Kleingartenwesen Events im Rückblick „Gartenfreund“ - Expertenforum

"Gartenfreund"-Expertenforum 2009
 
„Erfolgreich und nachhaltig gärtnern mit der Natur“ – dieses Thema umspannte als zentrale Aussage alle Vorträge und Präsentationen des 3. Expertenforums auf dem Kaldenhof bei Münster. Zur nachhaltigen Nutzung gehörte dabei auch das praktische und kreative Handwerk der Weidenverarbeitung. Was sich alles aus den biegsamen Ästen zaubern lässt, zeigte Angelika Laumann vom Kreislehrgarten Steinfurt.
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Rückblick:
Gemüse-Vielfalt „live“ auf dem Kaldenhof


Viel Spannendes beim ersten „Gartenfreund“-Expertenforum


Kein Zweifel – Fachberater sind Frühaufsteher: Manche hatten sich um 3.00 Uhr morgens auf den Weg zum „Gartenfreund“-Expertenforum nach Münster gemacht. Und die Veranstalter staunten nicht schlecht, als sie um 7.30 Uhr bereits von den ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf dem Kaldenhof, dem Pflanzenzucht- und Informationszentrum der Firma Bruno Nebelung Kiepenkerl-Pflanzenzüchtung (im Folgenden Kiepenkerl genannt), erwartet wurden. Und diese Frühaufsteher ließen es sich dann auch nicht nehmen, sogleich beim Aufbau des Anmeldestandes mit anzupacken.

 
Nach der Anmeldung widmeten sich die Fachberater gleich der ersten Aufgabe an diesem Tag: Die Frage vom Preisrätsel beantworten ...


Daher war es keine Frage, dass der „Kiepenkerl-Züchtertag 2007“, der unter dem Motto „Gemüse auf dem Kaldenhof“ stand, am 11. August pünktlich um 9.00 Uhr beginnen konnte. Die Veranstalter, vertreten durch Oliver J. Wächter, Geschäftsführer der Verlag W. Wächter GmbH, und Nicolaus Volmary, Geschäftsführer von Kiepenkerl, begrüßten die 160 Gäste aus nah und fern und wünschten allen einen spannenden und informativen Tag sowie einen schönen Aufenthalt auf dem Kaldenhof.

 
Die Organisatoren (v.l.): Raimund Schnecking, Produktberater bei der Firma Kiepenkerl, Jutta Pleiner, Chefredakteurin beim Verlag W. Wächter, Oliver J. Wächter, Geschäftsführer des Verlages W. Wächter, Nicolaus Volmary, Geschäftsführer der Firma Kiepenkerl


 
160 Gäste aus nah und fern waren zum ersten „Gartenfreund“-Expertenforum nach Münster gekommen


Wie entsteht eine neue Sorte?
Und dann ging es auch schon ans „Eingemachte“: Franziska Stellmach, Gartenbauingenieurin und Gemüse-Züchterin a.D., läutete die Vortragsserie mit ihrem Referat „Wie entstehen Sorten – welch züchterischer Aufwand ist notwendig?“ ein. Anhand von Erbsen und Buschbohnen stellte sie die verschiedenen Möglichkeiten der Züchtung vor und erläuterte Hintergründe von Sorten- und Saatgutrecht.

Zudem beschrieb sie die Kenntnisse, die ein Züchter für die Arbeit mit der Pflanze braucht, z.B. über den Aufbau der Pflanze, die Vererbbarkeit genetischer Eigenschaften, über verschiedene Zuchtmethoden, über Pflanzenkrankheiten, die Entwicklungen auf dem Markt und vieles mehr. Und sie zeigte auf, wie hoch der Aufwand bis zu einer neuen Sorte ist: „Zehn bis zwölf Jahre dauert es vom Beginn der Züchtung bis zur Einführung des Saatgutes einer neuen Sorte in den Handel“, so die Expertin.

