Kleingartenwesen Lehrgärten und Naturlehrpfade sind „Edelsteine“ des Kleingartenwesens

Lehrgärten und Naturlehrpfade sind „Edelsteine“ des Kleingartenwesens

Foto: Kerpa 
„Was hat sich da versteckt?“ – Erkundungstour im Wildbienengarten Leverkusen

Edelsteine liegen bekanntlich nicht einfach herum, sondern man muss sie suchen. Hat man sie gefunden, sollte man ihre Schönheit öffentlich machen. Gleichzeitig müssen sie auch gepflegt werden, damit sie nicht stumpf und unattraktiv werden. 

Kleingärtner schaffen Le­bens­raum für heimische Natur
Wird diese Aussage auf das Kleingartenwesen übertragen, so sei zu­erst festgestellt, dass das Kleingartenwesen – also die Pächter und Mitglieder in 15.200 Vereinen – einen nicht wegzudenkenden Bei­trag zum Natur- und Umweltschutz leisten und in diesem Bereich so manchen „Edelstein“ ge­schaffen haben. Dafür gibt es viel­fältige Beweise:

  • Viele Vogelarten sind in Kleingar­tenanlagen heimisch und bauen dort ihre Brutplätze, darunter nicht selten auch solche Arten, die bestandsgefährdet sind.
  • Unzählige Insektenpopulatio­nen sind in den Grünbereichen der Kleingärten heimisch.
  • Igel, Blindschleiche und Ringelnatter finden in Totholz- oder Le­sesteinhaufen eine Unterkunft, die zum Erhalt der Tierart beiträgt.
  • Unterschiedliche Amphibien sind in Feuchtbiotopen der klein­gärtnerischen Pachtflächen zu Hause.
  • Viele heimische Vertreter der Flora werden von Kleingärtnern gepflanzt und gepflegt und so auf Dauer erhalten.
  • Alte Sorten, die in vielen Bereichen bereits kaum noch zu finden sind, erhalten im Kleingarten neuen Lebensraum.
Das Bemühen um die Flora und Fauna in den Kleingartenanlagen ist für die Pächter selbstverständlich. Doch all dies geschieht nicht im Selbstlauf, sondern nur durch den tatkräftigen Einsatz vieler Men­schen. Davon zeugen in den meisten Anlagen unzählige Nistkästen für die gefiederten Vertreter der Fauna sowie Insektenhotels unter­schiedlichster Art für Wildbienen und andere Insekten. Schöne Beispiele dafür zeigt der Wildbienengarten Leverkusen.

Schüler erkunden Kräutergarten
Weiterhin sind Totholz- und Lesesteinhaufen sowie Feuchtbiotope Wohnquartiere vieler Tiere. Aber auch Kräutergärten, die über die unterschiedlichen Pflanzenarten dieses Bereichs der Flora informie­ren, sowie Obst- und Beerenplantagen, in denen man die verschiedenen Stein- und Kernfrüchte ken­nenlernen kann, stellen keinen Sel­tenheitswert in Kleingärten dar. So werden z.B. in Braunschweig für die Schüler der Hans-Würtz-Schule Möglichkeiten geschaffen, Natur in einem Kräutergarten haut­nah zu erleben.

Wissensvermittlung auch für „Nicht-Kleingärtner“
Lehrgärten und Naturlehrpfade die­nen zum einen dem Natur- und Umweltschutz, zum anderen tragen sie auch dazu bei, dass der Mensch die Natur kennenlernt und Wissen über sie erwirbt. Somit stehen Lehrgärten und Naturlehrpfade im Fokus von Naturerlebnis und Wissensvermittlung.

In diesem Sinne stellt der Lehr- und Informationsgarten des Stadt­verbandes Magdeburg ein hervorragendes Beispiel dafür dar, dass Kleingärtner immer bemüht sind, Wissen über die Natur an Menschen in und außerhalb des Kleingartenwesens heranzutragen.

