Kleingartenwesen Podiumsdiskussion: „Interkulturelle Kleingärten in Niedersachsen“ Viele Wege, doch nur eine Richtung

Viele Wege, doch nur eine Richtung


Dietmar Klepatz über aktive Integrationsarbeit im Landesverband Bremen
 

 
Dietmar Klepatz ist Geschäftsführer der Gartenfreunde Bremen e.V.


„Kleingärtner sind gemeinschaftserprobt, denn Kleingärtnervereine zeichnen sich aus durch gelebte Vielfalt. Hier treffen Menschen jeden Alters aufeinander mit unterschiedlichem beruflichem, familiärem oder sozialem Hintergrund.“
Rund 75.000 Gartenfreunde aus mehr als 80 ausländischen Nationen verbringen laut jüngster Studie einen Großteil ihrer Freizeit auf den Parzellen der Kleingartenanlagen.

Die hohe Wertigkeit des Themas hat der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V. (BDG) in seinem Leitbild zum Ausdruck gebracht: „...Wir erfüllen einen sozialen Auftrag: Wir schaffen Raum für die Begegnung von Menschen mit unterschiedlicher Lebensgestaltung, leisten einen wichtigen Beitrag für den Dialog zwischen den Generationen und für die Integration verschiedener sozialer und ethnischer Gruppierungen ...“

Probleme wie mit deutschen Pächtern

Wer Integration erfolgreich betreiben wolle, dürfe die damit verbundenen Schwierigkeiten nicht übersehen. Auch wenn die Hälfte der befragten Kleingärtner keine Probleme im alltäglichen Vereinsleben sehen, so berichten ebenso viele Gartenfreunde von
  • häufigen Verstößen gegen Gartenordnung und Satzung,
  • Sprachproblemen,
  • mangelnder Teilnahme am Vereinsleben,
  • Nichtbefolgung der Ruhezeiten,
  • wenig Rücksichtnahme beim Feiern,
  • Tendenzen zur Abkapselung,
  • Tendenzen zur Gruppenbildung,
  • beiderseitigen Vorurteilen.
„Dennoch empfinden die meisten Kleingärtner das Zusammentreffen von Menschen unterschiedlicher Herkunft in den Kleingartenanlagen als unproblematisch.“ Und zunehmend werde erkannt, so Klepatz, dass die Integration ausländischer und deutscher Migranten konkrete Chancen und positive Aspekte bietet:

Das Andere als Chance begreifen

Migranten
  • sind oft engagierter und häufiger an der Gemeinschaftsarbeit beteiligt als deutsche Pächter,
  • stehen häufiger für zusätzliche, freiwillige Arbeit zur Verfügung,
  • bringen neue gartenbauliche Impulse in die Kleingartenanlage,
  • sind im nachbarschaftlichen Zusammenleben hilfsbereiter als deutsche Pächter,
  • bringen kulturelle Vielfalt, wodurch das Vereinsleben facettenreicher wird,
  • tragen durch Kinderreichtum und Familienbezogenheit zur Verbesserung des sozialen Klimas in der Gemeinschaft bei.
Anhand verschiedener Beispiele und Befragungen aus Bremen belegt Dietmar Klepatz seine Ausführungen.
So zitiert er Dr. Mohammed Tabari aus dem Iran: „... Ich habe keine Probleme mit Menschen”. Tabari betrachtet die überall einmal vorkommenden Eifersüchteleien nicht als Ausfluss kultureller Missverständnisse und nationaler Eigenarten, sondern als allzu menschliche Schwächen. „Ich gehe nicht nach Äußerlichkeiten, toleriere meine Nachbarn und suche den Dialog, ohne mich gleich zu verbrüdern..."

Respekt und Kontaktpflege

Beispiele aus Bremen zeigen, dass es viele Wege zur Integration gibt, aber nur eine Richtung.

Beispiel 1: Respekt und Toleranz
Bei der Stadtteilaktion „Gröpelingen gegen Rassismus“ sind Vereine des Stadtteils aktiv dabei und erhalten eine Auszeichnung.

Beilspiel 2: Kontaktpflege und Kommunikation
Die im Norden und im Westen der Stadt liegenden türkischen Kleingärtnervereine werden in die jeweilige Stadtteilarbeit einbezogen. Regelmäßige Treffen der Vorstände mit Erfahrungsaustausch und Problembesprechungen finden statt.

Beispiel 3: Kinder
Seit 2003 arbeiten Kinder und Pädagogen mit Gartenfreunden zusammen und haben daraus ein erfolgreiches Netzwerk von zurzeit 16 Lerngärten entwickelt. Heute so wichtige pädagogische Aspekte wie Ausdauer, Kooperationsfähigkeit, Verantwortung und Sozialverhalten werden beim Gärtnern – ganz „nebenbei“ – trainiert. Das Projekt ist auch angesichts der hohen Anzahl von Kindern aus Migrantenfamilien ein „lohnender“ Ansatz.

Aus den Erfahrungen des Landesverbandes Bremen entwickelte Dietmar Klepatz folgende Thesen:
  • Der „deutsche Kleingarten“ ist längst zu einem Ort internationaler Gemeinschaft geworden.
  • Es gibt kaum eine gesellschaftliche Institution, die so viel für die praktische, unmittelbare Integration ausländischer und deutsch-stämmiger Migranten tut wie das organisierte Kleingartenwesen.
  • Aktive Förderung der Kinder in den Vereinen und Beteiligung an Kinder-/Lernprojekten schafft Vertrauen für einander und erleichtert die Annäherung der Kulturen.



Stand:02.10.2008



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