 
Franziska Stellmach, Gemüse-Züchterin a. D., hielt einen Vortrag über die Entstehung neuer Sorten


Erholung bei Kaffee und Tee

 
Nach dem ersten Vortrag gab es erst einmal eine Stärkung


Nach so viel „Input“ gab es erst einmal eine Verschnaufpause mit Kaffee, Tee, Gebäck und Obst. Beeindruckt von dem Vortrag zeigten sich z.B. Monika und Hans Zdrojek sowie Christina und Emil Löcker aus dem Kleingärtnerverein „Hafenwiese“ in Dortmund.

Sie waren zusammen angereist und sahen sich in der Pause auf den Versuchsflächen um. „Das ist schon interessant, was alles passieren muss, bis der Samen in die Tüte kommt“, sagte Christina Löcker, die man schon als „Stammgast“ bezeichnen kann, da sie und ihr Mann alle der fünf bisher von den beiden Veranstaltern organisierten Fachtage mitgemacht haben.

 
Sie waren beeindruckt vom ersten Vortrag (v.l.): Monika und Hans Zdrojek sowie Christina und Emil Löcker aus Dortmund


Aufwändiges Prozedere: Pflanzen vermehren  
Weiter ging es mit dem Vortrag von Hans de Does, Saatzucht- und Versuchsleiter bei Kiepenkerl, zum Thema „Generative und vegetative Vermehrung von Gemüse“. Er berichtete über die Produktion von Elite- und Verkaufssaatgut bei Selbst- und Fremdbefruchtern und beschrieb die umfangreichen Kontrollen wie Keimproben und Echtheitskontrollen, die das Saatgut durchlaufen muss.

Zudem ging es in seinem Vortrag um die arbeitsaufwändige Vermehrung von Hybriden. „Zusätzlich zu den zehn bis zwölf Jahren für die Züchtung brauchen wir noch zwei bis fünf Jahre für die Vermehrung, bis die Pflanzen im Handel sind“, sagte der Fachmann.

 
Hans de Does, Saatzucht- und Versuchsleiter bei Kiepenkerl, referierte über die Vermehrung von Gemüse


Neue Sorten von Kiepenkerl
In seinem Referat „Resistent, tolerant und schmackhaft: die Gemüseneuheiten von Kiepenkerl“ informierte Raimund Schnecking, Agrar-Ingenieur und Produktberater bei Kiepenkerl, das Fachpublikum u.a. über neue, widerstandsfähige Bohnen- und Erbsenzüchtungen wie die Buschbohnen ‘Divara’ und ‘Negra’ und die Zuckererbsen ‘Delikata’ und ‘Zuccola’. Darüber hinaus ging es um neue Kohl-Sorten wie den Weißkohl ‘Kilaton’ und den Blumenkohl ‘Clapton‘, die gegen Kohlhernie resistent sind.

Ein weiteres Thema waren die Tomatensorten ‘Phantasia’ und ‘Philovita’ mit einer hohen Toleranz gegenüber Kraut- und Braunfäule. Als er dann noch „Gourmet-Fruchtgemüse auf Balkon und Terrasse“ vorstellte, war der Appetit auf leckere Tomaten geweckt.

 
Raimund Schnecking, Produktberater bei Kiepenkerl, informierte das Fachpublikum u.a. über neue, widerstandsfähige Gemüsesorten


Und so gab es nach dem Vortrag einen wahren „Run“ auf den gemeinsamen Stand der Firmen Kiepenkerl und De Ruiter Seeds, Niederlande, an dem eine Vielzahl verschiedener Tomaten- und Paprikasorten präsentiert wurde. Jeder Gast durfte sich Probierpackungen unterschiedlicher Tomatensorten für zu Hause mitnehmen. Und natürlich ließen es sich die Fachberater nicht nehmen, zu kosten, zu begutachten und zu fachsimpeln, was am besten aussieht und schmeckt.

