Kleingartenwesen Das Herzstück des Vereins: die Fachberatung

Das Herzstück des Vereins: die Fachberatung

Was der Trainer im Sportverein,
ist der Gartenfachberater im Kleingärtnerverein


Im Kleingartenwesen gibt es auf allen Ebenen der Organisation Fachberater. Aber nur in wenigen Ausnahmefällen ist der Fach- berater in den Verbänden und Vereinen mit Sitz und Stimme im Vorstand vertreten.

Im Bundesverband Deutscher Gartenfreude, der Dachorgani- sation des deutschen Kleingartenwesens, lenkt der Bundes- fachberater bundesweit die Geschicke der Fachberatung. Der Landesfachberater organisiert in seinem Bundes­land auf Landesverbandsebene die Aufgaben der Fachberatung. Er in­formiert und betreut u.a. die Bezirks- oder Stadtverbands- fachberater, die ihrerseits in den Vereinen die Aus- und Weiterbildung der Vereinsfachberater durchführen.

Diese Aufgabenverteilung mit der fachlichen Betreuung bis hin zum einzelnen Mitglied ist in der Satzung abgesichert und dient laut Bundeskleingartengesetz der Förderung des Kleingar­ten- wesens und der Anerkennung als gemeinnützige Organisa­tion.

Sind die Aufgaben auf den jeweiligen Organisationsebenen auch recht unterschiedlicher Natur, so wird doch auf allen Ebenen gärtnerisches Fachwissen verlangt! Als sogenann­te Multipli- katoren haben die Fachberater eine Doppelfunktion: Sie werden geschult und geben anschließend ihr erworbenes Wis­sen in eigenen Schulungsveranstaltungen und Versammlun­gen an Fachberater, an die eigenen Vorstandskollegen und an die Gartenfreunde im Verein weiter.

In der Regel beginnt die Laufbahn eines Fachberaters mit der Wahl zum Vereinsfachberater auf einer Mitgliederversammlung. Dann werden ihm die laut Vereinssatzung festgeschriebenen Aufgaben übertragen.

Wie schwierig es heutzutage ist, Vereinsmitglieder für Vor- standsämter zu gewinnen, ist hinlänglich bekannt. Jeder Verein kann sich daher glücklich schätzen, wenn sich für dieses Vorstandsamt ein Gartenfreund zur Verfügung stellt. Wenn er dann auch noch eine gärtnerische Vorbildung besitzt – um­so besser.

Ich möchte aber auch den nicht fachlich „vorbelasteten“ Fachberatern Mut machen und den Rücken stärken, denn sie werden innerhalb der Organisation unterstützt und gefördert. Zur ihrer Weiterbildung werden Schulungsveranstaltun­gen und Seminare angeboten, und sie erhalten z.B. auch eine Ausbildung zum Wertermittler, um bei Gartenvergaben bei Pächterwechsel die Wertermittlung durchführen zu können.

Ob praktische Vorführungen, z.B. zum Baumschnitt, oder Vor- träge über die verschiedensten Fachthemen – durch regel- ­mäßige Vereinsfachberaterlehrgänge sorgen die Verbände da­für, dass die Fachberaterausbildung stets auf dem neuesten Stand ist. Denn nur ein gut aus- und weitergebildeter Fach­be­rater ist in der Lage, sich im Vorstand entsprechendes Gehör zu verschaffen und sein erworbenes gärtnerisches Wis­sen an die Vereinsmitglieder verständlich weiterzugeben.

Zu den Aufgaben des Fachberaters gehört es auch, die Gartenfreunde bei der kleingärtnerischen Gestaltung und umwelt­gerechten Bewirtschaftung ihrer Einzelgärten zu beraten und z.B. Tipps zum Pflanzenschutz zu geben. Ferner obliegt ihm die planerische Gestaltung der Vereinsanlage, er ist für die Pflege des Rahmengrüns und die Unterhaltung der Vereinseinrichtun­gen verantwortlich.

Um die Anlage für die Vereinsmitglieder und auch für die Öffentlichkeit attraktiv zu gestalten und so das Interesse für das Kleingartenwesen zu wecken (und vielleicht neue Mitglie­der zu gewinnen), muss der Fachberater Planungsvorschläge erarbeiten. Dazu könnte z.B. gehören, kinderfreundliche Spiel­plätze zu schaffen, den Eingangsbereich einladend zu gestalten, für Ruheplätze zu sorgen, Informationstafeln aufzustellen, einen Lehrpfad einzurichten und leer stehende Parzellen als Schulgarten oder für Migrationsprojekte zur Verfügung zu stellen. Solche Maßnahmen setzen allerdings voraus, dass die Kleingartenanlage für die Öffentlichkeit zugänglich ist – und dass der Fachberater im Verein Helfer hat.

Und so „ganz nebenbei“ gehört es noch zu den Aufgaben des Fachberaters, Veranstaltungen, wie z.B. den „Tag des Gartens“, den „Tag der offenen Pforte“, eine Pflanzenbörse oder themen­bezogene Gartenbegehungen zu organi­sieren.

Sie sehen, das Aufgabenfeld eines Fachberaters ist vielschichtig und vielfältig. Ich selbst blicke auf viele Jahre Fachberatung zurück, und ich möchte alle Gartenfreunde – ob mit oder ohne gärtnerisches Vorwissen – dazu ermutigen, sich als Fachberater im Verein zu engagieren.

Sicher müssen Sie Zeit z.B. für die Aus- und Weiterbildungs­maß- nahmen mitbringen, aber Erfolge mit Veranstaltungen, oder die Gewissheit, einem Gartenfreund durch Rat und Tat weiterge- holfen zu haben, sind ein schöner Lohn für die Arbeit. Und dem, der die Weiterbildung scheut, kann ich nur den bekannten Ausspruch „Stillstand bedeutet Rückschritt“ mit auf den Weg geben.

Helmut Vetter,
Landesfachberater des
Landesverbandes Braunschweig der Gartenfreunde


Stand:01.07.2008


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