Naturerfahrung besonders wichtig für Kinder
Foto: LV Bremen 
Nicht nur an Geruch und Farbe lernt man Pflanzen kennen, oft muss man auch „tiefer“ schauen, wie hier im Lehrgarten des LV Bremen
Gerade diese enge Verbindung zwi­schen Wissensvermittlung und Kennenlernen der heimischen Flora und Fauna wird durch Lehrgärten und Naturlehrpfade unterstützt. Durch sie wird am praktischen Beispiel Bildung für alle Generationen vermittelt.
Das gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche, die hier auch durch eigene Tätigkeiten tiefer in die biologischen Abläufe hineinschauen und so ein Verhältnis zur Natur entwickeln, das die Basis für ihr gesamtes weiteres Leben sein kann. Dies ist z.B. in Bremen schon lange ein Schwerpunkt der Arbeit des Landesverbandes der Gartenfreunde und seines Beratungszentrums „FlorAtrium“.

Lehrgärten und Naturlehrpfade besser bekannt machen
Erfolge auf diesem Gebiet kann man heute schon an vielen Bei­spie­len in Kleingartenanlagen aller Landesverbände überzeugend nachweisen. Ein Nachfragen im Rheinland, in Sachsen und in Berlin nach solchen Projekten, die für das Klein­gartenwesen, aber auch für Kinder und Jugendliche aus umliegenden Bildungseinrichtungen sowie für Gäste der Anlage nützlich sind, ergab, dass sich die Verbände intensiv mit dem Thema auseinandersetzen und dabei hervorragen­de Ergebnisse erzielen.

Leider sind diese Bildungs- und Naturerlebnisstätten oft nicht genug bekannt, sodass mancher, der die heimische Flora und Fauna nä­her kennenlernen will, sie aufgrund fehlender Informationen nicht nutzen kann. Auch das erhebliche Defizit der jungen Generation hinsichtlich ihres Wissens über Vertreter der Flora und Fauna würde im erheblichem Maß ab­gebaut, wenn die vorhandenen Lehrgärten und Naturlehrpfade allen bekannt wären und dort, wo zurzeit noch keine existieren, neue errichtet würden.

Es wird für jeden – egal ob groß oder klein – ein unvergessliches Erlebnis bleiben, Natur lebendig auf einem Sinnespfad zu erleben, wie es im Schulgarten Markranstädt möglich ist, oder in die Kinderstube wild lebender Insekten zu schauen, was dieser Schulgarten Interessierten ebenso gestattet.

  • Um die vorhanden Lehrgärten und Naturlehrpfade bekannter zu machen, sind folgende Schritte nötig:
  • Lehrgärten und Naturlehrpfade öffentlich bekannt machen mit der Zielsetzung, sie nach und nach zu einem Netzwerk für al­le interessierten Bürger auszubau­en;
  • Projekte in zielgruppennahen Medien vorstellen; 
  • Konzepte und Anleitungen zur Umsetzung von Projekten für In­teressierte („Anfänger“ und „Fort­geschrittene“) bereitstellen; 
  • für die Zusammenarbeit von Bil­dungseinrichtungen und Kleingärtnervereinen neue Projekte initiieren, die Naturerfahrungen als Schwerpunkt haben, wie es derzeit bestehende Schulgartenprojekte oder sogenannte „grüne Klassenzimmer“ bereits erfolgreich realisieren; 
  • zwischen den Bildungsbereichen der Städte und Gemeinden und dem Kleingartenwesen Vereinbarungen abschließen bis hin zur finanziellen und personellen Unterstützung solcher Projekte.
Dass so etwas nicht von heute auf morgen geschehen kann, ist für jeden nachvollziehbar. ­Jedoch sind in vielen Regionen bereits funktionierende Projekte vorhanden, sodass man nur die Lücken schließen, das Vorhan­dene erhalten und weiterentwickeln sowie alle diese „Edelsteine“ öffentlich machen muss.

Dass ein solches Vorhaben viel Kraft, Zeit und auch Geld benötigt, muss man nicht extra betonen; andererseits gibt es aber auch viele Menschen, die die Natur lieben und sich für sie ein­setzen – man muss sie nur „aktivieren“. Durch Planung, Realisierung und Pflege solcher Lehrgärten und Naturlehrpfade erwachsen Menschen, die Respekt vor der Natur ha­ben – und auch neue Kleingärtner.

Dr. Norbert Franke,
Vizepräsident des Landesverbandes Berlin der Gartenfreunde



Stand:01.05.2009


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