 
Der Info-Stand der Firmen Kiepenkerl und De Ruiter Seeds präsentierte sich mit einer großen Vielfalt an Tomaten- und Paprikasorten


 
Großes Interesse hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmern des „Gartenfreund-Expertenforums an den unterschiedlichen Tomaten- und Paprika-Sorten


Mittagspause: Nahrung für Körper, Geist und Seele
Aber nur von Tomaten wird keiner satt, und so ließen es sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch bei Würstchen, Schnitzel und verschiedenen Salaten munden. Anschließend war Zeit für fachlichen Austausch und Beratungen an den Informationsständen des Verlags W. Wächter und den Firmen Kiepenkerl/De Ruiter Seeds. Großes Interesse fand außerdem die immense Vielfalt an Samentüten der Firma Kiepenkerl, die entlang der Hallenwände präsentiert wurden.

 
Ob Zeitschrift, T-Shirt oder Buch: Der Stand der Verlag W. Wächter GmbH war immer gut besucht


 
Willkommene Pause inmitten von Kräutern und Blumen am Stand der Firma Kiepenkerl


 
Mal schauen, was es Neues gibt: die beiden Brüder Rüdiger (li) und Reinhold Schmittberger aus Marl beim fachlichen Austausch über verschiedene Sorten


Und natürlich nutzten viele Fachberater die „freie Zeit“, sich bei strahlendem Sonnenschein schon einmal auf den Versuchsflächen des Kaldenhofs umzuschauen. Manch einer pausierte auch gerne inmitten der bunten Blütenpracht, so z.B. Birgit Selse und Heiko Schwarz aus dem Kleingärtnerverein „Feuchte Winkel-West“ in Berlin: „Wir haben fünf verschiedene Tomatensorten in unserem Kleingarten und drei verschiedene Zucchinisorten, wir probieren einfach gerne etwas aus, sowohl alte als auch neue Sorten“, berichteten die beiden mit strahlenden Gesichtern. Na, dann mal weiter so ...

 
Birgit Selse und Heiko Schwarz aus Berlin probieren gerne verschiedene Gemüsesorten in ihrem Kleingarten aus


Führungen über die Versuchsflächen
An so einem Tag darf natürlich auch die Praxis nicht fehlen. Und so ging es mit den Experten von Kiepenkerl auf die Versuchsflächen. „Auf 30 ha Anbaufläche werden hier 4000 bis 6000 Pflanzen angebaut, um Sortenvergleiche und Prüfungen für den Erwerbsanbau durchzuführen“, erläuterte Herbert Kleine-Niesse.

Zunächst präsentierte der Experte kleine Parzellen mit unterschiedlichen Rasentypen. Dann war Canna (Blumenrohr) das Thema, danach ging es weiter zum Tagetes-Feld, zu den Astern, zu Blumenmischungen und zum Gemüse.

Bei den Möhren gab es dann einen längeren Stopp mit Tipps für den Anbau. Und natürlich durften die Kräuter nicht fehlen – ein Genuss für alle Sinne. Hier durfte dann auch gepflückt, gerieben, gerochen und gekostet werden.

 
Die Kräutervielfalt auf dem Kaldenhof stieß bei den Fachberatern auf großes Interesse. Hier durfte dann auch gepflückt, gerochen und gekostet werden.


Kontakt zu den Konsumenten wichtig
Am Nachmittag referierte Huib Koerts, Berater und Area Manager bei De Ruiter Seeds, Niederlande, über das Unternehmen, das auf Züchtung, Produktion und Verkauf von Hybrid-Gemüsesaatgut spezialisiert ist. Dabei konzentriert sich De Ruiter Seeds auf  sechs Hauptprodukte: Tomaten, Gurken, Paprika, Melonen, Auberginen und Veredelungsunterlagen.

Seit ungefähr zehn Jahren arbeitet die Firma mit Kiepenkerl zusammen. So stammt z.B. die gegen Echten Mehltau und andere Krankheiten widerstandsfähige Tomatensorte ‘Maranello’ aus dem Kiepenkerl-Sortiment von De Ruiter Seeds.

