Sichtschutzwand aus Steinkörben spielen Kletterpflanzen ihre Stärken voll aus. Bewährt haben sich:
- Clematis: blühfreudig und in unzähligen Sorten erhältlich, ideal für Süd- und Westseiten. Faustregel: Kopf in der Sonne, Fuß im Schatten. Beschatten Sie den Wurzelbereich also mit einer flachen Staude.
- Wilder Wein: der Sprinter unter den Kletterpflanzen, mit spektakulärer roter Herbstfärbung. Perfekt, wenn große Flächen schnell grün werden sollen.
- Efeu: immergrün und auch für schattige Nordseiten geeignet. Braucht in den ersten Jahren Geduld, ist danach praktisch unverwüstlich.
- Geißblatt (Lonicera): duftet abends betörend und ist eine wertvolle Nektarquelle für Nachtfalter und Hummeln.
- Kletterrosen: der Klassiker für sonnige Standorte, verlangt allerdings einen jährlichen Schnitt.
Als Richtwert für die Geduld: Schnellwachsende Arten wie Wilder Wein oder Efeu begrünen eine zwei Meter hohe Wand in etwa zwei bis drei Jahren. Clematis und Kletterrosen brauchen eher drei bis fünf Jahre.
© Gabinova GmbH
2. Kräuter und Gemüse im Gabionen-Hochbeet
Ein Hochbeet mit Gabionen-Wänden verbindet die rückenfreundliche Arbeitshöhe eines klassischen Hochbeets mit dem Wärmespeicher-Effekt der Steine. Gerade mediterrane Kräuter fühlen sich hier wohl: Lavendel, Rosmarin, Salbei und Thymian lieben den warmen, schnell abtrocknenden Boden. Aber auch Salat und Erdbeeren gedeihen prächtig, sie brauchen nur deutlich mehr Wasser.
Beim Befüllen gilt die bewährte Schichtung:
- Drainage: etwa 10 cm Kies oder grober Schotter am Boden
- Trennschicht: Gartenvlies, damit sich die Erde nicht in die Drainage mischt
- Pflanzerde: mindestens 30 cm, für Wurzelgemüse gern mehr
Wichtig bei Gabionen-Hochbeeten: Eine wurzeldichte Folie an der Innenseite verhindert, dass Erde durch die Steinfugen rieselt.
3. Polsterpflanzen für Säulen und Abdeckungen
Auch die Oberseite einer Gabionensäule lässt sich begrünen. Trockenheitskünstler wie Sedum (Fetthenne), Hauswurz oder Steinquendel kommen mit wenig Substrat aus und verwandeln die Steinkrone in ein kleines Alpinum. Einmal etabliert, brauchen diese Pflanzen praktisch keine Pflege mehr.
Extra-Tipp: die Kräuterspirale aus Stein
Wer das Prinzip auf die Spitze treiben möchte, baut eine Kräuterspirale aus Gabionen. Das Permakultur-Konzept nutzt die Höhenunterschiede der Spirale: oben trocken und warm für mediterrane Kräuter, unten feucht und halbschattig für Schnittlauch, Petersilie und Minze. Auf gerade einmal zwei Quadratmetern entstehen so acht bis zwölf verschiedene Mikroklimata. Mehr Kräutervielfalt pro Quadratmeter geht kaum.
Pflege: weniger Aufwand, als Sie denken
Frisch gesetzte Kletterpflanzen brauchen in den ersten zwei Jahren regelmäßige Wassergaben, danach versorgen sie sich weitgehend selbst. Hochbeete gießen Sie ein- bis zweimal pro Woche, in Hitzeperioden täglich. Im Frühjahr freuen sich alle Pflanzen über eine Gabe Kompost oder organischen Langzeitdünger.
Die beste Pflanzzeit für Kletterpflanzen ist das Frühjahr (März bis Mai) oder der Frühherbst (September). Dann haben die Wurzeln Zeit, sich vor dem ersten Hitze- oder Froststress zu etablieren.
© Gabinova GmbH
Drei Fehler, die Sie vermeiden sollten
- Tiefwurzler in Säulen pflanzen. Bäume und große Sträucher entwickeln Wurzeldruck, der auf Dauer selbst stabiles Drahtgeflecht verformt.
- Auf die Drainage verzichten. Staunässe im Hochbeet führt unweigerlich zu Wurzelfäule. Die Kiesschicht am Boden ist Pflicht, keine Kür.
- Eichenholz-Mulch direkt am Draht. Die Gerbsäure aus Eichenrinde kann Zinkbeschichtungen angreifen. Andere Mulcharten sind unproblematisch.
Übrigens: Moderne Steinkörbe mit Zink-Aluminium-Beschichtung vertragen den direkten Kontakt mit Wurzeln, Pflanzensäuren und dauerhafter Feuchtigkeit problemlos. Der Begrünung steht also auch materialseitig nichts im Weg.
Fazit
Eine Gabione muss kein steriler Steinblock sein. Mit Kletterpflanzen, Kräutern und Polsterstauden wird sie zum lebendigen Gartenelement, das Sichtschutz, Wärmespeicher und Insektenquartier in einem ist. Und das mit jedem Jahr schöner wird, statt zu verwittern.
Robert Bakker