 
Huib Koerts, Berater und Area Manager bei De Ruiter Seeds, stellte in seinem Vortrag heraus, wie wichtig für die Firmen der Kontakt zu den Kleingärtnern ist


Und auch die ganz kleine „Snack“-Tomate, die Sorte ‘Cupido Candiezz’, die während der Veranstaltung als ‘Candiezz’ in Bonbonieren zum Verkosten angeboten wurde, wurde bei De Ruiter Seeds gezüchtet. Sie fand großen Anklang bei den Gästen (und vor allem bei der Autorin dieses Artikels, die nahezu süchtig wurde nach den kleinen süßen Früchtchen). ‘Cupido Candiezz’ soll ab 2008 auch bei Kiepenkerl unter der Bezeichnung Datteltomate ‘Cupido‘ als Profi-Line Pflanze erhältlich sein.

 
Gesunde Verführung: die „Snack“-Tomate ‘Candiezz’


Auch stellte Huib Koerts in seinem Referat heraus, wie wichtig für die Profi-Züchter der Kontakt zu den Konsumenten, eben auch zu den Kleingärtnern, ist: „Sie geben uns ein Feedback, welche Kriterien für eine neue Sorte wichtig sind und wie unsere Produkte ankommen, und wir, die Profi-Züchter, können dann gezielt darauf reagieren.“ Er sei zudem erstaunt, wie gut sich die Fachberater mit den Sorten auskennen.

Show-Kochen mit Michael Moore
Als besonderen Gast hatte die Firma Kiepenkerl einen Experten der Kochkunst, Michael Moore aus London, eingeladen. Der Star-Koch war bereits bei renommierten Hotels wie dem „Vier Jahreszeiten“ in Hamburg unter Vertrag und zählt nun als drittbester Koch Londons.

„Tolle Produkte brauchen einen tollen Koch!“ mit diesen Worten kündigte Raimund Schnecking den Gast an. Und daher standen auf der Zutatenliste auch die Tomaten ‘Caprese Milano’ und ‘Cupido Candiezz’, die bereits am Info-Stand verkostet werden konnten.

Immer im Kontakt zum Publikum wirbelte Michael Moore behände zwischen seinen Kochutensilien hin und her, sodass die Fotografen Mühe hatten, ihn aufs Bild zu bannen. Mit viel Eleganz zauberte er kleine Köstlichkeiten, die er den Fachberatern auf einem silbernen Tablett darreichte.

 
Kleine Köstlichkeiten mit Tomaten zauberte der Star-Koch Micheal Moore aus London für die Fachberater ...


 
... serviert auf einem silbernen Tablett


Gewinner des Preisrätsels
Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Auslosung der Gewinner des Preisrätsels, für das die Firma Kiepenkerl drei Blumenzwiebelpakete im Wert von 50, 30, und 20 Euro zur Verfügung gestellt hatte. Edelgard Seefeld aus Berlin stellte sich als Glücksfee zur Verfügung und zog drei Karten mit den richtigen Lösungen: Den 1. Preis gewann Karin Bauer aus Emsdetten, der 2. Preis ging an Käthe Wegner aus Wrist, den 3. Preis erhielt Maria von Daak aus Lehrte.

Oliver J. Wächter und Nicolaus Volmary beglückwünschten die Gewinner, und so endete die Veranstaltung. Es war ein Tag voller wertvoller Fachinformationen, bei dem auch die sinnlichen Genüsse nicht zu kurz kamen.

 
Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Auslosung der Gewinner des Preisrätsels (v.l.):
Karin Bauer aus Emsdetten (1. Preis), Glücksfee Edelgard Seefeld aus Berlin, Oliver W. Wächter (Geschäftsführer Verlag W. Wächter GmbH), Maria von Daak aus Lehrte (3. Preis), Nicolaus Volmary (Geschäftsführer Kiepenkerl), Käthe Wegner aus Wrist (2. Preis)

Christiane Breder


Stand:01.09.2007



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